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Nadschaf: Vermittlungsversuch zum Zweiten

Die irakische Nationalversammlung versucht weiter, den radikalen Schiitenprediger al Sadr zum Verlassen Imam-Ali-Moschee zu überreden - und deren Angebote scheinen den Geistlichen zu interessieren.

Delegierte der irakischen Nationalkonferenz, die am Montag fortgesetzt wird, haben im Konflikt zwischen US-Truppen und dem radikalen Schiitenprediger Muktada al Sadr in Nadschaf einen Vermittlungsvorschlag vorgelegt. Der gemäßigte Bagdader Schiitenführer Hussein al Sadr hat am zweiten Tag der Konferenz vorgeschlagen, 100 Delegierte der Konferenz sollten nach Nadschaf reisen und den radikalen Prediger überreden, mit seinen Milizen die Imam-Ali-Moschee zu verlassen, in der er sich seit Tagen verschanzt hat.

Dafür wollten sie ihm freies Geleit garantieren. Al Sadr dürfe in Nadschaf bleiben, aber nicht in der Moschee, da diese nicht das Eigentum eines Einzelnen sei. Die heiligen Stätte müssten unter der Kontrolle der Regierung stehen. Zugleich schlug der gemäßigte Schiitenführer vor, dass al Sadr seine Milizen in eine politische Partei umwandeln solle. Bewaffnete Milizen dürften nicht innerhalb eines Staates operieren. Der Vorschlag wurde auf der Konferenz mit lautem Applaus begrüßt.

Al Sadrs Sprecher begrüßt Vermittlungsvorschlag

Ein Sprecher des radikalen Predigers begrüßte in Nadschaf den Vermittlungsvorschlag. Al Sadr sei zu Verhandlungen bereit. Der Schiitenprediger hatte in der Vergangenheit mehrfach erklärt, dass er sich mit seinen Milizen aus der Moschee zurückziehen werde, wenn schiitische Kräfte die heilige Stätte kontrollierten.

Unterdessen warfen US-Hubschrauber über Nadschaf Flugblätter ab, auf denen die Anhänger al Sadrs zum Verlassen der Stadt aufgefordert wurden. Augenzeugen berichteten, dass das US-Militär zugleich die Stadt stärker abgeriegelt habe und weitere Soldaten als Verstärkung nach Nadschaf entsandt worden seien.

In der südirakischen Stadt Nassirija soll nach einem Bericht des arabischen Fernsehsenders al Dschasira ein französisch-amerikanischer Journalist entführt worden sein. Die französische Botschaft war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Ein Mitarbeiter der US-Botschaft sagte, ihm sei der Fall nicht bekannt.

Al Dschasira berichtete, der Entführte sei auf archäologische Berichte spezialisiert gewesen. Er sei Franzose, besitze aber einen US-Pass. Der Sender nannte keine weiteren Einzelheiten.

DPA