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Maria Aljochina: Keine Gnade für Pussy-Riot-Mitglied

Lagerhaft bis zum Schluss: Maria Aljochina von der russischen Punkband Pussy Riot ist mit ihrem Antrag auf vorzeitige Haftentlassung gescheitert. Nicht einmal an der Anhörung durfte sie teilnehmen.

Maria Aljochina, 25, von der russischen Punkband Pussy Riot muss bis zum Ende ihrer umstrittenen Haftstrafe im März 2014 hinter Gittern bleiben. Ein Gericht in der Stadt Perm am Ural lehnte am Mittwoch eine vorzeitige Haftentlassung erneut ab, wie die Agentur Interfax meldete. Aljochinas Anwältin Irina Chrunowa kündigte daraufhin an, weiter für eine Freilassung zu kämpfen und bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu ziehen.

Ihre Mandantin, Mutter eines kleinen Sohnes, solle heimlich in ein anderes Straflager gebracht werden, sagte Chrunowa. Aljochina war Anfang März 2012 festgenommen und am 17. August 2012 wegen Rowdytums aus religiösem Hass zu zwei Jahren Straflager verurteilt worden. Sie hatte gemeinsam mit anderen Bandmitgliedern in der wichtigsten orthodoxen Kathedrale gegen Kremlchef Wladimir Putin protestiert und ein sogenanntes Punk-Gebet aufgeführt.

Auch ihre Bankkollegin Nadeschda Tolokonnikowa sitzt weiter in Haft. Tolokonnikowa war Ende April ebenfalls mit einem Antrag auf vorzeitige Haftentlassung gescheitert. Ihr Einspruch dagegen soll am Freitag verhandelt werden. Tolokonnikowa verbüßt ihre Strafe in einem Lager in der ostrussischen Region Mordowien.

Eine der jungen Frauen wurde bisher freigelassen

Ein drittes, im März 2012 ebenfalls verurteiltes Bandmitglied ist heute wieder frei. Bei Jekaterina Samuzewitsch wurde die Haftstrafe im vergangenen Herbst in Bewährung umgewandelt. Ihre Anwälte hatten erklärt, sie habe an dem Auftritt in der Kathedrale gar nicht teilnehmen können, weil sie zuvor von Wachleuten abgeführt worden sei.

International ist die Empörung über die Haft der beiden Pussy-Riot-Sängerinnen groß. Erst vor zwei Tagen hatten Popstars aus aller Welt die sofortige Freilassung der Frauen gefordert.

Aljochina wurde am Mittwoch nur per Video in das Gerichtsgebäude zugeschaltet. Nach mehreren Stunden der Anhörung sagte sie laut der Menschenrechtsgruppe Woina, sie werde nicht länger an dem Prozess teilnehmen, da dort "meine elementaren Rechte missachtet werden". Schon im Mai hatte die 25-Jährige nicht an dem Verfahren teilnehmen dürfen, bei dem ihr Antrag auf vorzeitige Haftentlassung abgelehnt worden war.

Alexej Nawalny nennt Verfahren "skandalös"

Aljochina war daraufhin in einen elftägigen Hungerstreik getreten. Vor der Verhandlung ihres Berufungsantrags wurde die Musikerin vom Straflager Beresniki, wo sie zuvor inhaftiert war, in ein Gefängnis in Perm verlegt. Dennoch durfte sie nicht selbst in den Gerichtssaal. Der Richter begründete die Ablehnung ihres Antrags damit, dass sie weiter die Regeln der Strafkolonie missachte.

Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny, der letzte Woche selbst in erster Instanz verurteilt worden war, bezeichnete das Verfahren als "skandalös".

anb/DPA/AFP / DPA