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Tod von Diktator Kim Jong Il: Nordkoreaner sollen Kims Sohn folgen

Nach dem Tod von Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il soll sein jüngster Sohn Kim Jong Un der neue starke Mann im Land werden. Im Osten des Landes wird eine Kurzstreckenrakete abgefeuert.

Nach dem Tod des langjährigen Machthabers Kim Jong Il hat Nordkorea sein Volk aufgerufen, dessen Sohn Kim Jong Un als Nachfolger treu ergeben zu sein. Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA bezeichnete ihn als "großen Nachfolger" seines Vaters.

Das Land müsse "den achtbaren Genossen Kim Jong Un treulich verehren." Unter der "weisen Führung" Kims könne keine Macht der Erde den revolutionären Fortschritt der Partei, der Armee und der Bevölkerung aufhalten. Im vergangenen Jahr hatte Kim Jong Il seinen Sohn, der noch keine 30 Jahre alt sein soll, zum Vier-Sterne-General gemacht und ihn in die erweiterte Führungsriege der Partei geholt. Damit ernannte Kim Jong Il ihn praktisch zu seinem Erben.

Kurzstreckenrakete abgefeuert

Kim Jong Il starb den Staatsmedien zufolge am Samstag während einer Zugfahrt als Folge eines Herzversagens im Alter von 69 Jahren. Kim, der das kommunistische Land seit dem Tode seines Vaters und "ewigen Präsidenten" Kim Il Sung 1994 mit eiserner Faust regiert hatte, soll den offiziellen Angaben zufolge am 28. Dezember in Pjöngjang beigesetzt werden. Für den 17. bis 29. Dezember wurde eine offizielle Trauerperiode ausgerufen.

Am Tag der Bekanntgabe des Todes Kim Jong Ils schoss Nordkorea offenbar eine Kurzstreckenrakete ab. Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Regierungsvertreter in Seoul berichtete, erfolgte der Start an der Ostküste zu Testzwecken. Es habe jedoch keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Raketentest und der Todesnachricht gegeben. Das südkoreanische Verteidigungsministerium wollte den Bericht nicht kommentieren.

China kondoliert - und schweigt zur Nachfolge

Die offizielle Ernennung Kim Jong Uns steht noch aus - ebenso eine Reaktion des großen Partners China auf die Nachfolge. Peking ist der wichtigste Bündnisgenosse Nordkoreas. Ohne Energie- und Lebensmittellieferungen aus China könnte sich das Regime in Pjöngjang nicht lange am Leben halten. Bisher sprach Peking Nordkorea lediglich sein "tiefstes Beileid" angesichts des Todes von Kim aus. Kim Jong Un wurde vom Sprecher des chinesischen Außenministeriums in seiner ersten Stellungnahme nicht erwähnt.

Verunsicherung an den Börsen

Der Tod Kim Jong Ils und die damit verbundene Angst um neue Instabilitäten in der Region verunsicherte die asiatischen Börsen. Die stärksten Kursverluste gab es in Südkorea: Der Leitindex in Seoul sackte in der Spitze um bis zu fünf Prozent ab, konnte aber seine Verluste im Handelsverlauf zumindest etwas verringern. In Tokio und Hongkong ging es um etwa ein Prozent bergab.

Die Furcht vor einer politischen Krise in Nordkorea hielt auch die Anleger vom deutschen Aktienmarkt fern: Der Leitindex Dax verlor am Montag in den ersten Minuten 0,5 Prozent auf 5675 Zähler. "Die Frage ist nun, welche politische Konsequenzen dieser Führungswechsel mit sich bringen wird", sagte Roger Peeters, Analyst bei Close Brothers Seydler. Viele Anleger griffen in ihrer Verunsicherung zur Weltleitwährung: Der Dollar-Index stieg zeitweise um 0,3 Prozent auf 80,49 Punkte.

Südkoreas Truppen in Alarmbereitschaft

In Südkorea meldete die Nachrichtenagentur Yonhap, die südkoreanischen Truppen seien in Alarmbereitschaft nach der Todesnachricht versetzt worden. Für Montag wurde eine Dringlichkeitssitzung des nationalen südkoreanischen Sicherheitsrates anberaumt. Staatspräsident Lee Myung Bak habe alle Termine abgesagt.

Das Weiße Haus in Washington erklärte, es verfolge die Berichte aus Nordkorea aufmerksam. Die US-Regierung sei weiter entschlossen, sich für die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel einzusetzen. In Japan berief die Regierung eine Dringlichkeitssitzung des Sicherheitskabinetts ein.

Verdacht auf heimlichen Bau der Atombombe

Nord- und Südkorea befinden sich formal noch immer im Kriegszustand. Der Korea-Krieg wurde 1953 mit einem Waffenstillstand beendet. Immer wieder kommt es im Grenzgebiet zwischen beiden Staaten zu militärischen Zwischenfällen. Der Verdacht, dass Nordkorea heimlich eine Atombombe baut, heizte die Spannungen in den vergangenen Jahren zusätzlich an. Pjöngjang stieg im April 2009 aus den Sechs-Nationen-Gesprächen über sein Atomprogramm aus, an denen die USA, Japan, Russland, China und Südkorea beteiligt sind. Während Pjöngjang weiter in sein Atomprogramm investiert, leidet die Bevölkerung Nordkoreas immer wieder unter Lebensmittelmangel. Laut einer Schätzung der Vereinten Nationen sind ein Drittel der nordkoreanischen Kinder von Mangelernährung betroffen.

fw/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters