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Nahost-Reise: Bush kam, sah und grüßte

Vermutlich zum ersten und letzten Mal besucht George W. Bush als US-Präsident den Nahen Osten. Bei seiner Ankunft in Tel Aviv wurde er von den Israels politischer Führung begrüßt und als Garant für die Sicherheit des Landes gepriesen. Bush wurde gebeten, "die Verrücktheit" in der Region zu stoppen.

Zum Auftakt seines ersten Israel-Besuchs als US-Präsident hat George W. Bush zur konsequenten Fortsetzung des in Annapolis begonnenen Friedensprozesses aufgerufen. "Wir sehen eine neue Chance für Frieden hier im Heiligen Land und für die Freiheit in der ganzen Region", sagte Bush, der zuletzt 1998 in Israel war, kurz vor seiner Wahl ins Weiße Haus. Bei seiner Ankunft auf dem Flughafen von Tel Aviv wurde er von Israels Staatspräsident Schimon Peres sowie Ministerpräsident Ehud Olmert begrüßt.

Auch Peres beschwor die Chance für Frieden. "Die kommenden zwölf Monate sind Momente der Wahrheit. Sie dürfen nicht nur Worte bringen", sagte er. Gleichwohl wiesen Beobachter darauf hin, dass man sich auf der Nahost-Konferenz in Annapolis bei Washington Ende November eigentlich etwas schier Unmögliches vorgenommen habe - in nur zwölf Monaten die Differenzen von sechs Jahrzehnten zu überbrücken und einen palästinensischen Staat zu errichten.

Kurz vor dem Besuch Bushs vereinbarten Olmert und der palästinensische Präsident Mahmud Abbas, die Friedensverhandlungen künftig auf drei Ebenen zu führen. Demnach werden sich zum einen Olmert und Abbas sowie auf der zweiten Ebene ihre Verhandlungsführer mit den strittigsten Themen befassen - den Grenzen eines künftigen palästinensischen Staates, dem Status von Jerusalem und der Rückkehr palästinensischer Flüchtlinge. Auf einer dritten niedrigeren Ebene sollen weniger heikle Fragen wie der Abbau israelischer Straßensperren geklärt werden.

Olmert nannte Bush Israels "stärksten und vertrauenswürdigsten Verbündeten gegen Terrorismus und Fundamentalismus". Der wiederum entgegnete: "Die Allianz zwischen unseren beiden Staaten hilft, die Sicherheit Israels als jüdischen Staat zu garantieren." Damit sprach er allerdings auch einen kritischen Punkt in den Friedensverhandlungen an. Selbst gemäßigten Palästinensern ist die Selbstdefinition Israels als jüdischer Staat ein Dorn im Auge, weil dies die in Israel lebenden Araber automatisch zu Außenseitern mache.

Peres bat um Bushs Hilfe, um "die Verrücktheit zu stoppen", die vom Iran sowie von den Organisationen Hisbollah und Hamas ausgehe. Der Iran sollte nicht die Entschlossenheit Israels zur Selbstverteidigung unterschätzen, so Peres. Bush bekundete Unterstützung - nicht zuletzt unter dem Eindruck des Marinezwischenfalls im Persischen Golf, bei dem es jüngst beinahe zu einem Schusswechsel zwischen iranischen Schnellbooten und Schiffen der US-Marine gekommen wäre. Dies sei ein provokativer Akt von Seiten des Irans gewesen.

Al-Kaida-Demo gegen Bush-Besuch

Im Gazastreifen demonstrierte kurz vor Bushs Ankunft eine kleine Gruppe gegen den Besuch des US-Präsidenten in der Region. Einige Demonstranten, die sich als Anhänger des Terrornetzwerks al Kaida bezeichneten, erhoben nicht näher definierte Drohungen gegen amerikanische Ziele. Der Besuch Bushs wird allein in Jerusalem von fast 10.000 Polizisten gesichert. Am Donnerstag wird der US-Präsident zu Gesprächen mit der palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah erwartet. Weitere Stationen seiner Reise sind Kuwait, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien und Ägypten.

Anne Gearan/AP / AP