Trauermarsch Beisetzung von Schiitenführer el Hakim


Der irakische Schiitenführer Mohammed Bakr el Hakim wird heute in der heiligen Stadt Nadschaf beigesetzt.

Der irakische Schiitenführer Mohammed Bakr el Hakim wird heute in der heiligen Stadt Nadschaf beigesetzt. Bakr el Hakim war unter den Opfern des verheerenden Bombenanschlags auf eine Moschee von Nadschaf. Der Anschlag hatte am Freitag mehr als 80 Menschen das Leben gekostet. Zur Beisetzung des Schiitenführers werden Hunderttausende von Trauernden aus dem ganzen Land erwartet.

Trauer-Prozession

Bereits am Sonntag hatten Tausende Schiiten an Trauermärschen für Bakr el Hakim teilgenommen. An einer Moschee in Bagdad begann eine Prozession, die sich über die ebenfalls heilige Stadt Kerbela in das rund 150 Kilometer entfernte Nadschaf bewegte.

Hintergründe weiter unklar

Bakr el Hakim (64) war erst im Mai nach 23 Jahren aus dem iranischen Exil zurückgekehrt. Der Schiitenführer leitete den Obersten Rat für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI), der mit der US-Zivilverwaltung in Bagdad zusammenarbeitet und im Provisorischen Regierungsrat vertreten ist. Die Hintergründe des Anschlags sind noch unklar.

Angebliches Hussein-Tonband

Drei Tage nach dem verheerenden Anschlag meldete sich der gestürzte irakische Machthaber Saddam Hussein angeblich wieder zu Wort und bestritt jede Verstrickung in das Attentat. Auf dem Tonband, das der arabische Fernsehsender El Dschasira am Montag in Auszügen ausstrahlte, wirft die Saddam zugeschriebene Stimme "Erfüllungsgehilfen" der amerikanischen Besatzungsmacht vor, Anschuldigungen "ohne jeglichen Beweis" in die Welt zu setzen.

19 Verdächtige

Mehrere Vertreter des Obersten Rates für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI), der Organisation, die Bakr el Hakim geführt hatte, sowie viele Iraker hatten Saddam und seine Anhänger für den Anschlag in der den Schiiten heiligen Stadt verantwortlich gemacht. Seit Freitag wurden bis zu 19 Verdächtige festgenommen. Die Opferzahlen gingen noch am Montag weit auseinander: Während der Gouverneur von Nadschaf von mehr als 80 Toten sprach, ging der SCIRI von 126 Toten aus.

Übergangsregierung ernannt

Der Provisorische Regierungsrat im Irak ernannte unterdessen in Bagdad eine Übergangsregierung und machte damit einen weiteren Schritt zur Selbstverwaltung des Landes unter amerikanischer Besatzung. Die Besetzung des 25-köpfigen Kabinetts entspreche der ethnischen und religiösen Vielfalt des Landes, hieß es nach Berichten arabischer Fernsehsender. Ein Ministerpräsident wurde bisher nicht ernannt. Der Kurde Hoshira Zibari wird Außenminister, der Sunnit Kamel Kilani Finanzminister. Einen Verteidigungs- sowie einen Informationsminister gibt es nicht: Beide Posten hatte US-Verwalter Paul Bremer gestrichen.

Als oberste Autorität im besetzten Irak behält Bremer ein Vetorecht bei Entscheidungen des Provisorischen Rats und der Übergangsregierung. Das Kabinett soll erst an diesem Dienstag nach der Beerdigung Hakims vereidigt werden. Die Sicherheitsvorkehrungen in Nadschaf wurden bereits am Montag verstärkt.


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