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Analyse

Eine Botschaft, viele Wege: Mit freundlichen Grüßen: Dein Feind Donald Trump

Trump hat Erdogan einen Brandbrief geschrieben. Bemerkenswert daran ist höchstens das Medium: Seine Beschimpfungen und Beschwerden haben bisher auch jenseits des DIN-A4-Formats ihre Adressaten gefunden. 

US-Präsident Donald Trump unterzeichnet ein Dekret

US-Präsident Donald Trump unterzeichnet ein Dekret

AFP

Auch im Kreml hat man sich an den Kopf gefasst. Hat er das wirklich geschrieben? In einem Brief? An einen anderen Staatschef?

Am Donnerstag gelangte ein Schreiben an die Öffentlichkeit, das der türkische Präsident angeblich in den Müll geworfen haben soll. US-Präsident Donald Trump hat ihm darin durchbuchstabiert, was er von der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien hält. In Kürze: nicht viel. In Gänze: Sollte keine friedliche Lösung gefunden werden, werde er die türkische Wirtschaft zerstören. "Seien Sie kein harter Kerl! Seien Sie kein Narr!" Mit freundlichen Grüßen: Donald Trump.

"Man trifft nicht oft auf eine solche Sprache in Korrespondenzen zwischen Staatschefs", sagte Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters dazu, "es ist ein höchst ungewöhnlicher Brief."

Dass Trump alles ist, außer gewöhnlich, dürfte ebenfalls verbrieft sein. Bemerkenswert an dem Drohgebärden per Post ist daher höchstens die Wahl des Mediums. Seine wüsten Beschimpfungen und Beschwerden haben bisher auch jenseits des DIN-A4-Formats ihre Adressaten gefunden. 

Sie haben Post: die vielen Wege von Donald Trumps Botschaften

Für Trump der wohl bevorzugte Kommunikationsweg: Twitter. Über den Kurznachrichtendienst zieht er regelmäßig über Personen, Institutionen und Orte her. Die "New York Times" zählt mittlerweile 598 Opfer, die sich schon in Trumps Twitter-Gewittern wähnten.

Darunter befindet sich etwa Kim Jong Un, lange Zeit einer seiner ärgsten Brieffeinde. Vor zwei Jahren schickte er regelmäßig Kurzbotschaften an den nordkoreanischen Diktator. Man blieb sozusagen ständig in Kontakt – durch gegenseitige Beleidigungen ("klein und fett"), Drohungen ("Mein Atomknopf ist größer") und spöttische Spitznamen ("Rocket Man"). Die Sache mit den Spottnamen scheint Trump besonders zu pflegen, Wikipedia führt sogar eine Liste dazu. Ab Anfang 2018 herrschte schließlich Tauwetter, es kam zum ersten persönlichen Treffen in Singapur und viele warme Worte wurden gesprochen. Das hat mitunter für Irritationen gesorgt. Mitte diesen Jahres wurden sie sogar Brieffreunde, lobten die "ausgezeichneten" (Kim Jong Un) und "schönen" (Trump) Briefe voneinander. Sein Ziel, die vollständige, überprüfbare und irreversible Abrüstung der nordkoreanischen Atomarsenale, erreichte Trump bislang nicht. 

Trump feiert seine Bemühungen trotzdem als Erfolg. Er soll sich sogar selbst für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen haben. Ein Schelm, wer zwischen den Zeilen von Trumps (Twitter-)Diplomatie eine Methode heraus liest: Auch gegenüber China (Stichwort: Handelskrieg) und der NATO (Verteidigungsausgaben) gab sich @realDonaldTrump als härtester Hardliner, der klare Kante zeige. Substanzielle Erfolge hat er auch hier noch nicht erzielt. 

Oftmals trägt der US-Präsident aber auch seine Fehden zwischen den Zeilen aus, zum Beispiel in kurzen Statements gegenüber Medienvertretern. So wurde Trump jüngst von einem französischen Reporter gefragt, warum die USA denn eine geringere Arbeitslosenquote hätten als Frankreich. Trumps Antwort: "Nun, vielleicht haben wir einen besseren Präsidenten als ihr."

Autsch. Womöglich war er immer noch leicht angefasst, weil sich Emmanuel Macron – zumindest in Trumps Augen – in die Iran-Politik der Vereinigten Staaten einmischen wollte. Die Breitseite wurde in diesem Fall über Medienberichte zugestellt.

Einen medialer Kettenbrief soll offenbar seinem politischen Gegner Joe Biden zum Verhängnis werden. Seit Wochen verbreitet Trump unbelegte Anschuldigungen, die den Präsidentschaftsbewerber der Demokraten und seinen Sohn offenbar beschädigen sollen (lesen Sie hier mehr zu dem Thema). Und vom eigentlichen Skandal – Trumps möglichen Machtmissbrauch – ablenken soll. Es scheint zu funktionieren. Vor zwei Wochen wurde Biden von einem Reporter gefragt, ob die Arbeit seines Sohnes in der Ukraine einen Interessenkonflikt darstelle. "Ich werde nicht darauf reagieren", antwortete er aufgebracht. "Wir müssen uns auf das Problem konzentrieren. Fokussiert euch auf diesen Mann. Was er tut, hat bisher noch kein Präsident getan. Kein Präsident!"

Trumps Wahlkampfteam veröffentlichte daraufhin einen Clip von der Szene. "Was hat er zu verstecken?", heißt es in dem Tweet. Biden würde bei einer "simplen" Frage "explodieren".

Keine freundlichen Grüße: Donald Trump.