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Krisen in der arabischen Welt: Auswärtiges Amt warnt vor Reisen in den Jemen

Nachdem die Bundesregierung bereits von Reisen in den Jemen abriet, verschärft das Auswärtige Amt jetzt seine Warnung. Allen Bundesbürgern wird dringend die Ausreise empfohlen. In Ägypten bekundet derweil Friedensnobelpreisträger ElBaradei sein Interesse an einer Präsidentschaftskandidatur.

Wegen der anhaltenden Auseinandersetzungen im Jemen hat das Auswärtige Amt seine Reisewarnung für das ärmste Land der arabischen Halbinsel verschärft. Allen Bundesbürgern, die sich noch im Jemen aufhalten, wird nun die Ausreise empfohlen. Nach Schätzungen des Ministeriums vom Donnerstag betrifft dies etwa 200 bis 250 Deutsche, die derzeit noch in der Hauptstadt Sanaa und anderen Landesteilen sind. Vor Reisen in den Jemen warnt die Bundesregierung bereits seit längerer Zeit.

Der von Regimegegnern bedrängte Präsident Ali Abdullah Salih versprach am Donnerstag eine umfassende Verfassungsreform. Seit Wochen fordern Demonstranten den Rücktritt Salihs, der in Sanaa seit 1978 an der Macht ist. Bislang hatte er lediglich angekündigt, 2013 nicht mehr für das höchste Staatsamt zu kandidieren. Während der wochenlangen Kundgebungen eröffneten Sicherheitskräfte immer wieder das Feuer.

ElBaradei will für Präsidentenamt kandidieren

Der Friedensnobelpreisträger und ehemalige Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohammed ElBaradei, will für das Präsidentenamt in seiner Heimat Ägypten kandidieren. "Wenn sich das Tor für Nominierungen öffnet, dann habe ich vor, meine Kandidatur anzumelden", sagte der Oppositionspolitiker in der Nacht zum Donnerstag im privaten Fernsehsender On TV. ElBaradai ist damit der zweite Politiker, der Interesse für das höchste Staatsamt in Ägypten bekundet hat. Vor ihm hatte der noch amtierende Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, seine Kandidatur angekündigt.

Nach dem erzwungenen Rücktritt von Präsident Husni Mubarak am 11. Februar übernahm das Oberkommando der ägyptischen Streitkräfte vorübergehend die Macht. Präsidentschafts- und Parlamentswahlen sollen innerhalb von sechs Monaten stattfinden. Termine wurden noch keine genannt. Am 19. März sollen die Ägypter in einem Referendum über Änderungen der geltenden Verfassung abstimmen, die freie und faire Wahlen überhaupt erst ermöglichen sollen.

Erste Pressekonferenz im Slum

ElBaradai gilt als Vordenker mit liberalen Ansichten und Sensibilität für Minderheiten. "Falls ich zum Präsidenten gewählt werde, werde ich meine erste Pressekonferenz in einem Slum abhalten" sagte er in dem Fernsehgespräch. Er wolle sich dann bei den Armen für die "Vernachlässigung" entschuldigen, die ihnen in der Vergangenheit widerfahren sei.

Der 68-jährige Ex-Diplomat fand vor allem unter den Angehörigen der Jugendbewegung viele Bewunderer, die jene Massenproteste initiiert hatte, die nach 18 Tagen zum Sturz Mubaraks geführt hatten. Kritiker halten ihm hingegen vor, ein idealistischer Träumer zu sein, der jahrzehntelang im Ausland lebte und den Kontakt zur ägyptischen Realität verloren habe.

ins/DPA / DPA