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Madrid: "Euer Schmerz ist der Schmerz der ganzen Welt"

In der Almudena-Kathedrale in Madrid fand die Trauerfeier für die Opfer des Terroranschlages statt. Das spanische Königshaus, die Regierung sowie Staats- und Regierungschefs aus ganz Europa nahmen daran teil.

Schmerzhafter Abschied in Madrid: Zwei Wochen nach den Terroranschlägen in der spanischen Hauptstadt haben Angehörige und Freunde am Mittwoch beim Requiem in der Almudena-Kathedrale der 190 Opfer gedacht. "Euer Schmerz ist der Schmerz unserer geliebten Stadt Madrid geworden, Spaniens und schließlich der ganzen Welt", rief Kardinal Antonio Rouco Varela den Trauernden zu. Für die Opfer war ein Staatsbegräbnis geplant, mit dem seit Wiedereinführung der Demokratie in Spanien nur Mitglieder der königlichen Familie geehrt wurden.

"Wir haben alle zusammen geweint", sagte Varela, der Erzbischof von Madrid. "Großer Schmerz hat euer Leben und das eurer Familien ergriffen seit dem schwarzen Tag, an dem brutale Terrorgewalt - mit unbeschreiblicher Grausamkeit geplant und ausgeführt - das Leben derer nahm, die ihr am meisten liebtet." Das spanische Königshaus, die Regierung sowie Staats- und Regierungschefs aus ganz Europa nahmen an den Trauerfeiern teil. Nach Madrid reisten unter anderem Bundeskanzler Gerhard Schröder, der französische Staatspräsident Jacques Chirac und der britische Premierminister Tony Blair. Aus den USA kam Außenminister Colin Powell.

Überwältigt von Emotionen und Wut

Überwältigt von Emotionen und Wut rief ein Trauernder noch vor Beginn der Messe dem scheidenden Ministerpräsidenten Jose Maria Aznar zu: "Herr Aznar, ich mache sie für den Tod meiner Tochter verantwortlich." Angesichts von Hinweisen auf eine Urheberschaft muslimischer Extremisten wird ein Zusammenhang der Anschläge mit Aznars Beteiligung am Irak-Krieg nicht ausgeschlossen.

Zahlreiche Polizisten bewachten die Kathedrale, um die eine Sicherheitszone von rund 500 Metern abgeriegelt worden war. Vor der Kirche waren weitere 800 Sitze für die Trauernden aufgebaut. Für eine Live-Übertragung der Messe wurden Großbildschirme vor der Kirche, im Garten des Königspalastes und auf der Puerta del Sol errichtet.

Schröder trifft Zapertero

Nach der Messe wollte Schröder mit dem designierten spanischen Ministerpräsidenten Jose Luis Rodriguez Zapatero zusammentreffen, dessen sozialistische Partei wenige Tage nach den Anschlägen die Parlamentswahl gewonnen hatte. Bei den bilateralen Treffen dürfte es unter anderem um die Ankündigung des künftigen Regierungschefs gehen, nach seinem Amtsantritt die spanischen Truppen aus Irak abzuziehen. Ein weiteres Gesprächsthema wird voraussichtlich die geplante EU-Verfassung sein. Zapatero hat angedeutet, er könnte die bisherige Blockadehaltung Madrids in der Frage der Stimmverteilung im Europäischen Rat aufgeben.

Bereits vor der Trauerfeier trafen sich Blair sowie der polnische Ministerpräsident Leszek Miller in getrennten Gesprächen mit Zapatero. Powell kam mit dem noch amtierenden Regierungschef Aznar zusammen.

Mar Roman