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Meles Zenawi ist tot Äthiopiens Ministerpräsident stirbt im Krankenhaus


Äthiopiens Regierungschef ist tot. Meles Zenawi starb nach Regierungsangaben in der Nacht zum Dienstag in einem Krankenhaus im Ausland. Der 57-Jährige hinterlässt ein umstrittenes Erbe.

Äthiopiens Ministerpräsident Meles Zenawi ist tot. Der 57-Jährige sei am Montagabend gegen Mitternacht in einem Krankenhaus im Ausland verstorben, erklärte Regierungssprecher Bereket Simon in der Hauptstadt Addis Abeba ohne weitere Details zu nennen. "Er hatte sich gut erholt, aber plötzlich ist etwas geschehen und er musste in die Intensivstation eingeliefert werden", sagte Simon. "Sie konnten sein Leben nicht retten." Die Nachrichtenagentur DPA nannte ein Krebsleiden als Todesursache. Nach Informationen lokaler Fernsehsender werde sein Stellvertreter und Außenminister Hailemariam Desalegn das Amt kommissarisch übernehmen.

Um den Gesundheitszustand Meles', der das Land seit zwei Jahrzehnten regierte, gab es seit Monaten Spekulationen. Der Regierungschef war seit zwei Monaten nicht mehr öffentlich gesehen worden und fehlte bei Gipfeltreffen und Parlamentsabstimmungen. Mitte Juli hatte eine Sprecherin der Regierung erklärt, Meles befinde sich nach einer medizinischen Behandlung in guter Verfassung. In diplomatischen Kreisen hatte es geheißen, er sei in Brüssel behandelt worden, in anderen Kreisen war von einer Behandlung in Deutschland die Rede.

Äthiopien, das seit Jahrzehnten immer wieder von Dürren und Hungerkatastrophen heimgesucht wird, hat unter Meles einen nie dagewesenen Aufschwung erlebt. Straßenbau-, Bildungs- und Gesundheitsprojekte wurden zielstrebig vorangetrieben, zeitweise war das Wirtschaftswachstum des Landes das höchste aller nicht ölexportierenden Staaten in Subsahara-Afrika. Gleichzeitig belegt Äthiopien auf dem Entwicklungsindex weiterhin einen der untersten Plätze. Meles hatte zuletzt angekündigt, 2015 nicht erneut für das Amt des Premierministers kandidieren zu wollen.

Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung

Äthiopien gilt als wichtigster Verbündete der USA am Horn von Afrika und als verlässlicher Partner im Kampf gegen den islamischen Terror. Zu den Nachbarn des Landes gehören Unruhe-Staaten wie Somalia und der Sudan.

Doch die Regierung Meles' hatte auch ihre Schattenseiten: Immer wieder haben internationale Organisationen Äthiopien wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen angeprangert. Erst kürzlich waren der prominente Journalist Eskinder Nega und zahlreiche Oppositionspolitiker zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden, weil sie die umstrittenen nationalen Vorschriften zur Terrorismus-Bekämpfung verletzt haben sollen. Viele Oppositionelle sind ins Exil gegangen.

Widerstand gegen den "roten Terror"

1955 als Legesse Zenawi in der Provinz Tigray im Norden Äthiopiens geboren, nahm der verstorbene Premier später den Namen Meles an, zu Ehren eines während des Widerstandskampfes getöteten Mitkämpfers. Er studierte in Addis Abeba und an internationalen Universitäten in Großbritannien und den Niederlanden. Bereits während seiner Universitätsjahre wurde Zenawi politisch aktiv.

Nach dem Sturz von Kaiser Haile Selassie und der Errichtung der kommunistischen Diktatur von Mengistu Haile Mariam - die als "roter Terror" in die Geschichte des Landes einging - schloss sich Meles der neu gegründeten Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) an. Mit Hilfe der Eritreischen Volksbefreiungsfront (EPLF) des damals zu Äthiopien gehörenden Eritrea gelang der Oppositionsbewegung 1991 der Sturz des seit 14 Jahren wütenden Mengistu-Regimes.

Bei den Wahlen 1995 wurde Meles zum Regierungschef gewählt - ein Amt, das er 17 Jahre lang inne haben sollte. Die Wahlergebnisse waren dabei häufig umstritten, im Jahr 2005 kam es zu blutigen Tumulten mit über 200 Toten und zahlreichen Festnahmen Oppositioneller.

Blutiger Grenzkrieg mit Eritrea

Während der Regierungszeit von Meles brach der langjährige Konflikt mit Eritrea wieder auf, das 1993 die Unabhängigkeit von Äthiopien erlangt hatte. Die Truppen beider Länder standen sich in den Jahren 1998 bis 2000 in einem Grenzkrieg gegenüber, in dem zehntausende Menschen getötet wurden. Meles weigerte sich auch nach einem internationalen Schiedsspruch, die äthiopischen Einheiten aus der Grenzstadt Badme abzuziehen. Dort gab es immer neue Auseinandersetzungen.

Äthiopische Truppen drangen 2006 auch ins benachbarte Somalia vor, um dort gegen islamisch-fundamentalistische Milizen einzuschreiten. 2007 wurden die Truppen abgezogen, 2011 aber erfolgte eine erneute äthiopische Invasion in Somalia, wo es seit Jahrzehnten keine funktionierende Zentralregierung gab.

jwi/AFP/Reuters/DPA DPA Reuters

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