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Auslieferung im Koma: US-Student Otto Warmbier starb nach Haft in Nordkorea – Rettungsarzt zweifelt an Folter-Theorie

2016 kam der US-Student Otto Warmbier in nordkoreanischer Haft. 2017 wurde er - im Koma liegend - in die USA ausgeliefert, starb nur wenige Tage später. Gerüchte wurden laut, man habe ihn im Gefängnis gefoltert. Doch ein US-Arzt äußert daran jetzt seine Zweifel. 

Der amerikanische Studenten Otto Warmbier wird von zwei nordkoreanischen Polizisten zum Obersten Gerichtshof begleitet.

Der amerikanische Studenten Otto Warmbier wurde 2016 in Nordkorea wegen "feindlicher Handlungen gegen den Staat" zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt

DPA

Wegen "feindlicher Handlungen gegen den Staat" wurde der US-Student Otto Warmbier Anfang 2016 nach einer Gruppenreise in Nordkorea bei der Ausreise festgenommen: Der 22-Jährige fiel unter ungeklärten Umständen ins Koma und wurde schließlich von Nordkorea freigelassen.

Wenige Tage nach seinem Rücktransport in die USA im Juni 2017 starb der 22-Jährige. Ohne Belege dafür anzuführen, erklärte US-Präsident Donald Trump per Twitter, Warmbier sei in Nordkorea "über alle Maßen gefoltert" worden.

Diese Vorwürfe wies jetzt ein Rettungsarzt das Krankenhaus in Pjöngjang zurück. "Ich hatte den Eindruck, dass Warmbier dort gut behandelt wurde und mir die Ärzte nichts verschwiegen", sagte US-Notarzt Mike Flueckiger dem NDR. Er habe natürlich nach Anzeichen für Folter gesucht, aber keine Hinweise darauf gefunden. Vielmehr sei ihm positiv aufgefallen, dass Warmbiers Haut keinerlei Druckstellen aufgewiesen habe, sagt Flueckiger in der NDR-Dokumentation "Die Akte Otto Warmbier". "Nach einer derart langen Liegezeit fand ich das bemerkenswert."

Otto Warmbier reagiert womöglich auf Beruhigungsmittel

Flueckiger war gemeinsam mit einem Unterhändler des US-Außenministeriums im Juni 2017 für eine Spezialmission nach Pjöngjang geflogen, um Warmbier zurück in seine Heimat zu bringen. Dabei hätten ihm die nordkoreanischen Ärzte zwei getrennte mögliche Ursachen für das Koma von Warmbier genannt: "Die erste war, dass Warmbier zu Beginn seiner Haft eine Mahlzeit mit verdorbenem Schweinefleisch zu sich genommen habe, was sie aber selbst nicht hätten prüfen können." Dies habe er "für wenig plausibel" gehalten, sagte Flueckiger dem NDR. 

Die zweite These sei gewesen, "dass Warmbier sehr aufgebracht gewesen sei, als er in Haft kam, und ihm dort dann zwei Beruhigungsmittel zugeführt worden seien, auf die er entweder überreagiert habe oder die womöglich überdosiert gewesen seien". Auch die zuständige Gerichtsmedizinerin in Cincinnati, Lakshmi Sammarco, bestätigte laut NDR, dass die Erklärung des Krankenhauses durchaus schlüssig sei.

Ärztin: Ursache lässt nicht mehr beweisen

Endgültig beweisen lasse sich allerdings keine Ursache mehr, betonte die US-Ärztin. Ihre Erkenntnisse habe sie aus Rücksicht auf die Eltern zunächst zurückgehalten. Nach ersten Äußerungen habe sie Drohmails erhalten, die sie davor warnten, dem US-Präsidenten öffentlich zu widersprechen.

US-Bürger Otto Warmbier wird bei seiner Ankunft in den USA aus Nordkorea aus dem Flugzeug getragen

Dass der Foltervorwurf auch innerhalb der Trump-Administration umstritten gewesen sei, sagt in dem NDR-Film ein früherer US-Diplomat. Er habe aus dem Außenministerium direkte Anweisung erhalten, im Fall Warmbier nicht öffentlich von Folter zu sprechen. "Für's Protokoll", habe ein hoher Beamter ihm gegenüber insistiert, "es gab keine Folter". Laut NDR wollten dies weder das Weiße Haus noch das US-Außenministerium auf Anfrage kommentieren. Nordkorea hat stets jegliche Misshandlung Warmbiers bestritten.

jek / AFP
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