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Miguel Díaz-Canel: Das ist das neue Gesicht Kubas nach der Ära Castro

Kuba hat einen neuen Präsidenten: Das Parlament in Havanna beendete die fast sechzig Jahre dauernde Castro-Ära und wählte Miguel Díaz-Canel zum Nachfolger von Raúl Castro. So tickt der Jeansträger und bekennende Beatles-Fan.

Miguel Díaz-Canel

Auf ihn kommen schwierige Aufgaben zu: Kubas neuer Präsident Miguel Díaz-Canel

AFP

Miguel Díaz-Canel hat als gewissenhafter Parteikader geduldig Stufe um Stufe genommen - jetzt ist der hochgewachsene Mann mit den grauen Haaren und dem durchdringenden Blick auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt. Díaz-Canel löst Raúl Castro an der Spitze des kubanischen Staatsrats ab und wird Präsident der sozialistischen Karibikinsel. Mit seinen 57 Jahren gehört der neue Staatschef zur jüngeren Generation der kommunistischen Elite in Kuba. Die Revolution von 1959 zum Sturz der von den USA unterstützten Batista-Diktatur hat er nicht erlebt, er wurde erst ein Jahr später geboren.

Miguel Díaz-Canel muss "liefern"

Als Präsident steht Díaz-Canel vor der großen Herausforderung, die Errungenschaften der Revolution zu festigen und zugleich die von seinem Mentor Raúl Castro eingeleiteten Reformen voranzutreiben. Erschwerend dabei ist, dass die wirtschaftliche Lage Kubas auch wegen der Schwäche des verbündeten Landes Venezuela desolat ist und die sozialen Spannungen zunehmen und dass sich das Verhältnis zu den USA seit dem Amtsantritt von Donald Trump wieder deutlich verschlechtert hat.

Zudem verfügt der neue Präsident im Gegensatz zu den Revolutionären Fidel und Raúl Castro nicht über die natürliche Legitimation der alten Kämpen. Er muss "liefern", Erfolge vorweisen. "Wenn es ihm nicht gelingt, die wirtschaftliche Lage zu verbessern, wird er mit den politischen Folgen zu kämpfen haben", sagt Arturo López-Levy von der Universität Texas-Rio Grande Valley. Ein dramatischer Kurswechsel ist von Díaz-Canel dabei nicht zu erwarten. "Er ist ein diskreter und pragmatischer Apparatschik", sagt der Analyst Carlos Alberto Montaner.

Díaz-Canel setzt sich für erweiterte Zugänge zum Internet und kritischere Medien ein. Doch vergangenes Jahr tauchte ein Video eines privaten Treffens mit KP-Mitgliedern auf, in dem Castros damaliger Erster Stellvertreter kräftig gegen Regierungskritiker und die USA austeilte.

"Díaz-Canel ist keine Notlösung"

Mit seinem Amtsantritt wird Díaz-Canel zugleich Oberkommandierender der Streitkräfte. Als solcher steht er den Generälen vor, die seit der Revolution Teil des kubanischen Militärapparats sind und von denen viele hohe Ämter in der Regierung und der Kommunistischen Partei innehaben - eine große Herausforderung für den neuen Staatschef, der einzig bei einer Einheit für Flugabwehrraketen zwischen 1982 und 1985 im Zuge seines Wehrdienstes militärische Erfahrungen sammelte. Doch Castro, der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Kubas (PCC) bleibt, wird seinem Zögling vorerst beiseite stehen.

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Volker Figueredo Véliz erzählt: "Die Dame auf dem Foto bot mir ein Geschäft an. Als Kubanerin könne sie – mit meinem Geld allerdings – Wohneigentum erwerben. Wenn wir dann verheiratet wären, würde das Haus auch mir gehören. Ich habe das Angebot letztendlich dann doch abgelehnt."

Volker Figueredo Véliz erzählt: "Die Dame auf dem Foto bot mir ein Geschäft an. Als Kubanerin könne sie – mit meinem Geld allerdings – Wohneigentum erwerben. Wenn wir dann verheiratet wären, würde das Haus auch mir gehören. Ich habe das Angebot letztendlich dann doch abgelehnt."


Díaz-Canel galt schon lange als Castros rechte Hand. "Der Genosse Díaz-Canel ist kein Emporkömmling und keine Notlösung", sagt der Staatschef über seinen Wunsch-Nachfolger. "Er hat seine ideologische Standfestigkeit unter Beweis gestellt." Im Gegensatz zu anderen jungen Parteikadern seiner Generation gelang es dem bisherigen Vizepräsidenten, bei seinem politischen Aufstieg nie in Ungnade zu fallen.

Vom langhaarigen Radfahrer zum Präsidenten Kubas

1982 beendete Díaz-Canel sein Studium als Elektronikingenieur. Nach dem Militärdienst lehrte er als Professor an der Universität von Santa Clara. Daneben war er für die Jugendorganisation der Kommunistischen Partei tätig. 1994 wurde er zum Ersten Parteisekretär der zentralen Provinz Villa Clara gewählt. Dort ermöglichte der damals noch langhaarige Funktionär ein recht liberales Kulturleben und erregte Aufsehen, weil er im Gegensatz zu anderen Funktionären mit dem Fahrrad unterwegs war.

Mit 43 Jahren zog er 2003 als jüngstes Mitglied in das Politbüro, dem höchsten Gremium der Kommunistischen Partei, ein und übernahm den Parteivorsitz in der Provinz Holguín. 2009 erfolgte auf Vorschlag Raúl Castros seine Ernennung zum Minister für Hochschulbildung. 2012 folgte ein weiterer Karrieresprung: Díaz-Canel wurde er einer von acht Vizepräsidenten im Ministerrat, ein Jahr später dann Mitglied im mächtigen Staatsrat.

Jeansträger und bekennender Beatles-Fan 

Díaz-Canels Anhänger loben seine Bescheidenheit und seine Fähigkeit zuzuhören. Der berühmte Dissident Guillermo Fariñas war in der Schulzeit mit Díaz-Canel befreundet. Er beschreibt den neuen Präsidenten als "neugierig, impulsiv, aggressiv und mutig". Das Verhältnis zwischen dem Parteisoldaten und dem Oppositionellen kühlte sich später zwar ab. Als Fariñas sich allerdings im Krankenhaus von einem Hungerstreik erholte, kam sein alter Freund zu Besuch.

Interviews und kontroverse Diskussionen meidet Díaz-Canel gewöhnlich. Der Jeansträger und bekennende Beatles-Fan hält lieber Reden bei öffentlichen Auftritten. Als feuriger Redner ist er freilich nicht bekannt.

Aus erster Ehe hat Díaz-Canel zwei Kinder. In zweiter Ehe ist er mit Liz Cuesta, einer auf kubanische Kultur spezialisierten Akademikerin, verheiratet.

mad / DPA / AFP