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Mönchsproteste in Myanmar: Barfuß und friedlich

Die Protestaktionen buddhistischer Mönche gegen die Militärjunta in Myanmar nehmen immer größere Ausmaße an: Am Samstag, dem fünften Tag ihres gewaltlosen Widerstandes, gingen landesweit über 5000 Mönche auf die Straße.

In Myanmar (früher: Birma) haben am Samstag tausende buddhistische Mönche gegen die Militärregierung des Landes demonstriert. In der Hauptstadt Rangun zogen nach Angaben einer birmanischen Exilvereinigung rund 2000 Mönche zum Haus der Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi, die unter Arrest steht. Die Friedensnobelpreisträgerin gilt als Symbol der Widerstandsbewegung in dem südostasiatischen Land. In Mandalay, der zweitgrößten Stadt des Landes, gingen mindestens 5000 Mönche auf die Straße. Einigen Beobachtern zufolge lag die Zahl der Demonstranten indes fast doppelt so hoch. Es war die größte Kundgebung seit Beginn der Proteste und bereits der fünfte Tag in Folge, an dem die Mönche auf die Straße gingen. Im Internet rief eine Gruppe namens "All Burma Monks Alliance" erstmals auch die Zivilbevölkerung dazu auf, sich den friedlichen Protesten anzuschließen.

Zivilbevölkerung soll sich Protesten anschließen

Der Kampf gegen die schlimme Militärdiktatur müsse bis zu deren kompletten Fall fortgeführt werden, hieß es in der Stellungnahme, die auf der Internetseite www.burmanet.org veröffentlicht wurde. Das Volk müsse sich mit den geistlichen Kräften vereinigen, um das Regime für immer aus dem Land zu verbannen, hieß es. Bisher hatten die Mönche Zivilisten davon abgeraten, bei ihren Märschen mitzulaufen, da sie Vergeltungsmaßnahmen der Regierung und gewalttätige Ausschreitungen befürchten. Myanmar wird seit einem Putsch im Jahr 1962 vom Militär regiert.

In Rangun wich die bewaffnete Militärpolizei Augenzeugen zufolge zurück, als die Mönche auf das Haus von Suu Kyi zuliefen. "Sie liefen einfach singend vorbei", sagte ein junger Mann, der den Mönchen folgte. Eine birmanische Exilgruppe erklärte, die Chefin der Nationalen Liga für Demokratie (NLD) sei aus ihrem Haus gekommen und habe den Mönchen ihren Respekt erwiesen. Suu Kyi hat seit dem haushohen Sieg ihrer Partei bei den Parlamentswahlen 1990 elf der vergangenen 17 Jahre entweder in Haft oder unter Hausarrest verbracht.

Unterstützer werden inhaftiert

In Mandalay säumten Zeugen zufolge mehrere tausend Zuschauer die Straßen. Sie hätten den Mönchen Wasser gegeben, sagte ein Augenzeuge. Vor Kurzem waren zwei Männer, die dies getan hatten, zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Sie wurden jedoch am Freitag freigelassen, nachdem rund 1000 Mönche auf die Straße gegangen waren und mit einer Ausweitung der Proteste gedroht hatten.

Eine drastische Erhöhung der Benzin- und Gaspreise hatte im vergangenen Monat den Unmut in der Bevölkerung ausgelöst. Bei den darauf folgenden Protesten wurden mittlerweile mehr als 150 Menschen festgenommen. Die sich ausweitenden Demonstrationen der Mönche gelten als Zeichen dafür, dass die Protestbewegung mittlerweile vor allem von religiösen Gruppierungen getragen wird. Auch Vertreter im Ausland ansässiger christlicher und islamischer Gruppen haben ihre Anhänger mittlerweile aufgefordert, die buddhistischen Mönche zu unterstützen.

Militär scheut diesmal Gewaltanwendung

1988 waren bei der blutigen Niederschlagung von Protesten in Birma rund 3000 Menschen getötet worden. Beobachter gehen davon aus, dass das Militär diesmal den Einsatz von Gewalt vermeiden will, um eine Ausweitung der Demonstrationen zu verhindern.

Aung Hla Tun/Reuters

Myanmar, Burma oder Birma?
Liebe Leser, wie Ihnen sicher schon aufgefallen ist, gibt es für das südostasiatische Land verschiedene Begriffe: Birma, Burma, Myanmar. In vielen deutschen Medien wird es Birma genannt, vereinzelt auch Burma, wie im englischen Sprachraum üblich. Seit 1989 heißt es offiziell Union Myanmar. So wird es von den Vereinten Nationen und von der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet. Einige Länder sind aus Protest gegen das dort herrschende Militärregime bei Birma/Burma geblieben, wie etwa die USA und Australien. stern.de hat sich entschieden, das Land Myanmar zu nennen.
Die Redaktion