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Regierungswechsel in Thailand: Yingluck gewinnt die Wahlen haushoch

Thailand steht vor einem Regierungswechsel. Yingluck Shinawatra, die jüngere Schwester des gestürzten Regierungschefs Thaksin, hat die Wahlen gewonnen. Doch vor ihr steht eine Herkulesaufgabe. Sie muss die gespaltene Nation versöhnen.

Bei der Parlamentswahl in Thailand hat sich die Oppositionskandidatin Yingluck Shinawatra klar durchgesetzt. Die 44-jährige Schwester des früheren Regierungschefs Thaksin Shinawatra sagte am Sonntag in Bangkok, wo die Wahlkommission ihrer Puea-Thai-Partei eine absolute Mehrheit im neuen Parlament bescheinigte, das Volk habe ihr eine Chance gegeben. Thaksin selbst rief seine Landsleute aus dem Exil in Dubai zur Versöhnung auf.

Wie die Wahlkommission in der Hauptstadt mitteilte, konnte das Puea-Thai-Bündnis nach Auszählung von 97 Prozent der Stimmen mit 263 der 500 Mandate rechnen und erreichte damit die absolute Mehrheit. Die Demokraten des amtierenden Ministerpräsidenten Abhisit Vejjajiva kamen demnach auf lediglich 161 Sitze. Vejjajiva räumte seine Niederlage ein und gratulierte Yingluck zum Wahlsieg. Zugleich rief er das Land zu Einheit und Versöhnung auf.

In der Zentrale der Pheu Thai-Partei brach nach den ersten Prognosen ohrenbetäubender Jubel aus. Als Yingluck das Gebäude betrat, skandierten Hunderte "Yingluck - Nummer Eins". "Es wird eine harte Aufgabe für sie", sagte Thaksin in einem Fernsehinterview. Der Politiker war 2008 vor einer Verurteilung wegen Amtsmissbrauchs ins Exil geflohen. Er will nach Thailand zurückkehren. "Ich will keine Probleme machen, sondern zu Lösungen beitragen", sagte er.

Yingluck gibt sich versöhnlich

Yingluck war erst vor wenigen Monaten ohne jegliche politische Erfahrung in das Rennen eingestiegen. Sie hat eine erfolgreiche Karriere im Firmenimperium der Familie hinter sich. Im Wahlkampf gab sie sich keine Blöße und machte die Versöhnung des zerstrittenen Volkes zu ihrem wichtigsten Thema. "Wir müssen uns alle gegenseitig mehr lieben", sagte Yingluck zum Wahlkampfabschluss. Sie will keine Racheaktionen dulden. Die Partei denkt über eine Amnestie nach, unter der angeklagte Aktivisten aus den Straßenprotesten freikommen. Auch Thaksin könnte von einer solchen Amnestie profitieren.

Thailand ist seit sechs Jahren in einer schweren politischen Krise. Erst gingen Thaksin-Gegner auf die Straße, die ihm Korruption vorwarfen, dann stürzte das Militär 2006 den Regierungschef. Als das Volk ein Jahr später erneut eine Thaksin-freundliche Regierung wählte, gingen seine Gegner abermals auf die Straße, blockierten den Regierungssitz und besetzten den Flughafen, bis ein Gericht die Regierungspartei unter fadenscheinigen Gründen auflöste. Weil sich dadurch die Gewichte im Parlament verschoben, kam Abhisit an die Macht.

mai/DPA / DPA