L'Arche de Zoe-Urteil Acht Jahre Arbeitslager


Im Prozess um die versuchte Entführung von 103 Kindern aus dem Tschad hat ein Gericht die französischen Angeklagten zu jeweils acht Jahren Arbeitslager verurteilt. Frankreich wünscht eine Überstellung der vier Männer und zwei Frauen.

Die sechs Mitarbeiter der Hilfsorganisation "L'Arche de Zoe" hätten die Kinder illegal nach Europa bringen wollen, urteilte das Gericht in der Hauptstadt N’Djamena am Mittwoch. Es ordnete zudem eine Entschädigungszahlung von umgerechnet 60.000 Euro pro Kind an, was sich bei 103 Fällen auf 6,2 Millionen Euro summiert. Die Franzosen hatten die Vorwürfe bestritten und erklärt, sie hätten kranke und verarmte Waisen aus humanitären Gründen ausfliegen wollen.

Frankreich kündigte unmittelbar nach dem Urteil an, eine Überstellung der vier Männer und zwei Frauen zu beantragen. Beobachter hatten bereits erwartet, dass sich beide Länder auf einen solchen Schritt einigen. Der ölreiche Tschad in Zentralafrika ist eine ehemalige französische Kolonie.

Geld von den Pflegefamilien

Die Beschuldigten waren bei dem Versuch festgenommen worden, die Kinder nach Europa auszufliegen. Die Angeklagten hatten in dem viertägigem Verfahren erklärt, sie hätten sowohl die französischen als auch die tschadischen Behörden über ihr Vorhaben in Kenntnis gesetzt. Man habe den Kindern aus der westsudanesischen Krisenregion Darfur ein besseres Leben in Europa verschaffen wollen. Darfur grenzt an den Tschad. Die Kinder im Alter zwischen einem und zehn Jahren sollten in Gastfamilien unterkommen, die pro Kopf mehrere tausend Euro bezahlt hatten. Einige der mutmaßlichen Waisen haben aber ausgesagt, ihre Eltern seien noch am Leben. Sie seien vielmehr mit dem Versprechen von Süßigkeiten und Keksen aus ihren Dörfern im Grenzgebiet zwischen dem Tschad und dem Sudan gelockt worden.

In den Fall, der in Frankreich hohe Wellen schlägt, hatte sich auch Präsident Nicolas Sarkozy eingeschaltet und im November die Freilassung von sieben mitbeschuldigten Europäern erreicht. Der Präsident hätte es begrüßt, wenn den Helfern daheim der Prozess gemacht worden wäre. Er hatte auch mit seinem tschadischen Kollegen Idriss Deby über das Verfahren gesprochen. Deby forderte aber harte Strafen. Er hatte nicht ausgeschlossen, dass die Kinder an einen Pädophilen-Ring verkauft oder als Organspender missbraucht worden wären. Frankreich ist ein Verbündeter von Deby und hat Soldaten im Tschad stationiert.

Reuters


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