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Freigelassener Häftling: US-Student Warmbier erlitt in Nordkorea schwere Hirnverletzungen

Im Frühjahr 2016 wurde US-Student Otto Warmbier in Nordkorea zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt. Seit Dienstag ist er wieder in seiner Heimat, allerdings im Koma. Warmbiers Ärzte haben nach der Ursache gesucht.

US-Bürger Otto Warmbier wird bei seiner Ankunft in den USA aus Nordkorea aus dem Flugzeug getragen

US-Bürger Otto Warmbier wird bei seiner Ankunft in den USA aus Nordkorea aus dem Flugzeug getragen

Der aus Nordkorea freigelassene US-Student Otto Warmbier hat nach Darstellung seiner Ärzte schwere Gehirnverletzungen erlitten. Der 22-Jährige habe in allen Bereichen seines Gehirns großflächige Schäden am Hirngewebe davongetragen, erklärte der Mediziner Daniel Kanter auf einer Pressekonferenz in Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio. Warmbier befinde sich in einem Zustand "reaktionsloser Wachheit". Er könne seine Augen öffnen und blinzeln. Es gebe aber keinerlei Anzeichen dafür, dass er auf Sprache oder Aufforderungen reagiere.

Keine Hinweise auf Botulismus bei Otto Warmbier

Über die Hintergründe der Verletzungen konnten die Ärzte keine gesicherten Angaben machen. Belege für die Behauptung Nordkoreas, der Student sei an Botulismus erkrankt, hätten sie aber nicht gefunden, berichtet CNN. Eine Analyse von nordkoreanischen Aufnahmen von Warmbiers Gehirn aus dem April 2016 läge aber die Vermutung nahe, dass die Verletzungen in den Wochen davor aufgetreten seien. "Diese Art von Gehirnverletzung sieht man in der Regel als Folge eines Herzstillstands, bei dem das Gehirn für eine bestimmte Zeit nicht ausreichend mit Blut versorgt wird, was zum Absterben von Hirngewebe führt", zitiert der US-Sender Kanter.

US-Bürger Otto Warmbier wird bei seiner Ankunft in den USA aus Nordkorea aus dem Flugzeug getragen

Warmbier war im Januar 2016 in Nordkorea festgenommen und im März zu 15 Jahren Straflager verurteilt worden. Das kommunistische Regime in Pjöngjang warf ihm Straftaten gegen den nordkoreanischen Staat vor. Konkret soll er in einem Hotel ein Plakat von der Wand genommen haben, um es zu stehlen. Er verbrachte 17 Monate in Nordkorea, ehe er am Dienstag im Koma liegend in die USA zurückgebracht wurde. Vorausgegangen waren intensive diplomatische Bemühungen von US-Außenminister Rex Tillerson und dem schwedischen Außenministerium, das die Interessen der USA in Nordkorea vertritt.

"Keine andere Familie sollte das erleiden"

Die Eltern erfuhren vor einer Woche, dass ihr Sohn seit fast 15 Monaten im Koma liegt. Die Begründung der nordkoreanischen Seite, er sei an Botulismus erkrankt und nach Einnahme einer Schlaftablette nicht mehr aufgewacht, halten sie für nicht überzeugend. "Daran glauben wir nicht", sagte Warmbiers Vater Fred. Sein Sohn habe unter einem "brutalen, terroristischen Regime" gelitten.

Bei seiner Gerichtsverhandlung in Nordkorea wird US-Student Otto Warmbier der Öffentlichkeit präsentiert

Bei seiner Gerichtsverhandlung in Nordkorea Anfang 2016 wird US-Student Otto Warmbier der Öffentlichkeit präsentiert

Fred Warmbier appellierte an die Regierung in Pjöngjang, auch andere US-Bürger, die in Nordkorea festgehalten werden, freizulassen. "Keine andere Familie sollte das erleiden, was den Warmbiers zustieß", sagte er. In Nordkorea wurden in den vergangenen Jahren wiederholt Ausländer festgenommen, zu langjährigen Haftstrafen verurteilt und dann nach Gegenleistungen ausländischer Regierungen freigelassen. Häufig versucht Pjöngjang, die Gefangenen als Faustpfand in Verhandlungen einzusetzen.


mad / DPA