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NAHOST: Ende von Arafats Belagerung in Sicht

Palästinenservertreter haben offenbar zugestimmt, sechs von Israel gesuchte Männer an britische und US-Vertreter zu übergeben. Daraufhin könne die Belagerung beendet werden.

Ein Ende der Belagerung von Palästinenserpräsident Jassir Arafat in Ramallah ist in greifbare Nähe gerückt. Palästinensische Vertreter stimmten nach israelischen Medienberichten zu, alle sechs von Israel gesuchten Männer, die bei Arafat ausharren, an britische und amerikanische Beobachter zu überstellen. Eine Lösung wird für den späten Mittwochabend erwartet. Der israelische Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser forderte eine sofortige und bedingungslose Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen mit den Palästinensern. In Hebron beendeten israelische Truppen ihren Abzug.

Druck der USA

Eine Freilassung Arafats war bis zuletzt fraglich, da der Palästinenserführer nach israelischen Medienberichten zögerte, neben den vier verurteilten Mördern des israelischen Tourismusministers Rechawam Seewi auch seinen Finanzchef Fuad Schubaki und den Führer der radikalen Palästinensischen Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP), Ahmed Saadat, zu überstellen. Der Kompromiss wurde nach Angaben der israelischen Zeitung »Haaretz« auf Druck der USA durch den Sohn des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon, Omri Scharon, und den palästinensischen Sicherheitschef im Gaza-Streifen, Mohammed Dachlan, ausgehandelt.

Ben-Elieser fordert »sofortige Aufnahme neuer Verhandlungen«

Ben-Elieser warnte vor einer neuen Gewaltwelle angesichts des »abgrundtiefen Hasses« nach dem israelischen Einmarsch ins Westjordanland. »Die einzige Chance, den Konflikt (mit den Palästinensern) zu lösen, ist am Verhandlungstisch. Ich bin für eine sofortige Wiederaufnahme der Verhandlungen«, sagte er im israelischen Rundfunk. Scharon hatte bisher Verhandlungen abgelehnt und auf einer vorausgehenden Waffenruhe bestanden.

Im Streit um die UN-Untersuchungskommission zu Dschenin äußerten israelische Regierungsvertreter erneut ihre Sorge, der UN-Sicherheitsrat könnte drastischere Maßnahmen ergreifen, um die Vorgänge im Flüchtlingslager von Dschenin Anfang April aufzuklären. Palästinenser werfen den israelischen Soldaten ein Massaker vor, was Israel bestreitet.

Leichen aus Dschenin angeblich identifiziert

Der UN-Sicherheitsrat will am späten Mittwochabend in New York zusammenkommen. Israel hatte die Entsendung einer UN-Kommission zur Aufklärung der Ereignisse bisher abgelehnt. Die israelische Armee teilte mit, die in Dschenin geborgenen Leichen seien inzwischen identifiziert. Darunter seien 48 palästinensische Kämpfer, vier Frauen und drei Kinder.

Abzug aus Hebron abgeschlossen

Israelische Truppen schlossen ihren Abzug aus Hebron im südlichen Westjordanland unterdessen ab und beendeten die Belagerung eines Krankenhauses, in das sich palästinensische Kämpfer geflüchtet hatten. In einem Dorf südlich von Bethlehem wurde ein palästinensischer Junge bei einer Explosion getötet. Zwei weitere Kinder seien verletzt worden, berichteten palästinensische Ärzte in Beit Dschalla. Der Sprengstoff explodierte, als die drei Brüder im Alter zwischen elf und 14 Jahren eine zerstörte Polizeistation in dem Ort Artas betraten.

Bei Gefechten im Flüchtlingslager Rafah im südlichen Gaza-Streifen kamen in der Nacht zum Mittwoch nach israelischen Medienberichten drei Palästinenser ums Leben, darunter ein zweijähriges Kind.