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Attentat in Frankreich: Warum Nizza eine Hochburg der Islamisten ist

Nizza gilt als eine der Hochburgen für Frankreichs Islamisten. In den Vororten der Ballungszentren wachsen Extremismus und Radikalisierung - gerade unter den jungen Franzosen mit Migrationshintergrund.

Die Altstadt von Nizza

Die Altstadt von Nizza

Nizza ist Schauplatz eines grausamen Attentats mit mindestens 80 Todesopfern geworden. Nicht nur Nizza, sondern die ganze Welt ist erschüttert. Wie konnte es zu diesem Attentat kommen? Noch sind die Hintergründe des Anschlags unklar. Bislang gibt es keine gesicherten Hinweise, dass die Terror-Organisation IS mit dem Anschlag in Verbindung steht. Der Rat der Muslime in Frankreich verurteilt die Tat als "widerlich".

Radikalisierung in Ballungszentren

Dennoch: Nach den vergangenen Anschlägen in Paris scheint eine Verbindung zur islamistischen Szene nicht undenkbar. Schon seit längerem gehört Nizza zu den Hochburgen islamischer Radikalisierung in Frankreich. Neben Paris, Toulouse und Lyon ist die Stadt an der Côte d'Azur eine der Brutstätten für extreme Islam-Fanatiker. "Wir wissen, dass Nizza ein Zentrum der Radikalisierung ist", sagt der französische Parlamentsabgeordnete Sébastien Pietrasanta. So stammen aus der 340.000-Einwohner-Metropole die meisten Dschihadisten, die sich aus Frankreich in den Irak und nach Syrien aufgemacht hatten, um sich dem IS anzuschließen, schreibt die "NZZ". Überhaupt kommen die meisten Ausländer, die sich dem Dschihad anschließen, aus Frankreich, berichtet der "Deutschlandfunk". Vor allem ein Name fällt immer wieder zur Dschihadisten-Szene in Nizza: Oumar Diaby, besser bekannt als Omar Omsen. Der Franko-Senegalese soll viele Franzosen für den Dschihad in Syrien rekrutiert haben. Er ist der Autor zahlreicher Propagandavideos und war als selbsternannter Imam und radikaler Hassprediger in Nizza aktiv. Seit 2013 hält er sich in Syrien auf.

Nizza: Migranten sind nicht Teil der Gesellschaft

Das Problem der Stadt und auch anderer Ballungsräume in Frankreich: Die große Gemeinschaft nordafrikanischer Einwanderer, die nicht Teil der französischen Gesellschaft sind. Das sagt ein ehemaliger CIA-Agent gegenüber "CNN". Nach den Anschlägen in Paris sei das Verhältnis noch schwieriger, weil gezielt Menschen mit arabischem Aussehen kontrolliert werden würden. "Wir haben drei Generationen von Einwanderern aus Marokko, Algerien oder Tunesien. Und auch wenn ihre Kinder in Frankreich geboren wurden und ihre Enkelkinder in Frankreich zur Welt kommen, fühlen sie sich nicht als Franzosen", so ein Mitglied der Interpol-Leitung zu "CNN". Diese Menschen würden unter sich bleiben, in ihrer Nachbarschaft. "Und sie werden nicht als Teil der Gesellschaft anerkannt", sagt er weiter. 

Nizza, Stadt der Kontraste

In Nizza prallen harte Fronten aufeinander: Auf der einen Seite leben überdurchschnittliche viele Muslime in der Stadt, der Anteil wird auf 15 Prozent geschätzt, so die "NZZ". Auf der anderen Seite sammelt der rechts-populistische Front National in Nizza viele Stimmen. "Die traditionelle Dominanz der politischen Rechten hängt auch damit zusammen, dass die Stadt in den 1960er Jahren eine starke Zuwanderung von erzpatriotischen Franzosen nach dem Algerienkrieg erlebt hatte", schreibt die "NZZ".

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Eine aufgeladene Stimmung. Eine vom saudiarabischen Religionsminister finanzierte Moschee in Nizza sorgte lange für Streit. 2015 griff ein Mann drei Soldaten an, die ein jüdisches Zentrum in Nizza schützen sollten. Zu seinem Motiv sagte er später, er hasse Frankreich und die Juden.

kg mit Agentur