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Unruhen: Nato schickt Truppen in den Kosovo

Nach den Zusammenstößen zwischen Serben und Albanern im Kosovo ist die Zahl der Todesopfer auf 22 gestiegen. Um für Ruhe zu sorgen, schickt die Nato zusätzliche Soldaten in die Provinz.

Nach den Zusammenstößen zwischen Serben und Albanern im Kosovo ist die Zahl der Todesopfer auf 22 gestiegen. Es waren die schwersten Kämpfe zwischen den Volksgruppen seitdem die südserbische Provinz 1999 Mandatsgebiet der Vereinten Nationen (UN) wurde.

Mehrere UN-Sicherheitskräfte und Soldaten der Kosovo-Schutztruppe KFOR wurden verletzt. In der serbischen Hauptstadt Belgrad wurde eine Moschee von aufgebrachten Serben in Brand gesetzt. UN-Generalsekretär Kofi Annan sprach von einer Gefahr für die Stabilität des Kosovo. Aus serbischen Kreisen verlautete, der UN-Sicherheitsrat werde sich am Donnerstag mit der Gewalt beschäftigen.

US-Soldaten bringen Serben aus ihren Wohnungen in Sicherheit

Behörden, Augenzeugen und Medien berichteten von Gewaltausbrüchen an mehr als ein Dutzend verschiedenen Orten im Kosovo, darunter Mitrovica im Norden, Urosevac im Süden und Pec im Westen. Das Gesundheitsministerium des Kosovo bestätigte 16 Tote. In der Hauptstadt Pristina gebe es Berichte über einen weiteren Toten und unbestätigte Meldungen sprachen von drei Getöten in Gnjilane.

In der Pristina umstellten hunderte aufgebrachte Albaner ein serbisches Wohnviertel, setzten Fahrzeuge der UN in Brand und bewarfen Polizisten mit Steinen. Die Beamten setzten Gummigeschosse ein, US-Soldaten brachten Serben aus ihren Wohnungen in Sicherheit. Die serbische Nachrichtenagentur Beta meldete, eine Kolonne von 30 gepanzerten Fahrzeugen habe aus Caglavica zehn verletzte Nato-Soldaten evakuiert. In dem Ort hätten Albaner eine Enklave von 1.000 Serben angegriffen. In der geteilten Stadt Mitrovica brannten zwei Jeeps der UN aus. Dort zogen Soldaten von Häuserblock zu Häuserblock, um eine Sicherheitszone zu errichten.

"Wir sind zurück in 1999"

Die Gewalt hatte begonnen, nachdem sich in Mitrovica zahlreiche aufgebrachte Albaner versammelt hatten. Am Vortag waren drei albanische Jungen im Fluss ertrunken. Albanische Medien hatten berichtet, sie seien von Serben verfolgt worden, die wiederum Rache für einen angeschossenen Jugendlichen üben wollten. Als die Albaner versuchten, den serbischen Teil der Stadt zu stürmen, setzte die Polizei Tränengas und Gummigeschosse ein.

Ein Vertreter der multinationalen Polizeitruppe der UN sprach von "einer sehr gefährlichen Situation". Der Kosovo-Politiker Momcilo Trajkovic, ein Serbe, sagte: "Wir sind zurück in 1999." Die Nato hatte damals elf Wochen lang Luftangriffe gegen Jugoslawien geflogen, um die Regierung zur Annahme eines Friedensplans für den Kosovo zu zwingen. Dort waren Sicherheitskräfte aus Jugoslawien und der Teilrepublik Serbien mit großer Härte gegen albanische Separatisten vorgegangen. Inzwischen ist Jugoslawien durch den lockeren Staatenbund Serbien und Montenegro ersetzt worden.

Nato schickt Truppenverstärkung

Um nach den schweren Ausschreitungen für Ruhe zu sorgen, schickt die Nato zusätzliche Soldaten in die südserbische Provinz Kosovo.

Eine Einheit von 100 bis 150 US-Soldaten sei bereits auf dem Weg, zwei weitere in Bereitschaft, teilte ein NATO-Sprecher in Brüssel mit. Die Truppen werden von Bosnien in den Kosovo verlegt.

Der Kosovo wird seit 1999 von den Vereinten Nationen (UN) verwaltet. Für die Sicherheit ist die Nato zuständig.