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Mord-Ermittlungen Putin-Freund soll Nemzows Mörder finden


Igor Krasnow heißt der Ermittler, der den Mord am russischen Oppositionellen Boris Nemzow aufklären soll. Doch laut einem CDU-Abgeordneten ist Krasnow ein sehr alter Freund des russischen Präsidenten.

Die Ermittlungen nach dem Mord am russischen Oppositionellen Boris Nemzow drohen, zur Farce zu werden. Der leitende Ermittlungsbeamte ist nach Angaben von Elmar Brok (CDU), Chef des Auswärtigen Ausschusses im EU-Parlament, ein Studienfreund Putins. "Das dürfte für eine echte Aufklärung sicherlich nicht förderlich sein", sagte Brok der "Welt". Weiter sagte Brok der Zeitung: "Die Aufklärung von Morden an Oppositionellen ist in Russland regelmäßig eine Farce, die Ermittlungen und Verdächtigungen sind an Abstrusität nicht zu überbieten und ich bin ziemlich sicher, dass auch der Mord an Nemzow niemals vollständig aufgeklärt werden kann."

Die russischen Behörden setzten Berichten zufolge den erfahrenen Ermittler Igor Krasnow auf den Mordfall an. Er soll eine zwölfköpfige Sonderkommission leiten. Krasnow hatte sich zuvor in Fällen mit nationalistischem Hintergrund profiliert. Beobachter gehen davon aus, dass die Behörden den Mord als Angriff des ultranationalistischen Milieus auf die prowestliche Opposition sehen. Oppositionelle vermuten die Schuldigen aber eher im Kreml.

Eiskalte Profis, vermutlich von Geheimdiensten geführt, hätten die vier tödlichen Schüsse in der Nacht zum Samstag abgefeuert, sagt Nemzows Weggefährte Ilja Jaschin. Er vermutet, der Machtapparat habe verhindern wollen, dass Nemzows Recherchen zum Krieg in der Ostukraine - und dem Einsatz russischer Soldaten dort - öffentlich werden. Dass unmittelbar nach dem Mord Nemzows Wohnung und das Abgeordnetenbüro in Jaroslawl durchsucht worden seien, sieht Jaschin als Beleg für seine These.

Ultranationalisten verdächtigen den Westen

Doch über ein mögliches Tatmotiv kursieren auch in den Kreisen der zersplitterten Opposition unterschiedliche Versionen. Der Politiker Wladimir Milow vermutet, dass die Geheimdienste den Ukraine-Freund Nemzow aus dem Weg räumten, weil er im Westen als einflussreicher Lobbyist für Sanktionen gegen Russland auftrat.

In den Medien hetzen Ultranationalisten: Der Westen stecke wohl hinter Nemzows Mord, weil ihm ein "toter Revolutionär" in der aufgeheizten Lage nützlicher sei als ein lebender. Die Fotos mit der Leiche und der Kremlkulisse, ätzt etwa Nikolai Starikow von der Partei Großes Vaterland, seien doch für die Medien im Westen die beste Inszenierung gewesen.

Zu welchem Ergebnis auch immer Krasnow kommen wird: Er wird die Zweifel an den Ermittlungsergebnissen nie ganz ausräumen können.

tkr mit DPA

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