HOME

Nadschaf: "Letzter Aufruf" an al Sadr

Am Nachmittag hat die irakische Regierung den Schiitenprediger al Sadr zum letzten Mal aufgefordert, die Waffen niederzulegen und den Aufstand zu beenden. Die Kämpfe in Nadschaf aber halten an.

Der irakische Ministerpräsident Ijad Allaui hat den radikalen Schiiten-Prediger Moktada al Sadr am Donnerstag erneut aufgefordert, seine Milizen sofort zu entwaffnen und den Aufstand in der Stadt Nadschaf zu beenden. "Dies ist der letzte Aufruf an sie, die Waffen niederzulegen, den heiligen Schrein zu räumen, sich auf politische Gespräche einzulassen und die Interessen der Heimat zu berücksichtigen", sagte Allaui bei einer Pressekonferenz in Bagdad.

Die Übergangsregierung in Bagdad hatte die sofortige Einstellung der Kämpfe in der Rebellen-Hochburg gefordert, ohne auf al Sadrs Forderung einer vorherigen Waffenruhe einzugehen. Dabei sind bei einem Granatenangriff auf eine Polizeiwache in der umkämpften Rebellen-Hochburg Nadschaf sind mindestens fünf Menschen getötet und 21 weitere verletzt worden. In kurzer Folge seien drei Granaten auf das Gelände der Polizeistation eingeschlagen, teilten Polizisten mit.

Ultimatum an al Sadr und seine Milizen gestellt

Die angegriffene Wache liegt nicht in der Nähe der heiligen Stätten Nadschafs, wo sich Milizen des radikalen Schiiten-Predigers Moktada al Sadr seit rund zwei Wochen heftige Gefechte mit US-geführten Truppen liefern. In dem Ultimatum, dass die irakische Regierung den Rebellen am Donnerstagvormittag gestellt hatte, wird al Sadr aufgefordert, seine Milizen umgehend aufzulösen. Andernfalls, so die Drohung, werde die Armee die Moschee stürmen, in der sich der Geistliche mit seinen Getreuen verschanzt.

Ám Nachmittag sind auch in der unmmittelbaren Umgebung der Moschee heftige Kämpfe ausgebrochen. Eine Mitarbeiterin des US-Nachrichtensenders CNN, der es gelungene war, in die Moschee zu kommen, berichtete, es seien laute Explosionen und ständiges Gewehrfeuer zu hören. Die Straßen und Häuser nahe der Moschee seien stark beschädigt. In der Moschee, die den Schiiten heilig ist, seien viele Kämpfer des radikalen Predigers Muktada al Sadr aber auch Frauen und Kinder.

Irakische Armee innerhalb von Stunden bereit anzugreifen

Die irakische Armee sagte, dass sie zu einem Angriff bereit ist und Sicherheitskräfte innerhalb weniger Stunden eine Offensive gegen al Sadr starten könnten, wie Kabinettsminister Kassim Dawud bekannt gegeben hat. Die seit zwei Wochen anhaltenden Gefechte kosteten nach US-Angaben bereits hunderte Aufständische, mindestens 40 irakische Polizisten und acht Soldaten das Leben.

Al Sadr müsse seine Mahdi-Miliz sofort entwaffnen und öffentlich ihre Auflösung bekannt geben, forderte Dawud. Zudem solle er zusichern, alle entführten Sicherheitskräfte und Zivilisten freizulassen. Sollte al Sadr dem nicht nachkommen, werde es eine "militärische Lösung" geben, so Dawud.

Al Sadr ist angeblich bereit die Kämpfe zu beenden

Der Geistliche stimmte nach Angaben eines Sprechers einem Plan zur Beendigung der Kämpfe zu, der von der irakischen Nationalkonferenz entworfen wurde. Das Abkommen sieht vor, dass al Sadrs Miliz die Waffen niederlegt und sich aus der Imam-Ali-Moschee zurückzieht. Der Plan könne aber erst umgesetzt werden, wenn die US-Truppen in Nadschaf ihre Angriffe einstellten, sagte al Sadrs Berater Ahmed al Schaibani.

Die US-Regierung reagierte zurückhaltend auf den Friedensplan. "Ich denke nicht, dass wir al Sadr trauen können", sagte Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice dem Fernsehsender Fox. Die irakische Regierung, die nun für das Land verantwortlich sei, habe aber die Bedrohung durch al Sadr erkannt.

Eine Gruppe irakischer Extremisten verlangte unterdessen ultimativ den Abzug der US-Truppen aus Bagdad binnen 48 Stunden und drohte mit der Ermordung eines ausländischen Journalisten. Beim arabischen Fernsehsender al Dschasira ging in der Nacht zum Donnerstag ein Videofilm ein, in dem eine Gruppe mit der Bezeichnung Märtyrerbrigade den Reporter Micah Garen zeigt. Garen wurde zusammen mit seinem irakischen Dolmetscher Amir Duschi in Nassirija überfallen. Der 36-Jährige besitzt nach Angaben der irakischen Behörden die Staatsbürgerschaft der USA und Frankreichs. Zum Zeitpunkt seiner Geiselnahme recherchierte er nach Angaben seiner Verlobten Marie-Helene Carleton für einen Bericht über die Plünderung archäologischer Stätten im Irak.

Aufständische drohten außerdem mit dem Tod einer türkischen Geisel, sollte deren Arbeitgeber seine Tätigkeit im Irak nicht innerhalb von drei Tagen einstellen. Der türkische Fernsehsender NTV zeigte ein Video, auf dem der seit mehreren Wochen vermisste Aytullah Gezmen zu sehen ist. Während der Niederschlagung eines Aufstands im Gefängnis Abu Ghraib westlich von Bagdad wurden am Mittwoch zwei Häftlinge von US-Soldaten erschossen und fünf verletzt. Abu Ghraib stand im Zentrum des Folterskandals um die Misshandlung von Häftlingen durch US-Soldaten.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters