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Machtübergabe in Nordkorea Das Triumvirat der Kims


Um ihre Macht zu sichern, drappiert der nordkoreanische Herrscherclan offenbar erfolgreich Kim Jong Uns Onkel und Tante um den Baby-Diktator. Zudem kehrt nun wohl sein verstoßener Bruder heim.

Der älteste Sohn des verstorbenen nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong Il, Kim Jong Nam, ist südkoreanischen Medienberichten zufolge in Peking eingetroffen und steht "unter chinesischem Schutz". Es war indes unklar, ob er an dem für Mittwoch geplanten Begräbnis seines Vaters in Pjöngjang teilnehmen wird, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yinhap berichtete. Der südkoreanische Geheimdienst gab an, keine Informationen über Kim Jong Nams Ankunft in Peking zu haben.

Kim Jong Nam ist der Einzige Spross der Herrscherfamilie, der mit den Kims gebrochen hat. Er lebt vermutlich im chinesischen Spielerparadies Marcau und hat die dynastisch geprägte Nachfolge an der nordkoreanischen Staatsspitze kritisiert. Er war 2001 bei dem Versuch erwischt worden, mit einem gefälschten Pass nach Japan einzureisen, um dort Disneyland zu besuchen. Sein jüngerer Bruder Kim Jong Un wird nach seinem Vater und seinem Großvater in dritter Generation die Staatsgeschäfte lenken.

Kim Jong Un wird beim Regieren vom Onkel unterstützt

In der nordkoreanischen Hauptstadt mehren sich die Anzeichen, dass der Familienclan seine Macht weiter festigt. Nachdem Kim Jong Un bereits als neuer Oberbefehlshaber der Streitkräfte gefeiert wurde, pries ihn die Staatspresse des kommunistischen Landes nun auch als Leiter des Zentralkomitees der herrschenden Arbeiterpartei.

Kims einflussreicher Onkel Jang Song Thaek hatte sich am Vortag an der Seite seines Neffen und mehrerer Militärs am Glassarg des aufgebahrten Ex-Diktators in Pjöngjang gezeigt. Jang trug Militäruniform mit dem für die Machtausübung in Nordkorea wichtigen Rangabzeichen eines Generals. Jang Song Thaek, 65, ist der Ehemann von Kim Jong Ils jüngerer Schwester. Er gilt schon seit längerem als graue Eminenz des Regimes und Mentor von Kim Jong Un.

Hoher Besuch aus Südkorea

"Lasst uns unser Leben einsetzen, um das Zentralkomitee der Partei unter der Führung des angesehenen Genossen Kim Jong Un zu schützen", hieß es in einem Leitartikel des Parteiorgans "Rodong Sinmun". Mit dem jüngsten Aufruf deutet Nordkorea nach Ansicht von Beobachtern darauf hin, dass der militärisch und politisch als unerfahren geltende Sohn irgendwann den Posten des Parteichefs übernehmen soll. Der Vorsitzende des Zentralkomitees ist in der Regel auch Generalsekretär der Partei.

Unterdessen reisten aus Südkorea zwei Beileidsdelegationen um die Witwe des früheren Präsidenten Kim Dae Jung, sowie der Vorsitzenden des Konzerns Hyundai, Hyun Jeong Eun, nach Nordkorea. Sie hofften, ihr Besuch werde zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Süd- und Nordkorea beitragen, sagte Kims 90 Jahre alte Frau Lee Hee Ho vor der Überquerung der schwer bewachten Grenze. Beide Frauen reisten privat mit dem Auto. Kim Dae Jung war im Juni 2000 zum ersten innerkoreanischen Gipfeltreffen nach Pjöngjang gereist.

Pro-nordkoreanisches Gedenken in Seoul

Die südkoreanische Polizei verhinderte unterdessen einen Versuch pro-nordkoreanischer Studenten, einen Gedenkaltar für den verstorbenen Kim Jong Il in Seoul zu errichten. Zudem sperrte sie einen Platz in der Nähe des Rathauses ab und entfernte Aktivisten, die Fotos Kim Jong Ils und Blumen in den Händen hielten. In der Nähe wurde zeitgleich eine Nordkorea-kritische Demonstration abgehalten. Die Regierung in Pjöngjang hatte Seoul mit "katastrophalen Konsequenzen" gedroht, sollte Südkorea Einschränkungen der Trauer um Kim Jong Il nicht aufheben.

nik/DPA DPA

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