NAHOST Arafat bleibt in Ramallah


Palästinenserpräsident Arafat will eher zum Märtyrer für sein Volk werden, als Ramallah zu verlassen.

Der palästinensische Planungsminister Nabil Schaath wies den Vorstoß Scharons, Jassir Arafat ins Exil zu schicken, entschieden zurück. Scharon hatte zuvor verkündet, europäische Diplomaten dürften den in Ramallah eingeschlossenen Palästinenserpräsidenten besuchen und mitnehmen. Eine Rückkehr gäbe es dann allerdings nicht. »Arafat wird Palästina nicht verlassen«, sagte Schaath in Kairo. Eher werde der Präsident in Ramallah zum Märtyrer für sein Volk.

Bewegungsfreiheit eingeschränkt

Das israelische Kabinett beschloss in der vergangenen Woche, Arafats Bewegungsfreiheit auf wenige Räume in seinem Amtssitz in Ramallah einzuschränken. Bei den Beratungen im Kabinett drang Scharon dem Vernehmen nach auf eine Abschiebung Arafats, stieß aber auf Einwände seines Koalitionspartners, der Arbeiterpartei von Außenminister Schimon Peres.

20 Verletzte nach Angriff israelischer Truppen auf Beitunja

Israelische Truppen griffen am Dienstag die Zentrale der palästinensischen Sicherheitspolizei in Beitunja bei Ramallah an. Eine Panzereinheit und Kampfhubschrauber beschossen die Gebäude und setzten mehrere von ihnen in Brand. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben mindestens 20 Menschen verletzt. Der palästinensische Sicherheitschef Dschibril Radschub wies israelische Angaben zurück, wonach sich in der Polizeizentrale mehrere Verantwortliche für die jüngsten Selbstmordanschläge befunden haben sollen.

Die Hausdurchsuchungen in Ramallah dauerten weiter an. Nach Angaben der israelischen Armee wurden seit Freitag 700 Palästinenser festgenommen.

Christliche Kirchen fordern US-Präsidenten Bush zum Eingreifen auf

In Bethlehem kam es nach dem Vorstoß weiterer Truppen zu heftigen Schießereien. Dabei kam ein 65-jähriger italienischer Priester ums Leben, wie der katholische Nachrichtendienst Misna in Rom meldete. In der Umgebung des Konvents, wo sich auch 18 Nonnen des Salesianer-Ordens aufhielten, kam es ebenso zu Gefechten zwischen Soldaten und palästinensischen Kämpfern wie am Rand des Krippenplatzes. Dabei wurde auch ein 60-jähriger Palästinenser erschossen, der als Wachmann vor einem Unternehmen eingesetzt war. Die christlichen Kirchen im Heiligen Land forderten US-Präsident George W. Bush zum Eingreifen auf.

»Operation Schutzwall« soll vier Wochen dauern

Außenminister Peres nannte erstmals einen Zeitrahmen für die »Operation Schutzwall«. Der Militäreinsatz werde drei bis vier Wochen dauern, sagte Peres. Israel habe nicht vor, die palästinensischen Orte auf Dauer besetzt zu halten.


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