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NATO: Neuer NATO-Chef ist ein Niederländer

Die 19 Mitgliedsstaaten der NATO haben sich auf einen neuen Mann an der Spitze des Bündnisses geeinigt. Die Wahl fiel auf den niederländischen Außenminister Jaap de Hoop Scheffer.

Der niederländische Außenminister Jaap de Hoop Scheffer wird neuer NATO-Generalsekretär. Darauf verständigten sich die 19 Mitgliedstaaten am Montag, wie es aus diplomatischen Kreisen bei der Allianz in Brüssel hieß. De Hoop Scheffer tritt die Nachfolge des Schotten George Robertson an, der das Amt zum Jahresende abgibt. Robertson war vier Jahre im Amt.

Favorit der Amerikaner

Der Niederländer galt seit längerem als Favorit der US-Regierung für den höchsten politischen Posten bei der NATO. Zur Begründung wurde immer wieder die US-freundliche Haltung der Niederlande im Irak-Konflikt herangezogen. Nur Frankreich und Kanada hatten vergangene Woche noch Vorbehalte gegen die Nominierung. Als weiterer Kandidat für den Posten wurde bis zuletzt der frühere kanadische Außen- und derzeitige Finanzminister John Maley gehandelt. De Hoop Scheffer tritt sein Amt als Generalsekretär im Januar an.

Dabei schien Karriere des 55-Jährigen, der den niederländischen Christdemokraten angehört, noch vor zwei Jahren im heimatlichen Den Haag in der Sackgasse gelandet zu sein. Gerade weil er als Oppositionsführer im Parlament zu wenig Biss gezeigt haben soll, wurde er als Partei- und Fraktionschef abgelöst. "Schade, er ist halt kein mitreißender Kämpfer", sagten Parteifreunde damals. Sie trauten dem nüchternen Juristen mit seinem Bemühen um Ausgleich unterschiedlicher Interessen nicht zu, dass er die Christdemokraten wieder in die Regierungsverantwortung zurück führen wurde. Dies gelang Jan Peter Balkenende, dem heutigen Ministerpräsidenten. Er holte den erfahrenen De Hoop Scheffer überraschend ins Außenamt.

Der transatlantische Konflikt über den Irakkrieg bot ihm die entscheidende Gelegenheit, seine Qualitäten unter Beweis zu stellen. Der Politiker mit dem Ruf des "Atlantikers" trat für politische Unterstützung der USA ein - aber in einer Weise, die selbst europäische Gegner der US-Politik nicht gegen den Niederländer aufbrachte. Zugleich trat er dafür ein, dass Europas Stimme international stärker gehört wird. Und er erwarb sich diesseits und jenseits des Atlantiks Achtung mit seinem Auftreten als Vorsitzender der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Der Niederländer präsentierte sich als Minister nicht zu europäisch und nicht zu amerikanisch, bescheinigten ihm die Medien ideale Voraussetzungen für den NATO-Chef.

Lieber Florett als Hammer

De Hoop Scheffer kehrt im NATO-Amt jetzt auf ein Arbeitsgebiet zurück, das er als Diplomat seines Landes schon vor drei Jahrzehnten kennen lernte. Als Generalsekretär ist er der dritte Niederländer in der Geschichte des Bündnisses. Der Politiker, der nach eigenem Bekunden im Streit das Florett dem Hammer vorzieht, verspricht einen anderen Stil als seine Landsleute Dirk Stikker (1961-1964) und vor allem als der eher "barocke" Joseph Luns (1971-1984).

Als Eigenschaft, die De Hoop Scheffer besonders auszeichnet, hat der frühere niederländische Außenminister und ehemalige EU-Kommissar Hans van den Broek dessen Fähigkeit hervorgehoben, sich geschickt auf delikatem Terrain bewegen, buchstäblich auf Eiern laufen zu können. "Zum Glück ist Jaap ein ausgezeichneter Eierläufer", zitierte "de Volkskrant" am Montag seinen einstigen Chef. Jaap de Hoop Scheffer war einmal sein persönlicher Sekretär.

(ap,Edgar Denter/dpa)