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Menschenrechtler sind alarmiert: Hauptverdächtiger im Fall Nemzow offenbar gefoltert

Ist der Hauptverdächtige im Mordfall Boris Nemzow gefoltert worden, um so sein Geständnis zu erzwingen? Verletzungen an seinem Körper deuten darauf hin, so die Menschenrechtskommission beim Kreml.

Saur Dadajew, Verdächtiger im Mordfall Nemzow: Geständnis unter Folter?

Saur Dadajew, Verdächtiger im Mordfall Nemzow: Geständnis unter Folter?

Der Hauptverdächtige im Fall des ermordeten Kreml-Kritikers Boris Nemzow ist bei seinen Vernehmungen nach Angaben russischer Menschenrechtler möglicherweise gefoltert worden. "Es gibt Grund zu der Annahme, dass Saur Dadajew unter Folter gestanden hat", sagte Andrej Babuschkin, Mitglied der Menschenrechtskommission beim Kreml, am Mittwoch. Der Tschetschene weise "zahlreiche Verletzungen" am Körper auf, sagte Babuschkin, der den Hauptverdächtigen am Dienstag in seiner Gefängniszelle besucht hatte.

Diverse russische Medien berichten über den Verdacht. Dadajew selbst zeigte Journalisten der Zeitung "Moskowskij Komsomolets" während eines Interviews seine Verletzungen, die angeblich auf Ketten und Fußfesseln schließen lassen. Er habe zwei Tage lang mit einem Sack über dem Kopf zugebracht. Gestanden habe er letztlich, weil die Polizisten ihm versprochen hätten, einen Freund freizulassen, und er die Hoffnung gehabt habe, lebend nach Moskau zu kommen, wenn er eine Tatbeteiligung zugibt. Der Mitverdächtige Schagid Gubatschwew bestätigte die Angaben in einem weiteren Interview weitgehend. Auch er und sein Bruder hätten während des Transports Augenbinden und einen Sack über dem Kopf gehabt. Auch ihnen seien Versprechungen gemacht worden für den Fall, dass sie ein Geständnis ablegten. Seit der Ankunft in Moskau würden er und die Mitverdächtigen den Umständen entsprechend korrekt behandelt.

Alibi eines Verdächtigen bestätigt

Unterdessen hat sich das Alibi eines weiteren der fünf Verdächtigen bestätigt. Mehrere russische Medien berichten über Videoaufnahmen, die Tamerlan Eskerchanow in der Mordnacht in einem Club zeigen. Der 34-Jährige hatte von Anfang an gesagt, dass er zur Tatzeit in einem Club gewesen sei und zahlreiche Personen dies bestätigen könnten.

Der 55-jährige Nemzow war am 27. Februar auf einer Brücke vor den Mauern des Kreml im Zentrum Moskaus erschossen worden. Die Ermordung des Regierungsgegners löste in Russland und weltweit Bestürzung aus. Der frühere Vize-Ministerpräsident war einer der prominentesten Widersacher von Staatschef Wladimir Putin und ein entschiedener Kritiker der russischen Ukraine-Politik.

Fünf Verdächtige in Haft

Die russischen Behörden hatten am Wochenende fünf Verdächtige festgenommen. Der Tschetschene Dadajew gestand nach Justizangaben eine Beteiligung an der Tat. Er und ein weiterer Tschetschene wurden wegen Mordes angeklagt und ebenso wie die drei weiteren Verdächtigen in Untersuchungshaft genommen.

dho/ivi/AFP / AFP
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