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Kontrollposten: US-Soldaten erschießen sieben Frauen

Seit dem Selbstmordattentat am Samstag liegen die Nerven blank. Jetzt mussten wieder Menschen an einem Kontrollposten sterben. Diesmal sieben Irakerinnen, die nicht angehalten hatten.

US-Soldaten haben an einem Kontrollposten in Zentralirak nach offiziellen Angaben in einem Fahrzeug sieben Frauen und Kinder erschossen.

Ein Sprecher des Central Command der US-Armee in Katar teilte am Dienstagmorgen mit, die Soldaten hätten bei dem Vorfall am Vortag nahe der Stadt Naschaf das Feuer eröffnet, da das Auto trotz Warnschüssen auf den Kontrollposten zugefahren sei. Die US-geführten Streitkräfte setzten ihre Luftangriffe auf Bagdad in der Nacht und im Morgengrauen fort. Rund 80 Kilometer südlich der Hauptstadt lieferten sich US-Truppen heftige Gefechte mit irakischen Einheiten der Republikanischen Garden. US-Präsident George W. Bush sagte, die US-geführten Truppen machten im Irak-Krieg bedeutsame Fortschritte.

"Als allerletztes Mittel haben die Soldaten in den Innenraum des Fahrzeugs geschossen. In dem Fahrzeug haben sie 13 Frauen und Kinder gefunden. Sieben der Insassen waren tot. Zwei waren verletzt. Vier waren unverletzt", sagte der Militärsprecher weiter. Zuvor hätten die Soldaten auf den Motor des Wagens gezielt, ohne ihn jedoch stoppen zu können. Die Soldaten hätten "absolut das Richtige getan", sagte der Vize-Chef des US-Generalstabs, General Peter Pace. Die Insassen hätten sich ungewöhnlich verhalten.

Die USA haben stets erklärt, in dem Krieg Opfer unter der Zivilbevölkerung vermeiden zu wollen. Für die Soldaten erscheint die Unterscheidung zwischen Angreifern und Zivilisten jedoch nicht immer auf den ersten Blick möglich zu sein. In der Nähe von Nadschaf hatte am Samstag ein als Taxifahrer getarnter Selbstmordattentäter vier US-Soldaten getötet, als diese den Wagen durchsuchten Der Tod der Frauen und Kindern nahe Nadschaf dürfte nicht nur in der arabischen Welt anti-amerikanischen Protesten weiter Auftrieb geben.

Luftangriffe fortgesetzt

Nach anhaltenden Luftangriffen in der Nacht zu Dienstag wurden die Außenbezirke Bagdads im Morgengrauen von zwei Explosionen erschüttert. In der Nacht war unter anderem erneut ein Komplex des irakischen Präsidenten Saddam Hussein am Tigris bombardiert worden. "Eine große, große, große Rauchwolke steigt aus dem Komplex empor", berichtete Reuters-Korrespondentin Samia Nakhoul. Möglicherweise seien größere Bomben als zuvor abgeworfen worden. Die US-geführten Streitkräfte griffen auch Stellungen der Eliteeinheit Republikanische Garden an.

Innerhalb und im Umkreis der Stadt Nassirijah kam es nach irakischen Angaben zu schweren Gefechten. Dabei hätten die US-geführten Streitkräfte schwere Verluste erlitten. Bei den Kämpfen sei "das Blut des Feindes in Strömen geflossen", sagte ein irakischer Sprecher. In den vergangenen 24 Stunden seien mindestens 60 US- und britische Soldaten getötet worden.

Die USA und Großbritannien hatten gehofft, einen Häuserkampf vermeiden zu können, da dieser auf ihrer Seite und unter der Zivilbevölkerung zu hohen Verlusten führen könnte. Mit Blick auf Bagdad sind die US-geführten Truppen jedoch inzwischen offenbar zum Kampf entschlossen. Aus Kreisen des US-Central Command in Katar verlautete, das Militär sei bereit "einen sehr hohen Preis" zu zahlen, um die Stadt einzunehmen. "Wenn das bedeutet, dass es viele Opfer geben wird, dann wird es viele Opfer geben."