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NAHOST: Powell heute in Israel

US-Außenminister Colin Powell nimmt heute seine mit Spannung erwarteten Gespräche mit der israelischen Führung in Jerusalem auf. Der Minister war am Donnerstagabend im Rahmen seiner Nahost-Mission in Israel eingetroffen.

US-Außenminister Colin Powell ist am Donnerstag in Israel eingetroffen. Er will sich um eine Waffenruhe zwischen den Nahost-Konfliktparteien bemühen.

Treffen mit Arafat am Samstag

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Jordanien, wo er mit König Abdullah zusammenkam, landete Powell am Abend in Tel Aviv. Für Freitag war ein Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon in Jerusalem vorgesehen. Am Samstag sollte der Minister israelischen Regierungskreisen zufolge mit Palästinenser-Präsident Jassir Arafat in Ramallah im Westjordanland zusammenkommen, wo dieser von der israelischen Armee festgehalten wird.

Israel offen für Powells Ratschläge

Die israelische Armee war wenige Stunden vor dem Eintreffen Powells in Israel in drei palästinensische Orte eingerückt. Zugleich stellte die Regierung ein Ende der Offensive innerhalb von drei Wochen in Aussicht. »Ich hoffe, dass wir in der Lage sein werden, den gesamten Einsatz spätestens innerhalb von zwei oder drei Wochen zu beenden«, sagte Außenminister Schimon Peres dem US-Fernsehsender NBC. Israel sei aber offen gegenüber Ratschlägen Powells für den Zeitplan. Die Regierung nehme die Aufforderung des US-Präsidenten George W. Bush sehr ernst, der Israel zum Abzug seiner Truppen ohne Verzögerung aufgerufen hatte. Peres sagte, er sei sich bewusst über die negativen Folgen des Militäreinsatzes für das Ansehen Israels im Ausland. Israel habe nach den Anschlägen im März mit mehr als 126 Toten jedoch keine Alternative gehabt.

Bereits am Donnerstag seien Soldaten aus 24 Orten im Westjordanland abgezogen worden, teilte die Armee mit. Scharon hat bislang die Forderungen der internationalen Gemeinschaft abgelehnt, die Truppen sofort aus dem Westjordanland abzuziehen. Israel hatte seine Offensive Ende März begonnen, nachdem Palästinenser bei Selbstmordanschlägen in Israel zahlreiche Menschen getötet hatten.

Aufruf zum sofortigen Abzug

Am Mittwoch hatten die Vereinten Nationen (UNO), die Europäische Union (EU), die USA und Russland Israel gemeinsam zum sofortigen Abzug aufgerufen. Gleichzeitig verurteilten sie jegliche »terroristische Anschläge« und forderten die Palästinenser-Führung auf, Attentate künftig zu unterbinden.

Ballungszentren weiter besetzt

Trotz des israelischen Abzugs aus mehreren Dörfern hielten die Truppen am Donnerstag weiter die Ballungszentren Ramallah, Nablus, Dschenin und Bethlehem besetzt. Im Flüchtlingslager Dschenin, Schauplatz heftiger Kämpfe in den vergangenen Tagen, ergaben sich nach Angaben der israelischen Armee die letzten 36 palästinensischen Kämpfer.

Die Palästinenser-Regierung appellierte unterdessen an die Staatengemeinschaft, internationale Beobachter zu entsenden. Sie forderte zudem UNO-Generalsekretär Kofi Annan auf, unter anderem das »Massaker« im Flüchtlingslager Dschenin von einem internationalen Komitee untersuchen zu lassen. Israel hat Berichte über Massaker als Propaganda zurückgewiesen. Nach palästinensischen Angaben wurden während der Offensive in den vergangenen 13 Tagen 500 Palästinensern getötet. Israel hatte von 200 getöteten Palästinensern gesprochen, von denen die meisten militante Extremisten gewesen seien.