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Mögliches Motiv für Mord an Putin-Kritiker Nemzow half Amerika bei Sanktionslisten


Doch kein islamistischer Hintergrund? Es mehren sich Hinweise auf ein ganz anderes Motiv für den Mord an Boris Nemzow: Er soll den USA Insiderwissen für ihre Sanktionslisten zugespielt haben.

Für die russischen Ermittler war die Sache klar: Ende Februar vermeldeten sie einen Ermittlungserfolg im Fall Boris Nemzow - nur wenige Tage nach dem tödlichen Attentat auf den russischen Oppositionellen in Moskau. Dabei wurden sechs Tschetschenen verhaftet, ein islamistischer Hintergrund wurde vermutet. Einer der mutmaßlichen Täter, Saur Dadajew, gestand die Tat sogar - wenn auch unter zweifelhaften Umständen: Er soll während des Verhörs gefoltert worden sein und die Tat nur gestanden haben, weil ihm die Freilassung eines inhaftierten Freundes in Aussicht gestellt wurde. Vor einigen Tagen verkündete Dadajews Anwalt, sein Mandant habe sogar ein Alibi für die Tatzeit.

Im Kreml herrschte Wut über die Sanktionen

Klar ist also nur, dass gar nichts klar ist im Fall Nemzow. Doch jetzt mehren sich die Anzeichen für ein neues mögliches Motiv: Wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtet, soll Boris Nemzow den USA geholfen haben, die Liste für Sanktionen zu verfassen - Sanktionen, die russische Politiker und Geschäftsmänner mit Einreiseverboten und Vermögenssperren belegen. Die Liste, auf der sich vor allem Freunde von Präsident Wladimir Putin finden, habe nicht ohne Insiderwissen zusammengestellt werden können. Zu den gelisteten Personen zählt auch der russische Parlamentsvorsitzende Sergej Naryschkin, der in geheimer Mission auf die Krim gereist sein soll, um dort den zukünftigen Gouverneur auszusuchen.

Im Kreml herrschte Wut über die Härte der Sanktionen. Dort machte man Nemzow persönlich dafür verantwortlich, wie der russische Oppositionspolitiker Wladimir Milow dem Radiosender Swoboda in einem Interview mitteilte. Nach dem Bericht der "FAS" soll Nemzow aber nicht nur an der Sanktionsliste der Krim-Annexion mitgewirkt haben, er war auch an der sogenannten Magnizkij-Liste 2012 beteiligt. Damals wurden Sanktionen wegen des Todes des Wirtschaftsprüfers Sergeij Magnizkij in einem Moskauer Gefängnis 2009 erlassen - angeblich war dem schwerkranken Häftling die medizinische Hilfe verweigert worden.

Finanzielle Unterstützung aus den USA

Nemzow, der vor seinem Tod von russischen Medien wiederholt als "Verräter" bezeichnet worden war, hatte von dem US-amerikanischen Investor George Soros finanzielle Unterstützung erhalten. Außerdem hatte er sich im vergangenen Jahr mit konservativen amerikanischen Senatoren getroffen, darunter Senator Ron Johnson und der Präsidentschaftskandidat von 2008, John McCain. Ihnen hatte Nemzow 13 weitere Namen für die Magnizkij-Liste übergeben, darunter auch Vertraute von Präsident Putin. McCain, Johnson und weitere Senatoren haben US-Präsident Obama aufgefordert, die Namen in die Liste aufzunehmen. Die Regierung wird darüber aber erst Ende des Jahres entscheiden - abhängig vom weiteren Verlauf der Ermittlungen im Mordfall Boris Nemzow.

tim

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