Mohammed-Karikaturen Dänische Botschaft in Jakarta gestürmt


Der Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen erreichen Südostasien. In Jakarta drangen muslimische Demonstranten in die dänische Botschaft ein und verbrannten die dänische Flagge.

In der indonesischen Hauptstadt Jakarta haben militante Moslems am Freitag das Haus gestürmt, in dem die dänische Botschaft untergebracht ist. Sie protestierten gegen die Veröffentlichung von Karikaturen des Propheten Mohammed in einer dänischen Zeitung und forderten die Aufgabe der diplomatischen Beziehungen zwischen Indonesien und Dänemark sowie die Ausweisung des dänischen Botschafters aus dem Land. "Wir sind keine Terroristen, wir sind keine Anarchisten, aber wir sind gegen Leute, die den Islam beleidigen", riefen die Demonstranten.

Die etwa 300 Moslems der extremen "Islamischen Verteidigungsfront" drangen nach Angaben eines Augenzeugen in die Lobby des Gebäudes ein, in dem die Botschaft untergebracht ist. Sie zerschlugen Lampen mit Bambusstöcken und warfen Stühle umher. Auf das Schild der dänischen Botschaft waren sie faule Eier und Tomaten. Die Botschaft selbst liegt im 25. Stock des Gebäudes. Bis dahin drang die Menge aber nicht vor, da sie an den Sicherheitskräften in der Lobby nicht vorbeikam. Etwa 100 indonesische Polizisten beobachteten den Protest, der nach einer Stunde beendet war. Verhaftet wurde offenbar niemand.

Annan ruft zu friedvollem Dialog auf

UN-Generalsekretär Kofi Annan zeigte sich von der Kontroverse um die Karikaturen "betroffen". In einer Erklärung Annans hieß es, "die Freiheit der Presse sollte immer so ausgeübt werden, dass auch der religiöse Glauben und die Grundsätze aller Religionen voll respektiert werden." Annan rief dazu auf, den Streit in "friedvollem Dialog und gegenseitigem Respekt" zu lösen.

Dänemark prüft Aufenthaltsgenehmigung von Imamen

Vor dem Hintergrund der eskalierenden Proteste werden in Dänemark die Aufenthaltsgenehmigungen von Imamen (Geistlichen) der islamischen Gemeinden in Frage gestellt. Dies erklärten Sprecher der rechtsliberalen Partei von Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen Rasmussens, seines konservativen Koalitionspartners und der rechtspopulistischen DVP am Donnerstag übereinstimmend. Nach ihrer Meinung hätten die Imame durch die Organisierung von Protesten gegen die Karikaturen des Propheten Mohammed in arabischen Ländern den Interessen Dänemarks massiv geschadet. Deshalb müsse man jetzt oder nach Ende der derzeitigen Protestwelle die Grundlage für die jeweiligen Aufenthaltsgenehmigungen überprüfen.

Neben der seit vergangener Woche erfolgten Abberufung von Botschaftern aus Saudi-Arabien, Kuwait, Libyen und Syrien und den massiven Straßenprotesten ist Dänemark auch von einem umfassenden Käuferboykott in der arabischen Welt betroffen. Auslöser der Aufregung um die Darstellung des Propheten Mohammed sind zwölf Karikaturen, die die dänische Tageszeitung "Jyllands- Posten" Ende September veröffentlicht hatte. Der Chefredakteur von "Jyllands-Posten", Carsten Juste, hat sich inzwischen für die Karikaturen entschuldigt.

Botschaften geschlossen

In der Stadt Gaza drangen etwa 50 maskierte und mit Schnellfeuergewehren und Panzerfäusten bewaffnete Palästinenser in den Vorgarten des dortigen EU-Büros ein und feuerten Schüsse ab. Wie erst am Donnerstag bekannt wurde, hat die Europäische Union ihre Vertretung im Gazastreifen wegen des sich verschärfenden Streits um die zuerst in Dänemark "Jyllands-Posten" veröffentlichten Karikaturen aber bereits geschlossen. Das Büro war deshalb nicht besetzt.

Norwegen schloss aus Sorge vor gewalttätigen Aktionen seine Vertretung in den Palästinensergebieten vorläufig für den Publikumsverkehr. Frankreich warnte vor Reisen in die Palästinensergebiete.

Deutscher kurzzeitig verschleppt

Im Konflikt um die Veröffentlichung der Karikaturen suchten die Al-Aksa-Brigaden in Nablus im Westjordanland gezielt nach Ausländern. Männer aus den Reihen der bewaffneten Gruppe fragten in Hotels der Stadt nach, ob sich dort Bürger aus Dänemark, Norwegen oder Frankreich aufhielten, sagte der palästinensische Hotelbesitzer Awad Hamdan. Die Al-Aksa-Brigaden im Gazastreifen haben bereits mehrfach Ausländer verschleppt. Ein kurzzeitig entführter Deutscher kam wieder frei.

Zu Protesten mehrerer hundert muslimischer Demonstranten kam es auch in den pakistanischen Städten Multan und Lahore. In Multan steckten sie dänische und französische Flaggen in Brand. Weitere landesweite Proteste sind dort für heute geplant. In Syrien protestierten 300 Menschen vor der dänischen Botschaft. Der ägyptische Präsident Husni Mubarak erklärte, Pressefreiheit dürfe nicht als Entschuldigung für die Beleidigung der Religion dienen. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte die Karikaturen als "Angriff auf unsere geistig- moralischen Werte". Die Pressefreiheit müsse Grenzen haben, sagte Erdogan im Gespräch mit dem französischen Außenminister Philippe Douste-Blazy in Ankara, wie die Nachrichtenagentur Anadolu meldete.

Politiker sehen Pressefreiheit in Gefahr

In Deutschland warnten Politiker und Journalistenverbände angesichts militanter muslimischer Proteste gegen die Karikaturen vor einer Einschränkung der Medienfreiheit. Nach der "Welt" veröffentlichte in Deutschland auch die Wochenzeitung "Die Zeit" am Donnerstag eine der Karikaturen. Auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und die "tageszeitung" bekannten sich zu einem Abdruck.

Wegen des Nachdrucks von drei der umstrittenen Mohammed-Karikaturen wurde am Donnerstag in Jordanien der Herausgeber der Wochenzeitung "Shihan" entlassen. Wie der Besitzer der Zeitung, die Arab Printers Company, in Amman mitteilte, werde die neue Ausgabe des Blattes vom Markt genommen. Alle Verantwortlichen für diese "unverantwortliche und schockierend Aktion" würden bestraft werden.

Kaum 24 Stunden nach der Entlassung des Direktors von "France Soir" wegen des Nachdrucks der Karikaturen legte dessen Interimsnachfolger das Amt nieder. Der gleichzeitig als Generaldirektor der Verlagsgruppe Presse Alliance ausscheidende Eric Fauveau war von dem ägyptischen Besitzer des Pariser Boulevardblattes, Raymond Lakah, übergangsweise für den entlassenen Jacques Lefranc eingesetzt worden. Die Entlassung sei "unpassend zu einem Zeitpunkt, an dem das Blatt (wegen finanzieller Probleme) im Rampenlicht steht", begründete Fauveau seinen Schritt am Donnerstag.

AP/Reuters/DPA AP DPA Reuters

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