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US-Student ist tot: Fall Warmbier: Trump reagiert überraschend besonnen - dafür teilen andere aus

Sechs Tage daheim war alles, was Otto Warmbier am Ende bleiben sollte. Kurz nach seiner Rückkehr aus Nordkorea starb er im Kreise seiner Familie. Trump nimmt besonnen Anteil, einige Republikaner geben sich weniger diplomatisch.

Otto Warmbier beim Prozess im März 2016: Eines der letzten Bilder, das die Welt vom 22-Jährigen sehen sollte

Otto Warmbier beim Prozess im März 2016: Eines der letzten Bilder, das die Welt vom 22-Jährigen sehen sollte

Fünf Tage Nordkorea endeten für Otto Warmbier im Januar 2016 abrupt, als er am er am 2. Januar am Flughafen Pjöngjang zur Seite und festgenommen wurde. Der damals 21-jährige US-Student hatte ein Propagandabanner von den Wänden des Yanggakdo International Hotels in Pjöngjang gerissen -  laut nordkoreanischem Regime ein "staatsfeindlicher Akt". Im März wurde Warmbier verurteilt: 15 Jahre Straflager. Jetzt ist Warmbier tot. Der junge Mann starb am Montagnachmittag in einem Krankenhaus seine Heimatstadt Cincinnati in Ohio.

Die Welt hatte Warmbier zuletzt im Verfahren im März 2016 gesehen. Ein Schauprozess, in dem der Student die Plakat-Aktion als "schlimmsten Fehler seines Lebens" bezeichnete und das koreanische Volk und die Regierung um Vergebung anflehte. Es war schon damals ein gebrochener Mann, den die Kameras im Gerichtssaal einfingen. Es sollten für lange Zeit die letzten Bilder sein, die die Welt von Otto Warmbier sehen sollte.

Die nächsten lieferte der vergangene Mittwoch: Otto Warmbier wird ausgeliefert. Wohl aus medizinischen Gründen, heißt es, denn, was bisher niemand wusste: Warmbier liegt im Koma. Bei seiner Ankunft in den USA wird der junge Mann dann aus dem Flugzeug getragen, ein Schlauch läuft aus seiner Nase, er wirkt vollkommen benommen, offenbar unfähig zu eigenständigen Bewegungen.  Ihr Sohn, sind sich die Eltern von Otto Warmbier sicher, hatte in Nordkorea Misshandlungen erfahren. Dies "machte keinen anderen Ausgang möglich als den traurigen, den wir heute erlebt haben" - den Tod des 22-Jährigen.

Donald Trump reagiert beinahe besonnen

Tatsache ist: Otto Warmbier, der die USA 2015 als vollkommen gesunder junger Mann verließ, war vergangene Woche im Wachkoma liegend nach Hause zurückgekehrt. Er hat während seiner Zeit in Nordkorea schwere Hirnschäden erlitten. All dies seien Folgen einer Lebensmittelvergiftung und der Einnahme von Schlaftabletten, erklärten die Behörden Nordkoreas US-Medienberichten zufolge. Auf amerikanischer Seite will dieser Version kaum jemand Glauben schenken: Möglicherweise befand sich Warmbier die gesamte Zeit nach seiner Festnahme in einem Arbeitslager, heißt es.

US-Präsident Donald Trump reagierte auf den Tod Otto Warmbiers geradezu überraschend besonnen. Auf Twitter veröffentlichte der Präsident ein vorgefertigtes, zwei Absätze umfassendes Statement des Weißen Hauses. In Absatz eins drücken die First Lady Melania und Trump ihr "tief empfundenes Beileid" aus. Im zweiten Absatz wird Trump politisch und stellt klar: Unschuldige Menschen dürften nicht in die Hände eines Regimes fallen, das keinen Respekt vor Gesetzen und Menschenwürde zeige. "Die USA verurteilen ein weiteres Mal die Brutalität des nordkoreanischen Regimes."

US-Außenminister Rex Tillerson erklärte, ebenso auf Twitter, die USA sähen Nordkorea als "verantwortlich" für die ungerechte Inhaftierung Warmbiers.

Senator McCain: Das Regime hat Warmbier umgebracht

Weit weniger diplomatisch  gaben sich die US-Senatoren John McCain und Marco Rubio. Rubio teilte auf Twitter aus: "Otto Warmbier hätte niemals im Gefängnis landen dürfen, weil er dieses dumme Plakat runtergerissen hat. Und ganz klar hätte er dafür nicht ermordet werden dürfen."

"Lasst uns die Fakten doch klar benennen: Otto Warmbier, ein amerikanischer Bürger, wurde von dem Regime von Kim Jong Un umgebracht", stellte auch McCain fest. Die USA sollten solch "feindseliges Verhalten" nicht tolerieren, betont der Senator.

US-Bürger Otto Warmbier wird bei seiner Ankunft in den USA aus Nordkorea aus dem Flugzeug getragen

USA könnte China stärker unter Druck setzen

Was tatsächlich eine angemessene politische Reaktion auf den Tod von Otto Warmbier wäre, darüber wird in den USA nun zu reden sein. Die Beziehungen zwischen Washington und Nordkorea sind bereits jetzt wegen des Streits um Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm angespannt. Zudem sind aktuell drei weitere US-Bürger in nordkoreanischer Gefangenschaft.

Möglicherweise könnten die USA also als erste Reaktion den Druck auf China beträchtlich erhöhen, schreiben US-Medien. China gilt als engster Verbündeter des sonst so isolierten Nordkoreas. In der Vergangenheit versuchten die USA über China Einfluss auf Nordkorea zu gewinnen, gerade was das höchst umstrittene Atomwaffenprogramm des Staates anbelangt. Eine Strategie, die bisher nur von mäßigem Erfolg gezeichnet war, stellen Beobachter auf CNN fest.

Schon am Mittwoch treffen US-Außenminister Tillerson und US-Verteidigungsminister James Mattis ihre chinesischen Amtskollegen in Washington, dann könnten klare Worte fallen. Bruce Klingner von The Heritage Foundation's Asian Studies Center in Washington sagte CNN: "Wenn es jemals eine Aufforderung zu mehr Handeln gab, dann war das jetzt der Tod von Otto Warmbier."

Beweisvideo aus Nordkorea: Für diese Tat muss ein US-Student 15 Jahre Zwangsarbeit leisten


pg