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NAHOST: Israel setzt trotz Protesten Vorstöße fort

Während israelische Streitkräfte in drei Dörfer einrückten, sagte US-Außenminister Powell unter dem Eindruck des letzten Anschlags in Jerusalem das Treffen mit Arafat ab.

Israel hat am Samstag seine Vorstöße in den Palästinenser-Gebieten fortgesetzt und ist Augenzeugen zufolge in drei Gemeinden in der Umgebung von Dschenin eingedrungen. Nach dem Selbstmordanschlag in Jerusalem sagte US-Außenminister Colin Powell sein für Samstag geplantes Treffen mit Palästinenser-Präsident Jassir Arafat ab.

Absage wegen des Attentats

»In Anbetracht der heutigen Entwicklungen wird sich der Minister am Samstag nicht mit dem Vorsitzenden Arafat treffen«, teilte der Sprecher des US-Außenministeriums, Richard Boucher mit. Wenige Stunden zuvor hatte sich in Jerusalem eine palästinensische Selbmordattentäterin in die Luft gesprengt und sechs Israelis mit in den Tod gerissen. 89 Menschen wurden verletzt. Vor seiner Absage ließ sich Powell den Anschlagsort vor einem großen Markt mitten in der Stadt aus der Luft zeigen.

Palästinenser kritisierten Absage

Powell fordere, dass Arafat eine klare Haltung gegenüber der Gewalt einnehme, sagte Boucher. Er ließ offen, ob dies die Bedingung für ein späteres Treffen sei. Ein Mitarbeiter von Powells Ministerium sagte, möglicherweise werde es am Sonntag eine Begegnung geben. Vorbereitungen seien jedoch noch nicht getroffen worden. Ein Minister der Palästinenser-Regierung warf Powell vor, mit der Absage Israel mehr Zeit für ihre Vorstöße gegen die Palästinenser zu geben. »Es ist offensichtlich, dass die Amerikaner nur mit einem Auge sehen, nicht mit zweien«, sagte Assam el Ahmad.

Vorstoß um Dschenin geht weiter

Trotz der internationalen Forderungen nach einem Abzug aus den Palästinenser-Städten drang die israelische Armee Augenzeugen zufolge am Samstag zusätzlich in die Städte Arabe und Haschmija sowie das Dorf Birkin ein. Über alle drei Ortschaften sei eine Ausgangssperre verhängt worden.

Zentrum radikaler Gruppen

In Deschnin war es in der vergangenen Woche zu den heftigsten Kämpfen während der seit Karfreitag anhaltenden Offensive gekommen. Der Ort und das zugehörige Flüchtlingslager gelten als Zentrum radikaler Gruppen, die sich zu den Selbstmordattentaten bekannt haben. Israel begründet seine Offensive damit, gegen Attentäter und israel-feindliche Organisationen selbst vorgehen zu müssen, da Palästinenser-Präsident Jassir Arafat nicht genug gegen sie unternehme. Zu dem Anschlag am Freitag bekannte sich die Brigade der Märtyrer der El-Aksa-Moschee. Die Gruppe steht der Fatah nahe, der politischen Partei Arafats.

Powell will Mission fortführen

Powell bemüht sich um einen Waffenstillstand zwischen Palästinensern und Israelis, der den Weg zurück zu Verhandlungen über den endgültigen Status der besetzten Gebiete Westjordanland und Gaza-Streifen ebnen soll. Er wird darin von den Vereinten Nationen (UNO), der Europäischen Union (EU) und Russland unterstützt. Angaben seines Sprechers zufolge wollte Powell am Samstag mit Mitarbeitern des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes und des UNO-Flüchtlingshilfswerks für die Palästinenser zusammenkommen. Dabei werde es um humanitäre Probleme in den Palästinenser-Gebieten gehen, insbesondere im Flüchtlingslager Dschenin. Das israelische Militär teilte mit, die in Dschenin getöteten Palästinenser zunächst nicht zu bestatten, um palästinensische Vorwürfe, es habe ein Massaker an der Zivilbevölkerung angerichtet, widerlegen zu können. Nach Armeeangaben handelt es sich bei den Toten um gefallene palästinensische Kämpfer.

Demonstration gegen Israels in Frankfurt/Main

Mehrere tausend Menschen haben sich am Samstagvormittag in der Frankfurter Innenstadt zu einer Demonstration gegen die Militäroffensive Israels in den Palästinenser-Gebieten versammelt. Zu der Kundgebung haben islamische und arabische Gemeinden und Vereine aufgerufen. Die Demonstranten forderten »Stoppt den Völkermord in Palästina« und fragten: »Wo sind die Menschenrechte in Palästina?«