Nahost-Konferenz King Lotto in Annapolis


Die mögliche Aussicht auf Frieden in Nahost versetzt die Konferenz-Teilnehmer von Annapolis in Verzücken. Doch die Chance auf einen Durchbruch ist ungefähr genauso hoch, wie den 30-Millionen-Lotto-Jackpot zu knacken. Aber einen kleinen Erfolg hat sie bereits gebracht.
Ein Kommentar von Peter Meroth

Die Nahost-Friedensverhandlungen in der Marine-Akademie nahe Washington erinnern an eines der deutschen Top-Themen dieser Tage - den märchenhaften Jackpot im Lotto. Ein Durchbruch bei den Gesprächen über die Zukunft Palästinas ist ebenso wahrscheinlich wie ein Haupttreffer in der Lotterie, aber in beiden Fällen hindert es die Beteiligten nicht, an das Unmögliche zu glauben und sogar Wetten darauf abzuschließen. Es lässt sich so herrlich spekulieren über all die Was-wäre-wenn-Szenarien. Präsident George W. Bush, der einen außenpolitischen Erfolg dringend braucht, beschwört die Aussichten von Annapolis wie ein Familienvater, dem das Weihnachtsgeld gestrichen wurde: Er schwelgt von den Möglichkeiten, wie von einem 30-Millionen-Euro-Geldregen. Nichts ist unmöglich

Bush hat Kapital verspielt

Fatal ist nur, dass die Träume vom Hauptgewinn umso intensiver geraten, je mehr Chancen zuvor vertan wurden. Bush hat mit den Blankoschecks für die Bulldozer-Politik des früheren israelischen Premiers Ariel Sharon viel Kapital verspielt, ist mit seiner Politik der Hau-Ruck-Demokratisierung der Region gescheitert. Für den mühsamen Weg der Diplomatie und der Verhandlungen bleibt ihm nicht mehr genug Zeit. Da hilft nur der Jackpot. Der ist in Annapolis gut gefüllt, wenn man allein die Zahl der mehr als 50 teilnehmenden Staaten und Organisationen nimmt, der UN-Generalsekretär ist ebenso dabei wie der Generalsekretär der Islamischen Konferenz. Tony Blair durfte als Vertreter des Nahost-Quartetts anreisen, Außenminister von Südafrika bis Norwegen geben sich ein Stelldichein, selbst der Vatikan entsandte seinen Vize-Außenminister.

Trotz der inflationär wirkenden Einladungsliste liegt der größte Erfolg im Vorfeld der Konferenz in der Zusage des syrischen Vize-Außenministers. Das Regime in Damaskus steht unter großem Druck durch den Nachbarn Iran und die radikal-islamische Hisbollah im Land, der Verhandlungen mit Israel generell suspekt sind. Trotzdem signalisiert Syrien Gesprächsbereitschaft. Darauf ließe sich in weiteren Gesprächen aufbauen, es fragt sich nur, ob Bush und seine Berater dafür die nötige Geduld mitbringen. Oder ob ihnen Annapolis nur als Schaulaufen dient, um sich selbst, dem amerikanischen Volk und der Welt vorzuführen, wie isoliert der Iran ist.

Am Ende wird es sein wie beim Lotto. Einige Teilnehmer werden sich über Kleingewinne freuen, auch wenn die den Einsatz nicht ganz aufwiegen. Wird der Jackpot nicht geknackt, wachsen die Hoffnungen auf die nächste Ziehung - und die nächste Konferenz.


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