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Kosovo: Abschied von Präsident Rugova

Hunderttausende haben den Sarg ihres verstorbenen Präsidenten zum Friedhof in Pristina begleitet. Dutzende Spitzenpolitiker aus aller Welt gaben ihm die letzte Ehre - ein Zeichen pro Kosovo-Souveränität.

Der Präsident der serbischen Konfliktprovinz Kosovo ist am Donnerstag in Pristina mit den Ehren eines Staatsoberhaupts beigesetzt worden. Mehrere hunderttausend Albaner folgten nach der Trauerfeier in einer überfüllten Sporthalle dem mit der Nationalfahne geschmückten Sarg, der auf einer schwarzen Lafette zum "Märtyrer-Friedhof" am Stadtrand gebracht wurde. Das Ausland war mit Dutzenden Staatsoberhäuptern, Regierungschefs, Außenministern und Spitzenpolitikern vertreten. Für Deutschland nahm Außenamtschef Frank-Walter Steinmeier teil.

"Er war der Vater Kosovos", lobte der Chef der UN-Kosovo-Verwaltung, Soeren Jessen-Petersen, den im Alter von 61 Jahren an Lungenkrebs gestorbenen Rugova. "Wir ehren ihn als Präsidenten der Unabhängigkeit", sagte Regierungschef Bajram Kosumi. Rugovas Ziel, die Unabhängigkeit von Serbien zu erreichen, sei Auftrag und Ansporn für alle albanischen Politiker. Der EU-Außenpolitiker Javier Solana rief die Albaner auf, schnell einen Nachfolger für Rugova zu bestimmen, um die auf Anfang Februar verschobenen Verhandlungen über die staatliche Zukunft Kosovos in Gang zu bringen.

Das öffentliche Leben in Pristina ruhte. Geschäfte, Schulen und Behörden blieben geschlossen. Am Rande der "Märtyrer"-Gedenkstätte, wo gefallene Kämpfer der Rebellenarmee UCK aus dem Bürgerkrieg 1998/99 bestattet sind, wurde Rugova in einer kreisrunden Grabanlage von 16 Metern Durchmesser beigesetzt. Rundherum sollen 61 Bäume gepflanzt werden - für jedes seiner Lebensjahre einer. Nur eine schlichte Marmorplatte soll die Gruft schmücken. Die Bestattungszeremonie folgte nicht religiösen Riten, sondern ausschließlich nationalen und staatlichen Vorgaben.

Gute Zeichen für eine Souveränität Kosovos

Die Anwesenheit hochrangiger ausländischer Politiker signalisierte, dass Kosovo bereits heute als unabhängiger Staat angesehen wird, obwohl die fast nur noch von Albanern bewohnte Provinz völkerrechtlich zu Serbien gehört. Demgegenüber war dem serbischen Republikpräsidenten Boris Tadic, der formell auch das Staatsoberhaupt im Kosovo ist, die Teilnahme an der Beerdigung verwehrt. Auch die Bestattung neben den UCK-Rebellen, die von Rugova abgelehnt worden waren, werteten westliche Diplomaten als kämpferisches Bekenntnis für die angestrebte Souveränität.

Ein Nachfolger für Rugova als Präsident und Vorsitzender der größten Partei (LDK) soll nach Darstellung vieler Politiker zügig gewählt werden, um die Verhandlungen über die angestrebte Unabhängigkeit zu beschleunigen. Kommentatoren erwarteten jedoch wegen der zerstrittenen Parteiflügel innerhalb der LDK und der Gegensätze zwischen den Parteien schwierige Verhandlungen, die nur mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft zu einem Erfolg gebracht werden könnten.

DPA / DPA