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Marjorie Greene Zieht im Herbst die erste QAnon-Abgeordnete ins US-Repräsentantenhaus ein?

Marjorie Greene
Marjorie Greene auf einer Demo gegen die Amtsenthebung Trumps im Oktober 2019
© TNS/ABACA/ / Picture Alliance
QAnon-Anhänger glauben, dass Donald Trump gegen einen Kinderschänderring kämpft, der von Politikern und Promis betrieben wird. Eine von ihnen: Marjorie Greene aus Georgia - sie hat beste Chancen, in den US-Kongress gewählt zu werden.

Immer wenn man glaubt, schlimmer geht’s nicht mehr, kommt von irgendwo der Gegenteilbeweis daher. Vor zehn Jahren sorgte die abstrus-erzkonservative Tea Party-Bewegung in der Republikanischen Partei für Furore. 2016 wurde mit Donald Trump ein Konservativer US-Präsident, der Lügen, Beleidigungen und Ignoranz zum politischen Prinzip erhob. Und nun, noch einmal vier Jahre später, könnte die Partei eine Abgeordnete ins US-Repräsentantenhaus entsenden,. die Anhängerin der ebenso bizarren wie rassistischen QAnon-Verschwörungstheorie ist.

Greenes Wahl so gut wie sicher

Die studierte Ökonomin Marjorie Taylor Greene hat im Bundesstaat Georgia die Nominierung für den 14. Kongressbezirk gewonnen und kandidiert damit bei der Wahl im November für einen Sitz im Washingtoner Parlament. Dass sie ihn gewinnen wird, gilt als so gut wie ausgemacht, die Region des Landes ist fest in republikanischer Hand. Sollte Greene gewählt werden, wäre sie die erste QAnon-"Vertreterin" im US-Kongress.

Die zentrale Behauptung der QAnon-Anhänger ist, dass es eine Verschwörung gegen US-Präsident Donald Trump innerhalb des US-Regierungsapparats gibt, der so genannte "Deep State". Außerdem behaupten sie oft, prominente Politiker der Demokratischen Partei in den USA ließen sich mit Hormonen behandeln, die aus dem Blut von Kindern gewonnen würden – gesteuert werde das aus dem Keller einer Pizzeria in der US-Hauptstadt. Daneben stehe eine "islamische Invasion" bevor, und der bekannte jüdische Investor George Soros sei ein "Nazi". Ihn hatte Greene erst vor kurzem noch als "Feind des Volkes" bezeichnet.

Weil die QAnon-Bewegung eher an die Karikatur einer Verschwörungstheorie erinnert, gilt sie manchem als Satire, für ihre Vertreter aber, etwa auf YouTube, ist sie vor allem ein gutes Geschäftsmodell. Noch zumindest. So geht Twitter mittlerweile massiv gegen QAnon-Inhalte vor. Weil sie Schäden im realen Leben anrichten könnten, wurden mehr als 7000 QAnon-Unterstützern zugerechnete Accounts dauerhaft gesperrt, die Verbreitung der Inhalte von rund 150.000 weiteren Profilen eingeschränkt.

Wie reagieren die Republikaner?

Innerhalb der Republikaner ist der Umgang mit den Verschwörungstheoretikern in den eigenen Reihen unklar. Die Gegner erhoffen sich nun, dass der Einzug Greenes ins Repräsentantenhaus die Partei zwingen werde, eindeutiger Stellung zu QAnon zu beziehen. So hatte US-Präsident Donald Trump häufiger Beiträge von QAnon-Anhängern retweetet, auch gratulierte er Greene zu ihrer Nominierung. Andere konservative Abgeordnete dagegen kritisieren die Bewegung: Steve Scalise aus Louisiana etwa sagte, Kommentare Greenes seien "widerlich". Adam Kinzinger kommentierte auf Twitter ihren Erfolg mit den Worten: "QAnon ist ein Gespinst", im Kongress sei kein Platz für diese Verschwörungstheorien.

Quellen: DPA, CNN, Ballotpedia, Donald Trump auf Twitter, Adam Kinzinger auf Twitter

nik

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