MOSKAU HEUTE Zehn Jahre August-Putsch - und keiner geht hin


Zehn Jahre nach dem Putsch kommunistischer Hardliner hat der letzte sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow die »riesige historische« Rolle seines späteren Nachfolgers Boris Jelzin gewürdigt. Jelzin hatte sich den Putschisten damals entgegengestellt und den Widerstand gegen den Staatsstreich der Hardliner angeführt. »Ich denke, hier muss man ihm Respekt zollen. Er hat eine riesige historische Rolle gespielt«, sagte Gorbatschow über seinen langjährigen Widersacher. Vergangene Woche hatte Gorbatschow noch gesagt, er hätte »Jelzin in eine Bananenrepublik schicken sollen« (lesen Sie dazu mehr).

Kein Wunder, dass sich niemand blicken lässt

In Moskau versammelten sich am Sonntag nur etwa 100 Demonstranten, um an die Ereignisse vor zehn Jahren zu erinnern. Vor dem russischen Parlamentsgebäude, vor dem damals die Panzer auffuhren, verteilten sie Flugblätter. Die Menge wurde zahlenmäßig jedoch deutlich von Polizisten und Journalisten übertroffen. Der russische Präsident Wladimir Putin ließ sich nicht sehen, er fuhr in den Urlaub. »Es ist kein Wunder, dass sich hier niemand aus dem Kreml blicken lässt. Das Regime, was wir jetzt haben, ist die Wiederherstellung des Putsches«, sagte der liberale Abgeordnete Sergej Juschenkow.


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