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Marsch der Rothemden: Thailands Premier schließt Rücktritt aus

Thailändischer Regierungsgegner wollen mit einer Großdemonstration den amtierenden Premier Abhisit Vejjajiva in die Knie zwingen.

Politisches Drama, vielleicht letzter Akt: Der gestürzte thailändische Ex-Premier Thaksin Shinawatra lässt mit zehntausenden nach Bangkok dirigierten Demonstranten noch einmal die Puppen tanzen. Doch ob er am Ende die Oberhand behält, ist fraglich. Der vollmundig angekündigte "Millionen"-Marsch der Rothemden, der die Regierung in die Knie zwingen soll, blieb am Sonntag mit gut 100.000 Teilnehmern weit hinter den Erwartungen zurück.

Aus dem Exil feuerte der wegen Amtsmissbrauchs verurteilte Politiker die Demonstranten über das Kurznachrichtenportal Twitter an. "Je mehr von euch rauskommen, desto stärker will ich kämpfen", schrieb er. "Ich danke euch und werde mich eines Tages erkenntlich zeigen." Damit ließ er die Katze aus dem Sack: er will zurück an die Macht. "Thaksin ist einer, der nicht gern verliert. Er gibt nicht auf", sagte Politologe Thitinan Pongsudhirak in einem Zeitungsinterview.

Doch werfen die enttäuschenden Demonstrantenzahlen die Frage auf, wie geeint die von ihm finanzierten und nach ihrer T-Shirt-Farbe benannten Rothemden hinter ihm stehen. Dass seine Frau und Kinder vor dem Protestwochenende das Land verließen, stieß vielen bitter auf. Das Oppositionsbündnis "Vereinigte Front für Demokratie und gegen Diktatur" (UDD) ist zwar auf Thaksins Millionen angewiesen, betont aber immer öfter, dass es nicht um dessen Person, sondern die Rückkehr zu einer rechtmäßig gewählten Regierung geht. Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva kam nämlich nicht durch einen Wahlsieg, sondern Verschiebungen im Parlament an die Macht.

Doch hat sich Abhisit in seinen 15 Monaten im Amt nicht zum Buhmann stempeln lassen. Die Rothemden schafften es zwar anfangs, den unerfahrenen Politiker zu blamieren. Sie zwangen ihn im vergangenen April mit Protesten, einen Gipfel mit bereits anwesenden Staats- und Regierungschefs aus ganz Asien abzubrechen. Doch hat er Thailand seitdem souverän durch die Weltwirtschaftskrise gesteuert. Die populäre Krankenversicherung und die Mikrokredite behielt er bei.

Am Wochenende trat er staatsmännisch im Fernsehen auf. Er ermahnte die Demonstranten milde, nicht über die Stränge zu schlagen. Einen Rücktritt schloss er aus. Wahlen kommen, versprach er, aber nicht im Moment. Turnusmäßig müssen sie bis Ende 2011 stattfinden. Bei aller Milde hatte er die Armee in der Hinterhand, der er bei leisesten Unruhen einen Freibrief zum Einschreiten gegeben hatte.

Thaksins "Armee" ist das Oppositionsbündnis UDD. Er finanziert deren Proteste weitgehend. Teilnehmer berichteten von Tagessätzen von 1000 Baht - rund 22 Euro, und damit mehr, als viele Bauern und Arbeiter in einer ganzen Woche verdienen können. Wie tief Thaksins Taschen für diese Machtprobe sind, weiß niemand. Ein Gericht hatte Ende Februar die Beschlagnahmung von 60 Prozent seines eingefrorenen Vermögens von 1,7 Milliarden Euro angeordnet. Ohne Unterstützung wäre es für die Massen schwer, den Protest fortzusetzen. Bleibt die Frage, wer den längeren Atem hat: Amtsinhaber Abhisit oder Thaksin.

"Die Abhisit-Regierung müsste irgendeinen Fehler machen", meinte Politologe Thitinan. Andernfalls werde es schwer für die Rothemden, ihr Ziel zu erreichen - vor allem wenn Abhisits Unterstützer bei der Stange blieben: Armee, Monarchisten, alteingesessene Bangkoker Familien und politische Koalitionspartner.

Christiane Oelrich, DPA / DPA