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Nach Anschlag in Bulgarien Israels Terrorvorwürfe stärken das eigene Feindbild im Iran


Israel und der Iran liegen wieder im Clinch. Die Führung in Teheran bestreitet, dass sie den Anschlag auf Israelis in Auftrag gegeben hat. Sie pflegt das "Feindbild Israel" seit über drei Jahrzehnten.

Mit dem Anschlag auf israelische Touristen in Bulgarien will der Iran nichts zu tun haben. Der Iran verurteile alle Anschläge auf unschuldige Zivilisten als unmenschlich, sagt der Sprecher des Außenministeriums, Ramin Mehmanparast.

Knapp einen Tag hatte sich die Führung in Teheran mit einer offiziellen Erklärung Zeit gelassen. Wann immer es um Israel geht, gelten in Teheran andere Gesetze in der Informationspolitik. Die Logik hinter dem langen Schweigen: Wenn man sich gleich äußern würde, mache man sich nur verdächtig.

Wie bei anderer Gelegenheit schickte die Führung zuerst das Staatsfernsehen vor. In einem Kommentar hieß es, die Vorwürfe Israels seien lächerlich und nur darauf bedacht, dem Ansehen des Irans zu schaden. Da hatte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Führung in Teheran schon lange als Drahtzieher des Anschlages auf israelische Touristen in Burgas ausgemacht. Ein Selbstmordattentäter hatte fünf Israelis und den Busfahrer mit in den Tod gerissen.

Für den Iran sind Zionisten die Wurzel allen Übels

Typisch iranisch ist auch, dass Vorwürfe gleich mit einem Gegenvorwurf beantwortet werden. Aus Sicht von Außenamtssprecher Mehmanparast will Israel nur von eigenen terroristischen Aktivitäten ablenken.

Der Iran kreidet seit langer Zeit den Israelis Sabotageakte an. Vom Cyberkrieg mit den Viren Stuxnet und Flame, die das iranische Atomprogramm zurückgeworfen hatten, bis zur Ermordung von iranischen Atomwissenschaftlern, dahinter stecken immer "zionistische Hände" und ihre Agenten im Iran, so die iranische Führung.

Für den Iran gibt es nur ein Übel auf der Welt: die "Zionisten", wie Israelis genannt werden. Seit drei Jahrzehnten ist für den Gottesstaat Israel die Wurzel aller globalen Spannungen. Und Israel steckt hinter allem, was im Iran passiert. Erst danach kommen der Erzfeind USA und dessen westliche Verbündete, aber die auch nur, weil sie die "Zionisten" unterstützen. Über diese ewige "zionistische Verschwörung" amüsiert sich inzwischen sogar die iranische Bevölkerung. Auch bei schlechtem Wetter oder einem Stromausfall stecken immer die "bösen Zionisten" dahinter, witzeln Iraner.

Teheran will neue islamische Ordnung im Nahen Osten

"Die Zionisten-Paranoia im Iran ist zwar übertrieben, aber Fakt ist auch, dass die anti-israelische Haltung Irans in den letzten 33 Jahren die gesamte Außenpolitik des Landes beeinflusst hat," sagt ein Politologe in Teheran. Beobachter glauben, dass der Iran auch im Streit um sein Atomprogramm die derzeitigen Probleme wie internationale Isolierung und schmerzhafte Sanktionen nicht hätte, wenn Präsident Mahmud Ahmadinedschad sich nicht für eine "Ausradierung" des Judenstaates aus dem Nahen Osten ausgesprochen und das Ausmaß des Holocausts nicht infrage gestellt hätte.

Teheran beharrt darauf, eine neue islamische Ordnung im Nahen Osten zu schaffen - unter Führung des Irans. In dieser Ordnung hat ein Judenstaat mit einem Atomwaffenarsenal und westlicher Unterstützung nichts zu suchen, so Teheran.

Von diesem Ziel ist der Iran jedoch weit entfernt. Der einzige Verbündete in der Region ist und bleibt Syrien, aber auch dort droht bald ein politischer Wandel. "In Syrien scheint der Iran aufs falsche Pferd gesetzt zu haben, aber ohne das jetzige Regime in Damaskus steht Teheran mit seiner Israel-Politik alleine auf weiter Flur," sagte ein ausländischer Diplomat.

Farshid Motahari, DPA DPA

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