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Kosovo: Ausnahmezustand in Mitrovica

Nach den gestrigen Krawallen im Kosovo ist ein UN-Polizist seinen Verletzungen erlegen. Nun patrouilliert die Nato-Schutztruppe Kfor durch die serbische Stadt Mitrovica, Stacheldraht begrenzt das ethnisch geteilte Stadtgebiet.

Nach den schweren Zusammenstößen mit Kosovo-Serben im Nordteil Mitrovicas hat die Nato-Schutztruppe Kfor die Stadt faktisch unter Militärrecht gestellt. Die Kfor forderte nach Angaben aus Sicherheitskreisen die serbischen Polizisten in Mitrovica auf, ihren Dienst vorübergehend auszusetzen und ihre Streifenwagen abzustellen. Damit übernahmen die französischen, belgischen und spanischen Kfor-Soldaten die alleinige Kontrolle über den von Serben bewohnten Nordteil der Stadt. Eine offizielle Erklärung der Kfor gab es dazu nicht. Die UN-Polizisten hatten sich wegen der Überfälle bereits am Vortag zurückgezogen. Am Abend war ein ukrainischer UN-Polizist seinen Verletzungen erlegen.

Soldaten in gepanzerten Fahrzeugen gingen an wichtigen Punkten der Stadt in Stellung. Die größte Brücke über den Fluss Ibar, der Serben und Albaner voneinander trennt, war mit Stacheldraht und umgestürzten Müllcontainern gesperrt. Es herrschte eine gespannte Atmosphäre, die dadurch unterstrichen wurde, dass die Besatzung eines gepanzerten französischen Fahrzeugs beim Anblick einer Gruppe Serben augenscheinlich in Panik geriet, eine Ampel rammte und Schockgranaten verschoss.

Granaten verletzten Schutztruppe

Der bei den gestrigen Unruhen verletzte ukrainische Polizist starb nach Angaben aus UN-Kreisen an den Folgen einer durch Granatsplitter verursachten Verwundung. Auch 85 weitere Sicherheitskräfte aus Polen, Frankreich und der Ukraine wurden bei den Krawallen verletzt, einige schwer. Der Nato zufolge wurden die Polizisten und Soldaten mit automatischen Waffen beschossen, nachdem sie ein von Serben besetztes Gerichtsgebäude geräumt hatten. Zudem wurden etwa 100 Serben bei den schwersten Ausschreitungen seit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovos vor einem Monat verletzt, einer davon lebensgefährlich.

DPA/Reuters / DPA / Reuters