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US-Häftling aus Nordkorea: Rückkehr im Koma: Der seltsame Fall des Otto Warmbier

Im Frühjahr 2016 wurde US-Student Otto Warmbier in Nordkorea zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt - wegen einer Bagatelle. Mehr als ein Jahr später kehrte er nun in die Heimat zurück, allerdings im Koma. Die Erklärung aus Nordkorea dafür mutet seltsam an.

US-Bürger Otto Warmbier wird bei seiner Ankunft in den USA aus Nordkorea aus dem Flugzeug getragen

"Es war der schlimmste Fehler meines Lebens", sagt Otto Warmbier unter Tränen über den Diebstahl eines Propaganda-Banners aus einem nordkoreanischen Hotel. Die Worte fallen in der zu einem Schauprozess inszenierten Gerichtsverhandlung im März 2016. Ihm sei "die Schwere des Verbrechens" bewusst und er flehe "das koreanische Volk und die Regierung an zu vergeben". Die Bewegtbilder des Prozesses sind für lange Zeit die letzten, die seine Eltern, Fred und Cindy Warmbier, von ihm sehen sollten. Warmbier wurde zu 15 Jahren in einem der berüchtigten Arbeitslager des Landes verurteilt.

Nun, mehr als ein Jahr später, wurde der 22-jährige Student per Flugzeug in die USA ausgeliefert. Für Fred und Cindy Warmbier muss es ein unvorstellbarer Mix aus verschiedenen Gefühlen gewesen sein. Zwar bekommen sie ihren ältesten Sohn endlich wieder, doch mit ihm auch die schockierende Nachricht: Er liegt im Koma. Bereits kurz nach der Verhandlung sei er in einen komatösen Zustand verfallen und seit dem nicht mehr bei Bewusstsein, teilte Nordkorea den USA mit. Weitere Details zu seinem Gesundheitszustand gibt es bislang nicht. Die Eltern wollen am Donnerstag eine öffentliche Pressekonferenz geben und über den Zustand ihres Sohnes informieren. Am Abend zeigt dann Fox News ein exklusives Interview mit Vater Fred.

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Nach aktuellem Stand soll sich Otto Warmbier eine Lebensmittelvergiftung zugezogen haben. Er habe an den Folgen von Botulismus, auch Fleisch- oder Wurstvergiftung genannt, gelitten, sollen die Behörden des asiatischen Landes gesagt haben. Weil er mit Schlafproblemen zu kämpfen gehabt hätte, sei ihm ein Schlafmittel verabreicht worden - doch Warmbier sei daraufhin nicht wieder aufgewacht. Fast 17 Monate sind seit dem Prozess vergangen. Doch erst vergangene Woche erfuhren US-Behörden von seinem Zustand. Möglicherweise befand er sich die ganze Zeit über in einem Arbeitslager. Auf Bildern der Ankunft Warmbiers in den USA ist zu sehen, wie er aus dem Flugzeug getragen wird, im Gesicht einen Schlauch, vermutlich zur Sauerstoffversorgung. Schwer erkrankt, und dennoch als Verhandlungsmasse missbraucht. 

Bei seiner Gerichtsverhandlung in Nordkorea wird US-Student Otto Warmbier der Öffentlichkeit präsentiert

Bei seiner Gerichtsverhandlung in Nordkorea Anfang 2016 wird US-Student Otto Warmbier der Öffentlichkeit präsentiert

Menschenleben als Druckmittel

"Die Situation mit Warmbier ist wahrscheinlich etwas, was passiert ist, ohne das die (Nordkoreaner) das wollten", schlussfolgert ein ehemaliger Regierungsmitarbeiter mit Schwerpunkt Nordkorea in der "New York Times". US-Häftlinge physisch zu malträtieren sei nicht gängige Praxis. Schließlich seien sie ein wertvolles Argument für Verhandlungen. Ein nicht namentlich genannter Analyst sagte dem Blatt: Trotz der langjährigen Feindschaft mit den USA und ihren Verbündeten, sei die nordkoreanische Regierung weiterhin sehr sensibel, was Kritik aus dem Ausland angeht. Entsprechend werden Besuche von berühmten Ausländern vom Regime in Pjöngjang dem eigenen Volk gerne als Zeichen der internationalen Anerkennung verkauft.

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Am selben Tag, als Ex-Basketball-Star Dennis Rodman in Nordkorea landete, wurde Warmbier ausgeflogen. Offiziell hätten beide Ereignisse nichts miteinander zu tun gehabt, sagt die US-Regierung. Doch bereits in der Vergangenheit wurden immer wieder US-Bürger aus nordkoreanischer Gefangenschaft entlassen, wenn bekannte Amerikaner das weitestgehend abgeschottete Land besuchten. 

Otto Warmbier von Überwachungsvideo überführt

In der "Washington Post" beschreiben Bekannte Warmbier als fleißigen und beliebten jungen Mann. Er sei König des Abschlussballs an seiner High School gewesen und Kapitän der Fußballmannschaft. Intellektuell und neugierig seien die besten Worte, um ihn zu beschreiben, sagen seine Freunde. Und zielstrebig. Nach der Schule das Wirtschaftsstudium, immer mit der Karriere im Finanzsektor vor den Augen.

Kurz vor dem Jahreswechsel 2015 reiste er von China nach Nordkorea, verbrachte nur wenige Tage in dem Land. Ein unscharfes Überwachungsvideo, das ihn beim eigentlich völlig banalen Diebstahl des Banners zeigen soll, wurde ihm zum Verhängnis. Den Trip buchte er über "Young Pioneer Tours", einen Reiseveranstalter, der auf seiner Homepage damit wirbt, "günstige Reisen in Länder, von denen deine Mutter sich wünschen würde, du bliebest ihnen fern" anzubieten. Ein Slogan, den Cindy Warmbier sicher nicht mehr gerne hört.


US-Bürger Otto Warmbier wird bei seiner Ankunft in den USA aus Nordkorea aus dem Flugzeug getragen