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Libyen: Gaddafi soll tonnenweise Gold verkauft haben

Fast 30 Tonnen Gold soll der libysche Ex-Diktator Muammar al Gaddafi noch kurz vor seinem Sturz zu Geld gemacht haben. Doch mehr als um das Gold sorgt sich der Westen allerdings um verschwundene Raketen.

Der libysche Ex-Machthaber Muammar al Gaddafi hat in den Tagen vor seiner Vertreibung aus der Hauptstadt Tripolis offenbar große Mengen Goldes verkauft. Gaddafi habe kurz vor der Einnahme seiner Residenz 29 Tonnen aus den libyschen Goldbeständen zu Geld gemacht, sagte Zentralbank-Gouverneur Kassem Assos in Tripolis. Dies seien über 20 Prozent der Goldreserven des Landes gewesen. Der Wert des verkauften Anteils belaufe sich auf mehr als eine Milliarde Dollar (mehr als 711 Millionen Euro).

Nach dem monatelangen bewaffneten Konflikt mit den von der NATO unterstützten Aufständischen habe Gaddafi damit in der Endphase seiner Herrschaft Gehälter bezahlen wollen, sagte Assos. Ein Zentralbankvertreter vermutete, dass das Gold wahrscheinlich über Tunesien außer Landes geschafft wurde. Die Guthaben der libyschen Zentralbank bezifferte Assos auf 115 Milliarden US-Dollar, von denen sich 90 Milliarden im Ausland befänden.

Gaddafi will die Nato besiegen

Trotz des Siegeszuges der Rebellen hat sich Gaddafi unbeugsam gezeigt und Berichte über eine Flucht kategorisch zurückgewiesen. "Wir werden die Nato besiegen", sagte er in einem Telefonat mit dem syrischen Sender Arrai TV. Die Jugend sei bereit, den Widerstand zu verschärfen. "Wir werden das Land unserer Ahnen nicht verlassen", schwor er. Nach Angaben des Senders kam der Anruf aus Libyen. Der Aufenthaltsort des 69-Jährigen blieb weiter unbekannt. Angesichts des anhaltenden Widerstandes seiner Anhänger in der Wüstenstadt Bani Walid wurde spekuliert, dass er und zwei seiner Söhne sich dort aufhalten könnten. Die Übergangsregierung verstärkte ihre Truppen vor der Stadt.

Der Aufstand gegen das Gaddafi-Regime hat nach Angaben der Rebellen bisher mindestens 30.000 Menschen das Leben gekostet. Zudem seien in dem mehr als sechs Monate dauernden Konflikt 50.000 Menschen verletzt worden, sagte Nadschii Barakat, Gesundheitsminister der Aufständischen, dem Sender Libya TV. Es handele sich um vorläufige Zahlen, die sich auf Angaben von Krankenhäuser, Kommunalvertreter und Rebellenführer stützten. Mindestens 4000 Menschen würden noch vermisst.

Raketen aus Waffenlagern verschwunden

Während des Aufstandes sind nach Medienberichten aus Waffenlagern in Libyen große Mengen an tragbaren Luftabwehrraketen verschwunden. Es wachse die Sorge, dass die vermissten Waffensysteme in die Hände von Terrorgruppen wie al Kaida gelangen könnten, berichtete die "New York Times". Mit den Raketen, die von der Schulter abgefeuert werden, können Anschläge auf Flugzeuge verübt werden.

Noch sei unklar, ob al Kaida oder andere Terrorgruppen an die Raketen-Waffen gekommen seien, zitierte die Zeitung einen namentlich nicht genannten US-Offizier. Geheimdienste gingen aber davon aus, so der Bericht. Ein Reporter des Blattes fand in einem unbewachten Waffenlager der libyschen Hauptstadt leere Kisten, die als Verpackung für Flugabwehrraketen ausgezeichnet waren. Es habe sich um Raketen des russischen System SA-7 ("Strela") gehandelt, aber auch um solche des moderneren Nachfolge-Typus SA-24.

Situation in Libyen sorgt die USA

"Strela"-Raketen waren in letzter Zeit immer wieder auch bei den Aufständischen gesehen worden, die nunmehr die Macht fast im ganzen Land übernommen haben. Die US-Regierung habe die politische Führung der Rebellen aufgefordert, Waffenlager besser zu schützen, sagte John Brennan, Antiterror-Berater im Weißen Haus. Die Situation in Libyen bereite Sorge. Viele Teile des Landes seien derzeit ohne echte Kontrolle.

In Hinblick auf eine möglichen Flucht Gaddafis nach Westafrika riefen die USA die Länder in der Region zur Wachsamkeit auf. Die Grenzen sollten gesichert und Mitglieder des Gaddafi-Regimes festgenommen werden, sagte US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland in Washington.

tkr/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters
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