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Nigeria: Fast 500 Menschen bei Unruhen getötet

Schwere Ausschreitungen in der nigerianischen Stadt Jos haben offenbar fast 500 Todesopfer gefordert. Die Unruhen begannen nach den Kommunalwahlen vom Donnerstag, den ersten seit mehr als einem Jahrzehnt. Auslöser waren offenbar Vorwürfe des Wahlbetrugs.

Gerüchte über möglichen Wahlbetrug haben in Nigeria zu schweren Ausschreitungen zwischen Christen und Moslems mit bis zu 500 Toten geführt. 300 Leichen seien allein am Samstag in die größte Moschee der Stadt Jos gebracht worden, berichtete ein führender Geistlicher. Nach dem Ende eines nächtlichen Ausgehverbots wurden wieder Häuser, Kirchen und Moscheen in Brand gesteckt. Präsident Umaru Yar'Adua entsandte Soldaten nach Jos. Vertreter verschiedener Volksgruppen und Glaubensgemeinschaften riefen im Rundfunk zur Ruhe auf.

Die mehrtägigen Ausschreitungen in der Hauptstadt des nigerianischen Staates Plateau hatten nach den Kommunalwahlen vom Donnerstag begonnen, den ersten Wahlen seit mehr als einem Jahrzehnt in Jos. Auslöser waren offenbar Vorwürfe des Wahlbetrugs.

Scheich Khalid Abubakar sagte, in der Nähe der Moschee lägen weitere 180 Tote. Da die Christen ihre Toten nicht in eine Moschee bringen, könnte die tatsächliche Zahl der Opfer noch deutlich höher liegen. Polizeisprecher Bala Kassim erklärte nur, es gebe "viele Tote", Zahlen wollte er nicht nennen.

Die Unruhen begannen mit Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der beiden größten Parteien in Jos. Schnell entwickelten sich daraus Kämpfe zwischen den Moslems vom Volk der Hausa und Christen, die anderen Ethnien angehören. Es sind die schlimmsten Ausschreitungen im Staat Plateau seit 2004, als bei Kämpfen zwischen Christen und Moslems rund 700 Menschen ums Leben kamen. 2001 gab es bei ähnlichen Unruhen mehr als 1000 Tote.

Jos liegt in einem Gebiet, in dem die verschiedensten Volksgruppen leben. Die Region trennt den moslemischen Norden vom eher christlichen Süden des bevölkerungsreichsten afrikanischen Landes.

AP / AP