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US-Offensive: Schiitenführer Al Sadr verwundet

Bei Kämpfen mit US-Truppen in der irakischen Pilgerstadt Nadschaf wurde der radikale Schiitenführer Muktada Al Sadr verletzt - wie ernst, ist unklar. Offenbar versteckt er sich in der Imam-Ali-Moschee - dem einzigen Ort, wo die US-Truppen nicht hinein dürfen.

Wieder einmal bleiben die US-Truppen bei dem Versuch, im Irak mit Gewalt für Ruhe zu sorgen, erfolglos. Bei den anhaltenden Gefechten im Rahmen ihrer neuesten Militär-Offensive in der irakischen Pilgerstadt Nadschaf ist der radikale Schiitenführer Muktada Al Sadr verwundet worden, wie sein Sprecher am Freitag mitteilte. Al Sadr habe drei Verletzungen davongetragen, sagte Ahmed Al Schaibani. Wie ernst sein Zustand war, war zunächst unklar. Ein Sprecher des irakischen Innenministeriums erklärte, Berichten zufolge sei Al Sadr im Brustbereich und am Bein verwundet worden. Der Prediger soll sich mit mehreren Anhängern im Ali-Imam-Schrein aufhalten.

Kämpfen "bis zum letzten Blutstropfen"

Der Geistliche hat angekündigt, "bis zum letzten Blutstropfen" zu kämpfen. Seine Gefolgsleute rief er auf, am Widerstand gegen die Koalitionsstreitkräfte festzuhalten, auch wenn er getötet oder festgenommen werden sollte. Ein weiterer Vertrauter des Geistlichen rief die Iraker am Freitag auf, nahe der Grünen Zone und vor den amerikanischen und britischen Botschaften in Bagdad gegen die Gefechte in Nadschaf zu demonstrieren.

US-Soldaten hatten am Donnerstag das Wohnhaus Al Sadrs gestürmt, der das Gebäude aber zuvor verlassen hatte. Der Prediger führt seit vier Monaten den blutigen Aufstand gegen die Koalitionstruppen im Irak an. Der Sturm auf sein Haus war Teil eines Großangriffes in Nadschaf, an dem tausende US-Soldaten und irakische Sicherheitskräfte beteiligt waren.

US-Truppen werden die Moschee nicht betreten

Die US-Truppen im Irak wollen sich nicht an Angriffen auf heilige Stätten der Muslime in der umkämpften Pilgerstadt Nadschaf beteiligen. Das hat der stellvertretende Außenamtssprecher Adam Ereli am Donnerstag in Washington klargestellt. In Bagdad schloss auch der irakische Innenminister Falah el Nakib aus, dass US-Truppen die heiligen Stätten erobern würden. Dies sei die Aufgabe von Irakern.

US-Truppen und irakische Einheiten kreisten am Donnerstag den radikalen Schiiten-Prediger Muktada el Sadr und Hunderte seiner Kämpfer in der Imam-Ali-Moschee von Nadschaf ein. Nach den Worten von Ereli haben die US-Truppen auch keine Absicht, den radikalen Prediger aus seinem Versteck herauszuholen. Im Abstand von 200 Metern rund um die Moschee errichteten sie einen Belagerungsring aus hohen Betonmauern und Stacheldraht, wie Reporter aus dem Inneren des Ringes berichtete. US-Verbände nähmen dahinter die vorderste Linie ein, irakische Sicherheitskräfte folgten in der zweiten Reihe.

Tausende protestieren gegen die US-Truppen

Das US-Militär hatte die Offensive am Morgen eingeleitet. Dabei wurden auch vermutete Rebellenstellungen auf dem großen Pilgerfriedhof bombardiert. Das Vorrücken auf die Moschee war von den heftigsten Gefechten seit Beginn der neuen Kämpfe vor einer Woche begleitet. Etwa 80 Prozent der Bevölkerung des heiligen Bezirks um den Imam-Ali-Schrein und den Friedhof "Tal des Friedens" hatten zuvor ihre Wohnungen verlassen.

In Bagdad und Kerbela protestierten mehrere tausend Schiiten gegen die US-Offensive. Rund 2.000 Kundgebungsteilnehmer forderten im schiitischen Bagdader Stadtbezirk Kadhimija den Rücktritt des irakischen Innenministers und des Gouverneurs von Nadschaf. In Kerbela gingen etwa 1.200 Menschen auf die Straße. Das iranische Außenministerium kritisierte die Offensive.

UNO will Irak weiter unterstützen

Ungeachtet der Lage im Irak beschloss der Weltsicherheitsrat am Donnerstag die Verlängerung des Mandats der UN-Unterstützungsmission für das Land (UNAMI) um ein Jahr. Das Gremium folgte einem Antrag der USA und Großbritanniens. Die Mission soll dem Irak umfangreiche politische Unterstützung beim Aufbau einer demokratischen Gesellschaft leisten und vordringlich bei der Organisierung von Wahlen helfen.

AP, DPA, Reuters / AP / DPA / Reuters