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Ermordeter Putin-Gegner Nemzow-Tochter zieht nach Morddrohungen nach Deutschland

Schanna Nemzowa ist die Tochter des erschossenen Oppositionellen Boris Nemzow
Die 31-jährige Journalistin und Tochter des toten Oppositionellen Nemzow versucht die Ideale ihres Vaters in Russland Realität werden zu lassen und bekommt dafür Todesdrohungen. 
© Paul Zinken/DPA
Seit dem mysteriösen Tod von Boris Nemzow fühlt sich seine Tochter in Russland nicht mehr sicher. In letzter Zeit erhielt sie mehrfach Todesdrohungen. Jetzt flieht die Journalistin nach Deutschland. 

Die neue Heimat von Schanna Nemzowa, wird zukünftig Deutschland sein. Die Tochter des ermordeten Kreml-Kritikers Boris Nemzow soll ab August eine eigene Sendung beim russischen Dienst der Deutschen Welle in Bonn bekommen, teilte der Sender am Freitag mit. "Sie wird mit ihrer klaren Haltung und ihrer Bekanntheit unser erfolgreiches russisches Angebot weiter verstärken", erklärte Intendant Peter Limbourg.

Der 55-jährige Nemzow war im Februar auf einer Brücke im Zentrum der russischen Hauptstadt Moskau erschossen worden. Der ehemalige Vize-Ministerpräsident unter Präsident Boris Jelzin war einer der prominentesten Widersacher von Staatschef Wladimir Putin. Die Hintergründe des Falls sind bis heute unklar.

In Russland nicht mehr sicher

Seine Tochter wollte nach Angaben der Deutschen Welle zunächst in Russland bleiben, sah aber zuletzt ihre Sicherheit dort gefährdet. "Ich habe Drohungen erhalten. Ganz besonders wurde Druck auf mich ausgeübt, die Ermittlungen im Mordfall meines Vaters nicht weiter so intensiv zu betreiben", erklärte Nemzowa. Sie zeigte sich erfreut, dass sie bei der Deutschen Welle jetzt die Möglichkeit habe, ihre journalistische Erfahrung zu nutzen, "wie ich das in Russland nicht mehr gekonnt hätte." Die Deutsche Welle sei für viele Menschen in Russland eine "vertrauenswürdige Informationsquelle".

Die 31-Jährige arbeitete dem Sender zufolge nach einem Wirtschaftsstudium am Staatlichen Moskauer Institut für Internationale Beziehungen MGIMO beim russischen TV-Sender RBK, wo sie Sendungen moderierte und Vertreter aus Wirtschaft und Politik interviewte. 

Nemzowa erhält Lech-Walesa-Preis

Für ihren Einsatz und das fortführen ihres Erbes, bekommt die Journalistin den diesjährigen Lech-Walesa-Preis des polnischen Außenministeriums verliehen. Außenminister Grzegorz Schetyna kündigte am Freitag in Warschau an, der mit einer Million Zloty (rund 250 000 Euro) verbundene Preis werde am 4. August an die Tochter des ermordeten russischen Politikers Nemzow übergeben. Der Kampf ihres Vaters sei ein Symbol für "das Beste in der Geschichte Russlands der vergangenen Jahre", sagte Schetyna. Der polnische Chefdiplomat nannte den Tod Nemzows einen "Triumph des Bösen und großen Verlust für die freie Welt".

Die Auszeichnung wurde im vergangenen Jahr erstmals vom polnischen Außenministerium gemeinsam mit der Lech-Walesa-Stiftung vergeben und soll dem Einsatz für die Idee der Solidarität würdigen. Der Preis ist nach dem polnischen Arbeiterführer und Friedensnobelpreisträger Lech Walesa benannt. Mit der Entscheidung für Nemzowa wird in einer Zeit angespannter Beziehungen zwischen Warschau und Moskau erneut Kritik am Kreml gewürdigt: Im vergangenen Jahr hatte Mustafa Dschemilew, der Führer der Krimtataren, die Auszeichnung erhalten.

eol AFP DPA

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