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US-Angriff in Syrien: Moskau reagiert mit Häme, Verschwörungstheorien und Hoffnung

Während die internationale Presse nach dem US-Luftschlag gegen das syrische Militär bereits vor einem dritten Weltkrieg warnt, gibt man sich in Moskau demonstrativ gelassen und nutzt die Gelegenheit zu Seitenhieben.

Trump lässt als Vergeltung für Giftgasangriff syrischen Stützpunkt bombardieren

Bei den US-Angriffen auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt haben nach Darstellung des russischen Verteidigungsministeriums nur 23 Marschflugkörper ihr Ziel erreicht

Der US-Luftschlag gegen eine syrische Militärbasis in der Nacht auf Freitag stößt in Russland erwartungsgemäß auf Unverständnis und scharfe Kritik. Wutentbrannte Tiraden blieben aber bislang aus. Stattdessen scheint Moskau sich zurückzulehnen und darauf zu hoffen, dass Amerika sich selbst in die Bredouille reitet. "Wir erinnern uns nur zu gut an Colin Powell, wie er im Februar 2003 vor den Vereinten Nationen stand und das berüchtigte Reagenzglas in den Händen hielt, das die Invasion im Irak auslöste", sagte etwa der Vorsitzender des Duma-Ausschusses für internationale Angelegenheiten Leonid Sluzki. "Aber offenbar haben die USA aus der Irak-Kampagne, wo letztendlich keine Massenvernichtungswaffen gefunden wurden, keine Lehren gezogen. Die amerikanische Polit-Elite bedient sich immer noch derselben Methoden, um unliebsame Regimes zu beseitigen", zitiert ihn die Nachrichtenagentur Tass. 

Den USA sei alles recht, um Assad zu stürzen. "Wie immer misst Amerika mit zweierlei Maß", so Sluzki. Gegen die syrische Regierung gehe man mit Gewalt vor, obwohl keine Beweise vorliegen würden. Wenn Rebellen chemische Waffen einsetzen würden, verschließe man hingegen die Augen.

Dabei traut er den Amerikanern sogar zu, den Gasangriff in Scheichun in der nordwestlichen Provinz Idlib selbst inszeniert zu haben. Es sei nicht auszuschließen, dass es eine Provokation war, um Trump und die USA wieder zurück auf den Anti-Assad-Kurs zu bringen, behauptete der Politiker. 

USA sollen dem IS in die Hände spielen

Doch der wesentliche Profiteur des US-Luftschlags gegen Assad sei der IS, so die vorherrschende Meinung in Moskau. "Ich fürchte die russisch-amerikanische Anti-Terror-Koalition ist somit gestorben, bevor sie geboren wurde", sagte Leiter des Ausschusses für internationale Angelegenheiten Konstantin Kosachev. 

Russischen Nachrichtenagenturen melden dazu passenderweise, dass die Terrormiliz nach dem US-Luftschlag zur einer Offensive übergegangen sei. Die Terroristen hätten mehrere Checkpoints der syrischen Regierung unweit des bombardierten Flughafens angegriffen, heißt es unter Berufung auf die arabische Agentur Al-Masdar. In den nächsten Stunden könnte sich die Situation zu Gunsten des IS wenden, da die syrische Armee keine Unterstützung aus der Luft mehr bekommen könne. 

"Russland ist gezwungen, faktisch alleine gegen den internationalen Terrorismus zu kämpfen, während die USA sich wieder mal mit der großen Geopolitik beschäftigen und eigene Interessen verfolgen", beschwerte sich Sluzki.


Russland verstärkt Luftabwehr in Syrien

In die gleiche Kerbe schlug auch der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Verteidigung und Sicherheit Franz Klinzewitsch. "Mit seinem Befehl zum Angriff auf die syrische Basis hat Trump gezeigt, gegen wen die USA wirklich in Syrien kämpfen. Die Masken sind gefallen. Ich bin mir sicher, dass die Terroristen sich die Hände reiben", zitiert ihn die russische Agentur Tass. 

Unterdessen erklärte das russische Verteidigungsministerium, der US-Angriff sei eine "Demonstration militärischer Gewalt, diktiert allein durch interne politische Gründe". Das russische Militär kündigte an, das Luftabwehrsystem in Syrien verstärken zu wollen, um wichtige syrische Infrastrukturelemente zu schützen.

Das US-Militär muss sich hingegen Spott gefallen lassen. Nach Darstellung des russischen Verteidigungsministeriums haben nämlich nur 23 der 59 abgefeuerten Marschflugkörper ihr Ziel erreicht. Nach 36 weiteren "Tomahawk" werde gesucht. "Die Effektivität des amerikanischen Raketenangriffs auf den syrischen Stützpunkt war extrem niedrig", bemerkte Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow schadenfroh.

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