Irak Bombe tötet Schiiten-Führer in Nadschaf


Bei der Explosion einer Autobombe in der zentralirakischen Stadt Nadschaf sind mindestens 75 Menschen getötet und weitere 140 verletzt worden. Unter den Toten ist auch der Schiitenführer Mohammed Bakr el Hakim.

Bei einem verheerenden Autobombenanschlag in der irakischen Pilgerstadt Nadschaf sind am Freitag mindestens 75 Menschen ums Leben gekommen, darunter der einflussreiche irakische Schiitenführer Ajatollah Mohammed Bakr el Hakim. Der US-Fernsehsender CNN berichtete unter Berufung auf Krankenhauskreise von mindestens 75 Todesopfern bei dem Attentat nahe der Imam-Ali-Moschee. Außerdem sollen weit über 100 Menschen verletzt worden sein. Die Moschee in Nadschaf, rund 150 Kilometer südlich von Bagdad, ist eine der heiligsten Stätten der Schiiten. Die arabische Fernsehstation El Dschasira meldete, dass der Eingang der Moschee sowie ein gegenüberliegendes Restaurant eingestürzt seien und noch zahlreiche Menschen unter den Trümmern vermutet würden.

Dritte Autobombe in diesem Monat

Es ist bereits der dritte schwere Autobombenanschlag im Irak in diesem Monat. Am 19. August starben bei einem Anschlag auf das Hauptquartier der Vereinten Nationen in Bagdad 23 Menschen, darunter der UN-Menschenrechtskommissar und Sonderbeauftragte für den Irak, Sergio Vieira de Mello. Am 7. August wurden vor der jordanischen Botschaft in Bagdad elf Menschen durch eine Autobombe getötet.

Zwei Autos explodiert

Als Bakr el Hakim in Begleitung seiner Leibwächter nach dem Freitagsgebet die Moschee in Nadschaf verlassen habe, seien zwei Autos in die Luft geflogen, sagte sein Neffe Mohsen Hakim. Bakr el Hakim war der Vorsitzende des Obersten Rates für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI). SCIRI ist eine der wichtigsten und einflussreichsten Schiitenorganisationen des Landes. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Erst vor knapp einer Woche war ein Onkel des Geistlichen bei einem Attentat in Nadschaf verletzt worden. Nach Ansicht von SCIRI ist das Attentat das Werk von Anhängern des gestürzten irakischen Machthabers Saddam Hussein. Das erklärte Dhia Aidabass, offizieller SCIRI-Vertreter in Deutschland, im Gespräch mit der "Rhein Zeitung" (Koblenz).

US versprechen Hilfe "bei Aufklärung des Verbrechens"

Der US-Zivilverwalter im Irak, Paul Bremer, verurteilte das Attentat auf Bakr el Hakim scharf und versprach die Hilfe der alliierten Truppen bei der Aufklärung des Verbrechens. Die Feinde eines neuen Iraks schreckten vor nichts mehr zurück, heißt es in einer in Bagdad verbreiteten Erklärung Bremers. Erneut seien unschuldige Iraker getötet und einer der heiligsten Plätze im Islam geschändet worden. Die alliierten Truppen würden der irakischen Polizei alle Unterstützung bei der Aufklärung des Verbrechens geben, damit die Täter ihre gerechte Strafe bekämen.

Streit innerhalb der schiitischen Religionsgemeinschaft

In Nadschaf hat es seit dem Sturz von Ex-Präsident Saddam Hussein immer wieder Spannungen und Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der wichtigsten schiitischen Führer gegeben. Der Oberste Rat hat mit Abdelasis el Hakim einen Bruder des SCIRI-Chefs als Vertreter in den 25 Mitglieder umfassenden Provisorischen Regierungsrat im Irak entsandt. Er wird voraussichtlich den getöteten Schiitenführer ersetzen. Für die Zusammenarbeit mit der amerikanischen Besatzungsmacht ist SCIRI von anderen schiitischen Gruppen wiederholt kritisiert worden.

Während der Herrschaft von Saddam Hussein hatte SCIRI sein Hauptquartier Jahrzehnte lang in Teheran. Bakr el Hakim war nach dem Sturz des Saddam-Regimes im Mai nach 23 Jahren aus dem iranischen Exil in seine Heimat zurückgekehrt.

Erst am vergangenen Sonntag war Saijid Mohammed Said Hakim, ein Onkel des SCIRI-Vorsitzenden, bei einem Bombenanschlag gegen die Schiitengruppe in Nadschaf leicht verletzt worden. Drei seiner Leibwächter waren dabei getötet worden. Auch dieser Anschlag hatte sich in der Nähe der Imam-Ali-Moschee ereignet.

Am 10. April war der moderate Schiitenführer Abdel Madschid el Choei nach Angaben seiner Anhänger in der Moschee ermordet worden. Ein Sprecher der in London ansässigen El-Choei-Stiftung hatte damals erklärt, der Geistliche sei von mehreren Männern mit Messern angegriffen und getötet worden. El Choei war erst zwei Wochen zuvor aus zwölfjährigem Londoner Exil in seine Heimat zurückgekehrt.

Rund zwei Drittel der Iraker sind Schiiten.


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