Nahost-Reise Viele Tricks und keine Kompromisse


Zum krönenden Abschluss ein Bad in der Menge jubelnder US-Soldaten in Katar - einen perfekteren Schlusspunkt für US-Präsident George W. Bushs Europa- und Nahostreise hätte das Weiße Haus kaum inszenieren können.

Zum krönenden Abschluss ein Bad in der Menge jubelnder US-Soldaten in Katar - einen perfekteren Schlusspunkt für US-Präsident George W. Bushs Europa- und Nahostreise hätte das Weiße Haus kaum inszenieren können. Es war das Tüpfelchen auf dem I für einen Präsidenten, der sich als Versöhner und Friedensstifter die ganze Woche brillant in Szene gesetzt hat.

Klare Worte und spontane Gesten

Bushs direkter Stil, die Vorliebe für klare Worte und spontane Gesten, haben sich ausgezahlt. In Europa lockte er die Skeptiker mit einer überraschenden Charme-Offensive aus der Deckung. Ganz unverkrampft ging Bush in St. Petersburg etwa auf Gerhard Schröder zu und schenkte dem Bundeskanzler damit die gewünschten Schlagzeilen über die langersehnte deutsch-amerikanische Annäherung. Dem französischen Präsidenten Jacques Chirac nahm er den Wind für weitere antiamerikanische Attacken aus den Segeln, indem er einfach zur Tagesordnung überging. Das Beste sei, den Irak-Steit einfach hinter sich zu lassen und nach vorn zu schauen, beschied Bush.

Gespräche im kleinen Kreis

Beim Gipfel in Scharm el Scheich nahm Bush die sonst so sehr auf Etikette bedachten Araber kurzerhand zum Gespräch im kleinen Kreis beiseite. Die umfangreichen mitgereisten Delegationen warteten vergeblich auf ihren Einsatz. Mit langatmigen Erklärungen in großer Runde wollte Bush sich gar nicht erst aufhalten. Heraus kam - wie von Bush gewünscht - eine deutliche Absage der Araber an den Terrorismus und ein klares Bekenntnis zum Nahostfriedensprozess mit Unterstützung für den neuen palästinensischen Regierungschef Mahmud Abbas.

Mit dieser Zusage in der Tasche reiste Bush zum eigentlichen Nahostgipfel in den jordanischen Badeort Akaba. Da war die Sache eigentlich schon gelaufen. Bush bestellte Abbas und den israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon nur kurz zum Einzelgespräch, dann stand der Neubeginn der Nahost-Friedensverhandlungen. Vor Bushs Augen reichten Scharon und Abbas einander die Hand. Der Erfolg der Präsidentenreise war perfekt.

"Wir haben erreicht, was wir gehofft hatten"

"Ich bin ein Meister niedriger Erwartungen", resümierte Bush im Flugzeug auf der letzten Etappe der Nahostreise gelöst. Zum ersten Mal in seiner Amtszeit gesellte er sich ganz locker zu der Runde der mitreisenden Journalisten. "Wir haben erreicht, was wir gehofft hatten, unsere Erwartungen wurden erfüllt."

Klare US-Absichten

Doch auch wenn sich Bush bescheiden gibt - an der Absicht, die US-Interessen auf dem internationalen Spielfeld ohne viel Rücksicht auf die anderen durchzuboxen, ließ er keinen Zweifel. In Europa blieb Bushs Botschaft bei allem Händeschütteln: wer unseren Kurs mitfahren will, der ist willkommen, wer nicht, der hält uns auch nicht auf. Im Nahen Osten hat Bush seinen Hut erst in den Ring geworfen, als ihm klar war, dass den Sicherheitsinteressen der USA erst dann gedient ist, wenn dem Terrorismus mit der Lösung der Palästinenserfrage der Boden entzogen wird.

Umgeben von den eigenen Soldaten am Golf nahm Bush kein Blatt vor den Mund: "Wir haben eine klare Botschaft: Diktatoren können sich nicht mehr hinter Unschuldigen verstecken. Diejenigen, die die Sicherheit von anderen bedrohen, müssen sich jetzt Sorgen über ihre eigene Sicherheit machen."

Von Christiane Oelrich DPA

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