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US-Spitzenpolitikerin Kameras der Kapitolpolizei filmten Einbruch in Nancy Pelosis Haus – aber niemand sah hin

Das Privathaus von Nancy Pelosi und ihrem Ehemann Paul in San Francisco
Das Privathaus von Nancy Pelosi und ihrem Ehemann Paul in San Francisco. An den Ecken des Gebäudes sind bei genauem Hinschauen Überwachungskameras erkennbar.
© Jeff Chiu / AP / DPA
Der Eindringling in das Haus der US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi und ihres Ehemannes hätte womöglich früher gestoppt werden können. Denn die Kapitolpolizei überwacht das Gebäude von Washington aus mit Kameras – eigentlich.

Der Einbruch in das Privathaus der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, und ihres Mannes, Paul Pelosi, wurde von Sicherheitskameras der Kapitolpolizei in Washington aufgezeichnet, wie mehrere US-Medien berichten. Weil aber niemand die Aufnahmen aus dem rund 4000 Kilometer entfernten San Francisco im Blick hatte, bemerkten die Beamten ihn erst, als bereits die Polizei der Westküstenmetropole am Tatort eingetroffen war.

In der Kommandozentrale der Kapitolpolizei hätten eine Handvoll Beamte am frühen Freitagmorgen routinemäßig die Live-Übertragungen der 1800 Kameras, mit denen der nahegelegene Sitz des US-Kongresses und einige weitere Orte überwacht werden, überprüft, berichtet die "Washington Post". Dabei habe ein Beamter auf einem Bildschirm blinkende Polizeilichter vor dem Haus der Pelosis gesehen. Er habe daraufhin rasch weitere Kameraperspektiven aus der Umgebung des dreistöckigen Gebäudes aufgerufen und begonnen, die Aufnahmen aus den Minuten vor dem Eintreffen der Polizei in San Francisco zu sichten.

Die Aufzeichnungen hätten gezeigt, wie ein Mann mit einem Hammer an der Rückseite des Hauses die Glasscheibe einer Tür einschlug und in das Haus eindrang, schreibt die Zeitung unter Berufung auf drei Personen, die über das Video unterrichtet worden seien oder es selbst gesehen hätten. Während des Einbruchs sei kein Sicherheitsalarm ausgelöst worden, auch nicht, als der Eindringling die Scheibe der Hintertür einschlug, meldet der US-Sender CBS News. Die Polizei in San Francisco wurde erst darauf aufmerksam, als es Paul Pelosi gelang, den Notruf zu wählen.

Nancy Pelosi wird rund um die Uhr bewacht

Der 82-jährige Ehemann der US-Demokratin liegt mit einem Schädelbruch und ernsten Verletzungen am rechten Arm und den Händen im Krankenhaus, nachdem ihn der mutmaßliche Eindringling – der 42 Jahre alte David D. – mit einem Hammer angegriffen hatte. Die Ärzte erwarten aber, dass Pelosi sich vollständig erholt. Eigentlich hatte D. nach eigener Aussage vorgehabt, Nancy Pelosi als Geisel zu nehmen und ihr die Kniescheiben zu brechen. Die 82-Jährige war während des Einbruchs jedoch in Washington.

Die Kameras rund um Pelosis Haus wurden laut "Washington Post" bereits vor acht Jahren von der für ihren Schutz zuständigen Kapitolpolizei installiert. Die Spitzenpolitikerin werde rund um die Uhr bewacht, und nach dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 habe monatelang Tag und Nacht ein Polizeifahrzeug aus San Francisco vor ihrem Haus gestanden. Doch nur wenige Stunden, nachdem Pelosi San Francisco vergangene Woche verlassen habe und nach Washington zurückgekehrt sei, habe ein Großteil des Sicherheitspersonals mit ihr das Haus verlassen, und die Beamten in Washington hätten aufgehört, die Videoaufnahmen vor ihrem Haus kontinuierlich zu überwachen.

Nancy Pelosi ist seit Jahren ständiges Ziel verbaler Attacken der politischen Rechten. Der ehemalige US-Präsident Donald Trump nennt sie immer wieder "Crazy Nancy" ("Verrückte Nancy") und machte sie über die Jahre zu einer Hassfigur für seine Anhänger. Pelosi ist in der politischen Rangfolge der USA nach Präsident Joe Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris die Nummer drei.

Bedrohungen von Politikern und Politikerinnen haben in den USA dramatisch zugenommen. Seit 2016, als Donald Trump zum Präsidenten gewählt wurde, seien die von der Kapitolpolizei registrierten Gewaltandrohungen gegen Abgeordnete von rund 900 Fällen im Jahr 2016 auf 9.625 im Jahr 2021 gestiegen, berichtet die "Washington Post". Lediglich zwischen sieben und 17 Prozent dieser Fälle seien in dem Zeitraum von den Bundesbehörden strafrechtlich verfolgt worden.

Quellen: "Washington Post", CBS News, "New York Times"

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