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Massaker in Kongo: Kinder mussten Kinder töten

Im Nordosten Kongos haben ugandische Rebellen ein schweres Massaker verübt. Wie erst jetzt bekannt wurde, kamen bei dem Blutbad im Dezember mehr 300 Dorfbewohner ums Leben, viele weitere wurden entführt oder verstümmelt.

In der Demokratischen Republik Kongo haben ugandische Rebellen mehrere Dörfer überfallen und mehr als 300 Zivilisten brutal ermordet. Das Massaker habe sich bereits im Dezember ereignet, sei aber monatelang unentdeckt geblieben, erklärte die Organisation Human Rights Watch (HRW) am Sonntag. Augenzeugen aus dem entlegenen Gebiet im Nordosten des Kongo berichteten demnach von grausamen Mordmethoden und massenhaften Entführungen.

Rebellen der Lord's Resistance Army (LRA) hätten Mitte Dezember in dem abgelegenen Gebiet Makombo im nordöstlichen kongolesischen Distrikt Haut-Uélé mindestens 321 Zivilisten getötet, heißt es in einem HRW-Bericht, den die Organisation in der ugandischen Hauptstadt Kampala veröffentlichte. Unter den Todesopfern des viertägigen Massakers seien mindestens 13 Frauen und 23 Kinder gewesen. Das jüngste Kind war den Angaben zufolge ein dreijähriges Mädchen, das verbrannt worden sei. Die LRA-Rebellen hätten ihre Opfer meist zunächst gefesselt und dann mit Macheten getötet oder ihre Schädel mit Äxten und Knüppeln eingeschlagen.

Die Rebellen der "Widerstandsarmee des Herrn" verschleppten dem Bericht zufolge etwa 250 weitere Menschen, darunter 80 Kinder. Viele der entführten Kinder seien gezwungen worden, andere Kinder zu töten, die sich den Befehlen der Rebellen widersetzt hätten. HRW dokumentierte zahlreiche Fälle, in denen Kinder sich im Kreis um ein Kind aufstellen und es so lange abwechselnd mit Holzstöcken auf den Kopf schlagen mussten, bis es starb.

"Vom 'Gestank des Todes' erfüllt"

Augenzeugen berichteten laut HRW, dass das Gebiet noch wochenlang "vom 'Gestank des Todes' erfüllt" gewesen sei. "Das Makombo-Massaker ist eines der schlimmsten, die von der LRA in ihrer 23-jährigen Geschichte jemals begangen wurden, dennoch blieb es monatelang ungemeldet", sagte die HRW-Afrikaexpertin Anneke Van Woudenberg. Die Gewalttaten zeigten, dass die LRA "eine ernsthafte Bedrohung für Zivilisten" bleibe und durchaus nicht so geschwächt sei, wie die Regierungen in Uganda und im Kongo es darstellten. Eine Abgeordnete der betroffenen Region bestätigte die Massaker. Die Rebellen hätten einige ihrer Opfer geköpft und Kinder auf dem Weg zur Schule entführt, sagte Jeannette Abakuba.

Bereits vor der Veröffentlichung des HRW-Berichts hatte der katholische Geistliche der Diözese Isiro-Niangara, Dieudonné Abakuba, von dem Massaker von etwa 30 LRA-Rebellen in einem Dutzend Dörfern berichtet. Er sprach von mindestens 300 Todesopfern und 200 bis 400 Verschleppten. Einige Menschen aus der Region Makombo seien geflüchtet und kehrten nun langsam zurück. "Aber die Atmosphäre ist vergiftet, die Leute haben Angst, dass die LRA zurückkommen könnte", sagte der Geistliche. Sie scheuten sich, weiter Landwirtschaft zu betreiben. Daher drohe eine Hungersnot.

Blauhelmtruppen sollen abgezogen werden

Genau ein Jahr vor dem Massaker von Makombo, im Dezember 2008 und Januar 2009, hatte die LRA im Norden des Kongo und Süden des Sudan mehr als 865 Zivilisten umgebracht. Die Vereinten Nationen haben im Nordosten des Kongos die UN-Friedensmission stationiert. Die Blauhelmtruppen sollen jedoch von Juni an abgebaut und bis Juli 2011 ganz abgezogen werden.

Die LRA nahm 1988 den bewaffneten Kampf im Norden Ugandas auf und gilt als besonders brutal. Unter dem Druck der ugandischen Armee zogen sich die Rebellen 2005 in den Nordosten des Kongo zurück. Der LRA-Chef Joseph Kony wird vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Kriegsverbrechen gesucht.

AFP/APN/DPA / DPA