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Serbien-Montenegro: Tote bei Straßenschlachten im Kosovo

Bei Zusammenstößen zwischen Serben und Albanern in der Provinz Kosovo sind mindestens neun Menschen getötet worden. Auslöser der Unruhen war der Tod zweier albanischer Kinder, die angeblich von Serben in einen See gehetzt worden waren.

Die Spannungen zwischen Albanern und Serben im Kosovo sind am Mittwoch in blutige Zusammenstöße mit mindestens neun Toten und fast 300 Verletzten eskaliert. Die UN-Mission bestätigte zunächst fünf Todesfälle. Zu dem Feuergefecht in der geteilten Stadt Kosovska Mitrovica kam es, nachdem die Leichen von zwei albanischen Kindern nahe der Ortschaft Cabra am Fluss Ibar gefunden worden waren. Die Jungen sollen von Serben in den eisigen Fluss getrieben worden sein.

Angaben einer UN-Sprecherin, wonach auch ein französischer Soldat der Friedenstruppe KFOR getötet wurde, wurden später von der NATO und den französischen Streitkräften dementiert. Berichte über den Tod eines Friedenssoldaten seien "absolut unwahr", sagte NATO-Sprecher Oberstleutnant Jim Moran.

Ermittlungen laufen noch

Die zwei albanischen Kinder waren am Dienstagnachmittag verschwunden. Nach Angaben des 13-jährigen Bruders eines der Jungen waren die drei in den Fluss gesprungen, nachdem zwei Serben aus einem Nachbardorf einen Hund auf sie losgelassen hätten. Eine Sprecherin der UN-Polizeitruppen vor Ort, Angela Joseph, erklärte, es werde noch ermittelt.

Nach Berichten über den Vorfall gingen in Kosovska Mitrovica tausende Albaner auf die Straßen. Der Konflikt eskalierte schließlich an einer Brücke, die die albanischen mit den serbischen Wohngebieten verbindet. Es fielen Schüsse, auch mindestens eine Handgranate wurde geworfen. NATO-Friedenstruppen schritten mit Gummigeschossen und Blendgranaten ein. Auch hunderte Schulkinder beteiligten sich an der Demonstration, Albaner blockierten mit Autos die Zufahrtsstraße in die Stadt.

Bei den Toten handelte es sich um vier Albaner und zwei Serben. Die albanischen Krankenhäuser meldeten mehr als 200 Verletzte, die serbischen nahezu 100. Auch die herbeieilenden internationalen Sicherheitskräfte wurden angegriffen, eines ihrer Fahrzeuge wurde von Demonstranten zertrümmert. Elf französische Soldaten wurden nach NATO-Angaben verletzt, mindestens zwei von ihnen schwer.

Berichte über Granatangriffe auf serbische Häuser

Nahe der Provinzhauptstadt Pristina durchbrachen hunderte Albaner Barrikaden der UN- und NATO-Truppen, um in Richtung des serbischen Dorfes Caglavica zu marschieren. Es habe Berichte über Granatangriffe auf serbische Häuser gegeben, erklärte UN-Sprecherin Joseph. Zwei Häuser hätten in Flammen gestanden. Ein Augenzeuge berichtete zwar der Nachrichtenagentur AP später am Telefon, die Polizei sei eingeschritten, die Lage habe sich beruhigt. Ein Live-Bericht des Rundfunks meldete aber anhaltende Zusammenstöße. Das Geräusch von Schüssen und Explosionen war zu hören.

In Belopolje im Westen der Provinz vertrieben Albaner nach Angaben von Josephs serbische Einwohner und steckten deren Häuser in Brand. In Pec, rund 80 Kilometer westlich von Pristina, griffen Albaner das Büro der Vereinten Nationen an und beschädigten UN-Fahrzeuge.

Demonstrationen bereits am Vortag

Bereits am Dienstag war es in der unter UN-Verwaltung stehenden serbischen Provinz zu Demonstrationen gekommen, nachdem ein 19-jähriger Serbe angeschossen und verletzt worden war. Die Teilnehmer einer Protestkundgebung blockierten vorübergehend eine Verbindungsstraße nach Mazedonien.

Die serbische Regierung forderte auf einer Dringlichkeitssitzung in Belgrad die umgehende Einberufung des Weltsicherheitsrates. Mit den Angriffen auf serbische Siedlungen habe der albanische "Separatismus" sein wahres "Terrorgesicht" gezeigt, sagte Ministerpräsident Vojislav Kostunica nach der Sitzung. Er verlangte von den UN mehr Schutz für die Kosovo-Serben, was nur durch deren weitgehende Autonomie innerhalb der Provinz gewährleistet werden könnte.

Annan verurteilt Gewalt

UN-Generalsekretär Kofi Annan hat die schweren Zusammenstößen zwischen Serben und Albanern in der Provinz Kosovo verurteilt. Ein derartiger Gewaltausbruch könne die Region nur destabilisieren, erklärte Annan in New York. Er rief alle Beteiligten auf, der Gewalt umgehend ein Ende zu bereiten.

Fisnik Abrashi / DPA