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Michail Saakaschwili: Ambitionierter Jungstaatsmann

Der neue georgische Präsident Michail Saakaschwili gilt als ein Mann mit Ausdauer, Besonnenheit und Machtinstinkt. Er führte die Opposition bei den Protesten gegen die alte Regierung. Jetzt will er alles besser machen.

Der 36-jährige Michail Saakaschwili gilt als ein Mann mit Ausdauer, Besonnenheit und Machtinstinkt. Wie kein zweiter Oppositionspolitiker in Georgien sah der Jurist im vergangenen November das politische Ende des angeschlagenen damaligen Staatschefs Eduard Schewardnadse (75) voraus. Über Wochen führte der von den USA unterstützte Saakaschwili die friedlichen Massenproteste in Tiflis an, bis der in Wahlfälschungen verwickelte Schewardnadse entnervt das Handtuch warf.

Ambitioniert und ehrgeizig

An seinen Ambitionen ließ Saakaschwili, einst Justizminister unter Schewardnadse, nie einen Zweifel: Kaum war der "kaukasische Fuchs" von der politischen Bühne abgetreten, schmiedete Saakaschwili im Stillen eine Dreierkoalition der führenden Oppositionspolitiker zu seinen Gunsten. Die als gemäßigt geltende Übergangspräsidentin Nino Burdschanadse soll wieder das Amt der Parlamentsvorsitzenden ausüben. Burdschanadses Parteifreund Surab Schwanija bekommt den Posten eines in der Verfassung bislang nicht vorgesehenen Regierungschefs.

In Georgien gingen die Meinungen über den Polit-Karrieristen Saakaschwili lange Zeit weit auseinander. Schewardnadses Lager kanzelte den einstigen Zögling als "Populisten" ab. Von seinen Anhängern wird Saakaschwili für seine angeblich prinzipientreue Haltung geschätzt. Der Politiker will Georgien für NATO-Truppen öffnen, die Kommunistische Partei verbieten und zugereiste Tschetschenen des Landes verweisen.

Besondere Skepsis

Mit besonderer Skepsis blicken die von Georgien abtrünnigen Gebiete Abchasien, Südossetien und Adscharien auf den neuen starken Mann Georgiens. Einen Wahlboykott in den Konfliktgebieten werde es in Zukunft nicht mehr geben, kündigte Saakaschwili am Wahltag selbstbewusst an. Mit dieser versteckten Drohung dürfte er den Argwohn in den abtrünnigen Gebiete noch verstärkt haben.

Peer Meinert / DPA