HOME

Machtwechsel in Großbritannien: Bye-bye Brown - Hello Cameron

Großbritanniens Premierminister Gordon Brown ist zurückgetreten. David Cameron zieht in die Downing Street ein und führt die konservativen Tories nach 13 Jahren Labour wieder zurück an die Macht.

Der britische Premierminister Gordon Brown ist zurückgetreten. Er zog damit die Konsequenzen aus der verlorenen Unterhauswahl vor knapp einer Woche. Neuer Regierungschef ist David Cameron von den konservativen Tories, der zusammen mit den Liberaldemokraten und deren Chef Nick Clegg eine Koalition bilden wird - es ist die erste auf der Insel seit 70 Jahren.

Brown hatte zuvor die Queen über seinen Rücktritt informiert und betont, er trete mit sofortiger Wirkung auch als Chef der Labour-Partei zurück. Er fuhr am Abend kurz nach der Ankündigung vor der Downing Street Nummer 10 zur Königin in den Buckingham Palast, die ihn - so will es das protokoll - aus dem Amt entließ. Kurz darauf ernannte Elizabeth II. Cameron zum neuen Premier und beauftragte ihn, eine neue Regierung zu bilden.

Cameron prophezeit schwere Zeiten

Es stünden nun schwere Zeiten und schwere Entscheidungen bevor, sagte Cameron, der die Tories nach 13 Jahren Labour zurück an die Macht führt. Cameron ist mit 43 Jahren der jüngste Premierminister Großbritanniens seit fast 200 Jahren. Unklar ist noch, wer welche Posten besetzen wird und welche Rolle Clegg in der neuen Regierung spielen wird. "Eine Koalition wird große Herausforderungen mit sich bringen", sagte Cameron. Er und Clegg seien aber fest entschlossen, Parteigrenzen zu überwinden und gut zusammenzuarbeiten. Größte Herausforderung für die neue britische Regierung ist nun, die wirtschaftliche Lage des Landes und die haushohe Verschuldung in den Griff zu bekommen.

Cameron war 2005 auf den Chefsessel der Tories gerückt. Er hatte seine Partei modernisiert und vom alten Image der harten Jahre unter Premierministerin Margaret Thatcher befreit. Außenpolitisch wird vor allem die Europapolitik der Tories interessant. Cameron hatte sich im Wahlkampf dafür ausgesprochen, dass auf keinen Fall mehr Macht von London auf Brüssel übertragen werden soll.

Brown: "Ich habe den Job geliebt"

Brown wünschte seinem Nachfolger alles Gute. Er habe den Job geliebt, sagte der 59-jährige Schotte, dessen Frau Sarah während des Statements an seiner Seite stand. Zusammen mit ihren beiden Kindern verließen sie dann symbolisch die Downing Street. Freunde von Brown berichteten, er wolle auch als Abgeordneter zurücktreten und sich aus der Politik verabschieden.

Die Konservativen und der 43 Jahre alte Cameron waren bei der Unterhauswahl am Donnerstag mit 306 Sitzen stärkste Partei geworden, brauchen aber die Unterstützung der Liberalen (57 Mandate) oder anderer kleinerer Gruppen um auf die erforderliche Mehrheit von 326 Sitzen zu kommen. Labour kam nur auf 258 Mandate und musste eine schwere Schlappe einstecken, verhandelte aber dennoch mit den Liberalen über eine Koalition. Brown hatte vergeblich versucht, mit seinem am Montag angekündigten Rückzug als Parteichef die "LibDems" in ein Regierungsbündnis zu locken.

Die Ära von "New Labour" hatte 1997 mit der Wahl Tony Blairs zum Premier begonnen, der seine Partei von Grund auf erneuerte. Brown hatte das Amt 2007 übernommen, war aber nicht vom Volk gewählt worden.

joe/DPA/AFP/APN / DPA